Filmfestspiele nach Dieter Kosslick : Wie sieht die Zukunft der Berlinale aus?

Ab Sommer 2019 brauchen die Filmfestspiele eine neue Spitze. Die Zeit drängt, am Montag trifft sich eine Expertenrunde. Bei der Kosslick-Nachfolge geht es auch um Strukturen.

Im Zentrum: Die Wettbewerbsfilme laufen im Berlinale-Palast.
Im Zentrum: Die Wettbewerbsfilme laufen im Berlinale-Palast.Foto: Alexander Janetzko/Berlinale

Wie geht es weiter mit der Suche nach einem neuen Berlinale-Chef, einer neuen Chefin? Das vorletzte Festival unter Dieter Kosslick steht vor der Tür, es eröffnet am 15. Februar. Kosslicks Vertrag endet im Mai 2019, seine Nachfolge müsste am 1. Juni 2019 installiert sein, damit die Berlinale 2020 gestemmt werden kann.

Die Zeit drängt. Leider hat man nicht den Eindruck, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters, derzeit heftig mit der Groko beschäftigt, die Suche nach Kräften vorantreibt. Zumal es um mehr geht als um eine Chefpersonalie, es geht um eine neue Leitungsstruktur. Um ein Konzept für die Zukunft der Berlinale, das eigentlich längst stehen müsste. Am kommenden Montag trifft sich erstmals eine Expertenrunde, die die Verantwortlichen beraten soll. Man ahnt es, das dauert.

Dieter Kosslick hat im Dezember bekundet, für eine Leitungsfunktion künftig nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Die schöne Vorstellung, das er auf seinem Abschieds-Festival im Februar 2019 zusammen mit dem oder der Neuen auf dem roten Teppich die Stars begrüßt, wird sich kaum noch realisieren lassen. Dabei hätte es Charme, würde einen kollegialen Wechsel signalisieren und vielleicht auch die Gemüter beruhigen, die sich seit dem Offenen Brief von 79 Filmschaffenden Ende November so heftig erregen. Die Berlinale müsse programmatisch erneuert und entschlackt werden, hieß es in dem Brief, der eine heftige Diskussion nach sich zog.

Kurzer Blick zurück: Wie war das damals eigentlich bei Kosslicks Antritt? Er kam im Mai 2001 ins Amt, publik wurde die Personalie im Juli 2000, ohne große Vorab-Diskussion, ohne Findungskommission – wobei der Ruf danach durchaus erschallte. Ein entsprechender, wegen der schieren Größe des Festivals mit seinem riesigen personellen Apparat auch notwendiger Vorlauf würde bedeuten, dass Entscheidung über die Kosslick-Nachfolge im Sommer dieses Jahres bekannt gegeben werden müsste. Das ist kaum noch zu schaffen.

Bei seinem Amtsantritt wurde Kosslick als Erneuerer gefeiert

Als klar war, dass der Vertrag seines Vorgängers Moritz de Hadeln nicht verlängert würde und der Name Kosslick bereits gerüchteweise kursierte, sagte Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) im „Spiegel“: „Warum soll ich eine lange öffentliche Debatte führen, nur weil die Presse sie angezettelt hat?“ Und: „Die Berlinale-Leitung ist keine Funktion, die einer Urabstimmung durch die Filmkritik unterliegt, sondern vielmehr einer Abstimmung zwischen dem Bund und Berlin.“ Eine solche Äußerung heute von Grütters? Undenkbar. Die CDU-Politikerin lud im Gegenteil selber zur Podiumsdiskussion im Dezember.

Dieter Kosslick startete im Mai 2001, seine letzte Berlinale wird 2019 sein.
Dieter Kosslick startete im Mai 2001, seine letzte Berlinale wird 2019 sein.Foto: imago/Future Image

Bei Kosslicks Berufung damals durch das Kuratorium der Berliner Festspiele soll die SPD-Connection aus der Hamburger Zeit von Kosslick, Naumann und dessen Amtschef Knut Nevermann eine Rolle gespielt haben, von Kungelei war die Rede. Aber kaum dass er loslegte, wurde der damals 53-Jährige als Erneuerer wahrgenommen. Kosslick, das war der Mann, der die Berlinale entstaubte, modernisierte, intern befriedete und die deutsche Filmszene mit dem Festival versöhnte. Und es stimmte ja auch.

Heute ist Berlin nicht mehr zuständig, als Dienstherr firmiert ausschließlich der Bund. Über die Berlinale-Leitung entscheidet auch kein Kuratorium mehr, sondern der zwölfköpfige Aufsichtsrat der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin), der zu Zweidritteln aus Politikern besteht. Das Gremium hat im Dezember ein Findungstrio aus den eigenen Reihen ernannt – warum nicht früher? Neben Grütters und GermanFilms-Chefin Mariette Rissenbeek gehört Berlins Staatskanzleichef Björn Böhning dazu, das Land redet also mit bei der Nachfolgefrage.

Transparenz bei einer Chefpersonalie? Die Suche braucht erstmal Diskretion

Bei den Expertinnen und Experten, die das Trio hinzuzieht, handelt es sich dem Vernehmen nach um ein knappes Dutzend, Produzenten, Weltvertriebler, Lobbyisten, Filmschaffende. Nach deren erster Zusammenkunft findet die für den Januar versprochene außerordentliche Aufsichtsratssitzung statt, am Mittwoch, den 31. Vorerst wollen die Experten nicht genannt werden, vielleicht ändert sich das nach dem Mittwoch, im Sinne der vielfach angemahnten Transparenz. Aber bei wichtigen Personalien ist weniger Transparenz als Diskretion geboten, will man nicht Kandidaten „verbrennen“ und bestehende Arbeitsverhältnisse gefährden.

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