„Finale“ im Chamäleon : Die Gaukler kommen

Akrobatik in Jeans und Sneakern: Die Frühjahrsshow „Finale“ im Chamäleon Varieté will betont locker und lässig wirken, findet dabei aber nicht in den Flow.

Mr. Elastisch. Richie Maguire spielt den flexiblen Muskelclown.
Mr. Elastisch. Richie Maguire spielt den flexiblen Muskelclown.Foto: Jakub Jelen/Promo

Jetzt haben es die Tierschützer geschafft: Im Chamäleon Varieté springen statt der Pudel die Menschen kopfüber durch die Reifen! Und im Gegensatz zu dressierten Hunden oder Tigern vollführen sie – ganz ohne Allez hopp und Peitschenknall – dabei auch noch den einen oder anderen Salto. In Jeans, T-Shirt und Sneakern, als seien sie nur mal eben von der Straße reingekommen.

Locker und lässig, das will die von der Berliner Kompanie Analog entwickelte Frühjahrsshow „Finale“ (bis 19. August) sein. Ohne die bei neuen Varieté-Shows inzwischen vielfach übliche Rahmenhandlung, ohne krampfige Kunstfiguren. Und in der Tat wirkt der kurzerhand in den Mittelgang des Saals verlegte Showauftakt wie Straßentheater. Ein paar aufgekratzt herumschreiende und grimassierende Typen, die aus einer großen Kiste und einem Brett kurzerhand einen waghalsigen Aufbau errichten, die Leute animieren und nach Freiwilligen für unbekannte Mitmach-Manöver rufen. Mutter, hol die Wäsche rein, die Gaukler sind in der Stadt!

Bücherhaufen und Pappschachteln als Bühnendeko

Zur allgemeinen Erleichterung sind es dann aber doch zwei Profis, die in wackeliger Höhe balancieren. Der clowneske Muskelmann Richie Maguire und vor allem Handstandakrobat Florian Zumkehr sind die stärksten Charaktere des achtköpfigen Ensembles. Zumkehr hat seine Karriere als Absolvent der Staatlichen Artistenschule vor zehn Jahren im Chamäleon in der Show „Soap“ begonnen, nun ist er nach internationalen Stationen mit eigener Kompanie als künstlerischer Leiter der Show zurückgekehrt.

Seine Handstände auf Bücherhaufen, die wie Berge von Pappschachteln zur Bühnendeko gehören, überzeugen artistisch und ästhetisch. Ein atmosphärisches Pfund ist die Sängerin Ena Wild, die die akrobatischen Nummern an Ringen, Stangen und Vertikalseil mit Schlagzeuger Lukas Thielicke musikalisch umrahmt. Trotzdem findet „Finale“ nicht zu jenem schwerelosen Flow, mit der etwa die Shows „Dummy“ und „Wunderkammer“ im Chamäleon Artistik, Tanz und Musik verbanden. Nur lässig und locker ist dann doch zu wenig Konzept.

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