zum Hauptinhalt
Florian Illies
© Manfred Thomas/Tagesspiegel

Nach nur einem Jahr als Verleger: Florian Illies verlässt Rowohlt Verlag

Er möchte sich wieder mehr dem Schreiben widmen: Florian Illies hört im Herbst 2020 als Rowohlt-Verleger auf.

Es ist eine dürre Meldung, die der Rowohlt Verlag da verschickt hat, mit zwei allerdings langen, sich gegenseitiger Sympathie versichernden Statements: Florian Illies, der erst Ende 2018/Anfang 2019 seine Arbeit als neuer Rowohlt-Verleger aufgenommen hatte, verlässt den Hamburger Verlag auf, wie es heißt, "eigenen Wunsch" zum Herbst 2020. Illiies' Inthronisierung hatte den Verlag in einige Turbulenzen gebracht, weil die eigentlich erfolgreiche Vorgängerin und Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz ihm weichen musste und viele Autoren und Autorinnen sich mit ihr solidarisierten.

Illies war erst im Herbst 2018 zu Rowohlt gekommen

Er wolle "einen anderen Weg gehen" und sich "dem Schreiben" widmen, gibt Illies als Begründung an: "Tief beeindruckt von der großen Kompetenz und der Liebe der Rowohltianer zu ihrem Verlag, nachhaltig erfüllt von all den Begegnungen mit seinen Autorinnen und Autoren, verlasse ich Rowohlt aus persönlichen Gründen und mit einem weinenden Auge. Ich weiß, es war eine nur kurze Zeit an der Spitze dieses großartigen Hauses."

Stefan von Holtzbrinck spricht von einem "außerordentlich starken Jahr"

Was wiederum der Holtzbrinck-Verleger Stefan von Holtzbrinck so kommentiert: „Ich bedauere die Entscheidung von Florian Illies sehr, aber ich habe davor großen Respekt. Für seine wertvolle Arbeit an der Spitze des Rowohlt Verlages, für den 2019 ein außerordentlich starkes Jahr gewesen ist, danke ich ihm von Herzen. Florian Illies wird auch weiterhin den von ihm betreuten Autorinnen und Autoren eng verbunden bleiben. Zudem freue ich mich auf die Fortsetzung seiner Arbeit als Buchautor der Verlagsgruppe wie auch auf die vertrauensvolle und inspirierende Zusammenarbeit im Herausgeberrat der ,Zeit'.“

Natürlich fragt man sich, warum Illies sich das plötzlich so "reiflich überlegt" hat, warum er schon wieder einen anderen Weg gehen will.

Denn Verleger zu werden war ja genau das für ihn, ein anderer, neuer Weg: als zuvor enorm erfolgreicher Autor ("Generation Golf", "1913"), als Gründer eines Kunstmagazins („Monopol“), als Feuilletonchef der „Zeit“, als Leiter des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach.

Hat er gemerkt, dass das Verlegerdasein vielleicht doch schwerer ist als gedacht und viel Kärrnerarbeit bedeutet? Dass ihm dieser Job nicht liegt? Mag sein.

Vor dem Hintergrund der Debatte um Barbara Laugwitz und wie sie 2018 aus dem Rowohlt Verlag gedrängt wurde, kommt dieser Schritt von Illies sehr schnell, sehr überraschend. Der Rowohlt Verlag steht jetzt vor der nicht leichten Aufgabe, eine Nachfolge-Lösung zu finden. Innerhalb von nur zwei Jahren eine dritte Leitung zu bekommen - das könnte für neue Unruhe sorgen.

Zur Startseite