• Fünf Grammys gehen an 18-Jährige: Billie Eilish dominiert die Grammy-Preisverleihung

Fünf Grammys gehen an 18-Jährige : Billie Eilish dominiert die Grammy-Preisverleihung

Die Newcomerin gewann in allen Hauptkategorien - und stach damit Lizzo und Lil Nas X aus. Die Gala war überschattet vom Tod des Basketballers Kobe Bryant.

Billie Eilish bei der Grammy-Gala.
Billie Eilish bei der Grammy-Gala.Foto: Mario Anzuoni/REUTERS

Die Zahl des Abends war 24. Nicht fünf - so viele Grammys gewann Billie Eilish. Und auch nicht 18, ihr Alter, das sie zur jüngsten Gewinnerin in den Hauptkategorien macht. Nein, die Zahl des Abends war die 24, die Rückennummer, die der Basketball-Star Kobe Bryant bei den Los Angeles Lakers getragen hatte.

Weil der legendäre NBA-Spieler kurz vor Beginn der Gala bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen war, erinnerten immer wieder Musikerinnen und Musiker an den viertbesten Werfer der Liga, der in derselben Halle viele seiner Triumphe gefeiert hatte. Hunderte Fans, von denen viele Bryant-Trikots trugen, waren zum Staples Center gekommen, um zu trauern. Einige hatten sogar die Absage der Musikpreis-Verleihung gefordert.

Verbeugung vor Kobe Bryant

Ihr Wunsch wurde nicht erhört, dafür war auf der Leinwand ein großes Porträt des Sportlers eingeblendet und Moderatorin Alica Keys sagte: "Wir stehen hier mit gebrochenen Herzen in dem Haus, das Kobe Bryant gebaut hat". Amerika und die Welt haben einen Held verloren.

Auch die achtfach für den Grammy nominierte Lizzo würdigte den mit nur 41 Jahren verstorbenen Ex-Sportler mit den Worten "Dieser Abend ist für Kobe" bevor sie die Show eröffnete. Ihr Auftritt war das erste Highlight der Gala: Sie spielte zunächst ihre Herzschmerz-Ballade "Cuz I love You" um dann zu "Truth Hurts" überzugehen.

Lizzo gewann drei Grammys.
Lizzo gewann drei Grammys.Foto: Monica Almeida/REUTERS

Begleitet von einem mehr als 20-köpfigen Orchester, das komplett aus schwarzen Musikerinnen bestand sowie einem Dutzend schwarzer Tänzerinnen, teilweise in beleuchteten Tutus, setzte sie ein kraftvolles Black-Power-Statement. Und natürlich durfte auch ein kurzes Querflöten-Solo nicht fehlen.

Billie Eilish stellte alle in den Schatten

Eine Performance, die sich schwer überbieten ließ. Allerdings musste sich die 31-jährige Musikerin in Sachen Preisen einer jüngeren Kollegin geschlagen geben. Lizzo kam auf drei Grammys, doch Billie Eilish gewann in fünf Kategorien, darunter in den vier wichtigsten. Seit dem Beginn der Grammys im Jahr 1959 war es das erste Mal, das dies einer Frau gelungen ist. So erhielt Eilish für ihr Debütalbum „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ den Preis für das beste Album sowie das beste Pop-Gesangsalbum. "Bad Guy" wurde als bester Song sowie als beste Aufnahme ausgezeichnet. Zudem wurde die Sängerin, die für neuen Bond-Song engagiert wurde, zum "Best New Artist" gekürt. Ihr Bruder Finneas O'Connell, mit dem sie das Album aufgenommen hatte, konnte zwei Produzenten-Grammys in Empfang nehmen.

Die beiden waren sichtlich überwältigt, dass sie wieder und wieder auf die Bühne gerufen wurden. Sie bedankten sich bei ihrer Familie, Freunden und den Fans. Finneas sagte, dass sie nie geglaubt hätten, so weit zu kommen, als sie die Songs in ihrem Zimmer aufnahmen. "Dies ist für alle Kids, die Musik in ihrem Schlafzimmer aufnehmen!"

Gekleidet in Kostüme aus demselben weißen Glitzerstoff spielten die Geschwister den Song "When The Party Is Over". Ein eher beschaulicher Auftritt, der ihren atemberaubenden Goth-Pop-Sound kaum widerspiegelte.

Lil Nas X trug ein pinkes Cowboy-Outfit

Großartig hingegen der Show-Beitrag von Lil Nas X, der seinen Überhit "Old Town Road" mit einer riesigen Gästeschar in diversen Kulissen aufführte. Beginnend in einem Wohnzimmer, in dem er ein Kobe-Bryant-Trikot auf dem Sessel neben sich drapiert hatte, ging er anschließend in ein Zimmer mit der südkoreanischen Boygroup BTS, um dann unter anderem bei Billy Ray Cyrus vorbeizuschauen und schließlich mit dem Rapper und Namenskollegen Nas das Finale zu bestreiten.

Zwei Grammys bekamen der County-Rap-Song und das Video, was für Lil Nas X sicher eine kleine Enttäuschung war. Dafür war der 20-Jährige, der sich im Sommer als schwul geoutet hatte, in seinem pinkfarbenen Cowboy-Outfit unbestreitbar der bestangezogene Mann im Publikum. Sein Erfolg steht nicht zuletzt für die Öffnung des Country-Genres in den letzten Jahren.

Streit hinter den Kulissen

Vorausgegangen war der Gala eine heftige Auseinandersetzung hinter den Kulissen der Grammy-Akademie. So war vor einer Woche Deborah Dugan, die Chefin der Organisation, suspendiert worden. Eine Mitarbeiterin hatte ihr Mobbing vorgeworfen.

Daraufhin erhob Dugan ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Akademie und bezeichnete ihr Entlassung als Racheakt, weil sie Unregelmäßigkeiten bei der Preisvergabe sowie sexuelle Übergriffe öffentlich gemacht habe. Sie reichte eine 44-seitige Beschwerde bei der Gleichstellungsbehörde von Los Angeles ein. Darin warf sie unter anderem Joe Katz, dem Anwalt der Akademie, sexuelle Belästigung vor, und erklärte, dass ihr Amtsvorgänger Neil Portnow eine Musikerin nach einem Auftritt in der Carnegie Hall vergewaltigt habe.

Portnow nennt Dugans Vorwürfe lächerlich

Die Recording Akademie weist die Vorwürfe empört zurück und hält ihnen entgegen, Dugan habe ihre Beschwerde erst eingereicht, nachdem ihr selbst Mobbing und die Schaffung einer unerträglichen Arbeitsatmosphäre angelastet worden seien. Ihren Rücktritt habe sie selbst angeboten und dafür von der gemeinnützigen Akademie 22 Millionen Dollar Abfindung gefordert. Portnow nannte Dugans Vorwürfe "lächerlich und unwahr" und "schrecklich schmerzhaft".

Dugan sollte die Grammy-Akademie in eine neue Ära führen, nachdem dieser immer wieder ein Mangel an Vielfalt und die Bevorzugung weißer, männlicher Künstler vorgeworfen worden war. Ihr Vorgänger hatte einst geäußert, dass sich Frauen im Popbusiness mehr anstrengen sollten.

Wer die 62. Verleihung des wichtigsten US-Musikpreises mit ihren vielen starken Beiträgen von und Preisen für Frauen, gesehen hat, konnte gut nachvollziehen wie gestrig solche Aussagen sind. Die neue Ära hat längst begonnen. (mit AFP)

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