Green Deal für die Kunst : Museumsleiter fordern Maßnahmen zum Klimaschutz

Viele Museen in Deutschland stehen unter staatlicher Aufsicht, darum sind sie gebunden an die klimapolitischen Ziele der Regierung.

Die Silhouette einer Frau vor der Projektion einer gigantischen Sonne. Die Installation von Olafur Eliasson war erstmals 2003 in der Tate Modern zu sehen..
Die Silhouette einer Frau vor der Projektion einer gigantischen Sonne. Die Installation von Olafur Eliasson war erstmals 2003 in...Foto: Reuters/Peter Macdiarmid

Die Spitzen wichtiger Museen in Deutschland wünschen sich bessere Maßnahmen zum Klimaschutz in ihren Häusern. In einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) fordern die Leitungen von rund zwei Dutzend führenden Museen, Kultureinrichtungen und Instituten „eine zentrale Taskforce, die sich einzig den klimapolitischen Herausforderungen in Museen und anderen öffentlichen Ausstellungshäusern widmet“. Initiiert wurde der Vorstoß vom Berliner Kulturmagazin „Monopol“.

"Klimaschutz wird ein wichtiges Thema für die documenta 15 in Kassel im Jahr 2022 sein“, sagte Sabine Schormann, Generaldirektorin der weltweit führenden Präsentation zeitgenössischer Kunst, zur Begründung der Initiative.
„Deutschland tritt gegenwärtig nicht mit ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen auf - das betrifft auch die Kulturpolitik“, heißt es in dem Schreiben. Viele Protagonisten des Kunstbetriebs engagierten sich für Umweltschutz und gegen den Klimawandel. „Mit ihrer Innovationskraft kann die Kunst zu einer echten Ressource im Kampf gegen Umweltzerstörung werden.“

Museen haben aufgrund stetig wachsender Sammlungen, die permanent klimatisiert werden müssten, sowie durch ihr laufendes Programm spezifische Anforderungen an Bau und Betrieb. „Die meisten Ausstellungshäuser unterstehen jedoch einer staatlichen Verwaltung und hängen somit auch von ihrer klimapolitischen Ausrichtung ab“, beklagen die Verfasser des Briefes. Verwaltungsstrukturen erschwerten maßgeschneiderte Lösungen und verlangsamten Entscheidungsprozesse. „Museen können deshalb in umweltpolitischen Fragen nicht so selbstbestimmt auftreten, dass sie eigene ambitionierte Akzente setzen könnten.“

Kulturbetrieb als Vorreiter im Klimaschutz

Eine zentrale Taskforce solle zwischen Länder- und Bundesebene sowie zwischen Ministerien und Museen vermitteln. „Sie sollte die Museen beraten, gemeinsam mit ihnen konkrete Ziele formulieren und zügig einen Maßnahmenkatalog für einen nachhaltigeren öffentlichen Kunstbetrieb erarbeiten.“ Themen sind dabei Klimatisierung, Licht, Leihverkehr, Mobilität, Heizung, Abfallmanagement, Neubauten, Material- oder Produktwahl. Am Ende könne ein staatliches Gütesiegel für Museen stehen, um ihren Klimaschutzbeitrag herauszustellen. „Dies alles wäre ein wichtiger Beitrag zu einem 'Green New Deal', den das gesamte Land derzeit dringend braucht“, schreiben die Museumsverantwortlichen. „Kunst und Kultur haben das Potenzial, die Gesellschaft durch neue Ideen voran zu bringen.“ Der Kulturbetrieb könne „zum Vorreiter auch im Klimaschutz“ werden.

Zu den Erstunterzeichnern zählen unter anderem die Direktorinnen und Direktoren von Kunstmuseum Wolfsburg, Staatlicher Kunsthalle Baden-Baden, den Kunstsammlungen Chemnitz, Museum Wiesbaden, Museum Ludwig Köln, Museum Friedrichshafen, Museum Folkwang Essen, Kunstmuseum Stuttgart, Kunsthalle Düsseldorf, Hamburger Kunsthalle, Berlinischer Galerie, Museum Marta Herford, Kunstakademie Düsseldorf, Museum MMK für Moderne Kunst Frankfurt, Weserburg Museum für moderne Kunst Bremen, Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe oder Fridericianum Kassel. Daneben gehören zahlreiche Künstler zu den Unterstützern ebenso wie Experten, etwa der Direktor des Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin, Stefan Simon. (dpa)

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