Heidi, Tom und die heimliche Hochzeit : Still und leise Ja sagen

Geheimnis gelüftet: Heidi Klum und Tom Kaulitz haben sich das Ja-Wort gegeben, unbemerkt, vor Wochen. Bei Promis boomt die heimliche Heirat.

Elisabeth Binder
Getraut, heimlich. Tom Kaulitz (l) und Heidi Klum bei dem 76. Golden Globe Awards im Beverly Hilton Hotel.
Getraut, heimlich. Tom Kaulitz (l) und Heidi Klum bei dem 76. Golden Globe Awards im Beverly Hilton Hotel.Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Jetzt ist es also raus. Deutschlands oberstes Top-Model Heidi Klum und der Tokio-Hotel-Musiker Tom Kaulitz sind schon verheiratet. Heimlich, still und leise haben sie es getan, bereits am 22. Februar, den sie sowieso als Jahrestag ihrer großen Liebe begehen. Das Ja-Wort haben sie sich im Gerichtsgebäude von Beverly Hills gegeben. Das gab jetzt die Zeitschrift „Bunte“ den staunenden Promi-Watchern bekannt, die seit Tagen und Wochen über ein mögliches Datum spekulierten.

Und es klingt ja auch so romantisch, wenn eine vierfache Mutter und gestandene Unternehmerin ihren 16 Jahre jüngeren Lover heimlich heiratet, der im September gerade mal süße 30 wird. Zärtliche Küsse in einem verwunschen Garten, eine prickelnde Umarmung vor rauschendem Meer und nur der Mond war Zeuge: So wünscht man sich das Leben zu Zweit. Zwar schade, dass es keine weiße Endlos-Schleppe von Versace gab, keine Tour über den Canale Grande in Venedig wie bei George und Amal Clooney, keinen temperamentvollen Prediger wie letztens bei Harry und Meghan, kein Orgelbrausen und keinen Kuss auf dem Balkon und keine Kutschfahrt.

Aber heimliche Hochzeiten stacheln die Phantasie natürlich erst recht an. Unwillkürlich denkt man an Gretna Green, jenen legendären schottischen Ehehafen, der für minderjährige Teenager lange die erste Adresse in Sachen heimlich heiraten war. Dort konnten 16-jährige ohne Aufgebot und große Formalitäten „Ja“ zueinander sagen, der Segen oder auch nur das offene Ohr des Dorfschmiedes reichte dafür, elterliche Einwilligungen waren nicht vonnöten.

Der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer etwa schloss hier mit 19 Jahren zum aller ersten Mal den Bund fürs Leben. Natürlich denkt man auch an die großen romantischen Liebespaare der Weltgeschichte, an Romeo und Julia, die als Angehörige verfeindeter Familien unbedingt Kandidaten für eine heimliche Hochzeit gewesen wären, wenn sie nicht vorher schon so tragisch gestorben wären.

Die Latte für offizielle Hochzeiten in Weiß liegt hoch

Das ist lange her. Heutzutage braucht die Liebe eines prominenten Paares unbedingt ein Narrativ. Für die offizielle Hochzeit in Weiß sind die Latten von Königskindern, Filmhelden und Fußballstars immer höher gehängt worden. Wo viel Geld vorhanden ist, kann viel weiße Spitze verschneidert werden und viel Champagner über schöne und berühmte Gäste gegossen werden. Immer noch opulentere Bilder zu produzieren, wird schwieriger. Außerdem könnte die Vorstellung von Romantik auch etwas leiden, wenn die Blumenkinder alle von früheren Männern der Braut stammen.

Heidi Klums vier Kinder sind allerdings auch schon 15 und 10 Jahre alt, da streut man eh nicht mehr so gerne Blümchen. Die Braut selber hat freilich bereits schon Erfahrung im Heimlichheiraten, denn auch um die Eheschließung mit dem Sänger Seal gab es vorab großes Rätselraten. Damals im Jahr 2005 hieß es, das alles sei so heimlich, dass nur die 50 engsten Freunde eingeladen werden sollten.

Die heimliche Hochzeit kitzelt die Phantasie aller Interessierten wach, und die Vorstellungen, die dabei herauskommen, sind ganz sicher viel glanzvoller, als alles, was man in der Wirklichkeit produzieren könnte. Heimliche Hochzeiten sind auch durchaus keine Seltenheit. Mission-Impossible-Star Rebecca Ferguson hat es ebenso getan wie Johnny Depp, Howard Carpendale, Janet Jackson und Sebastian Vettel, wobei der Rennfahrer seinen goldenen Ring ausgerechnet bei einer Pressekonferenz zur Schau stellte, was die Sache gewissermaßen amtlich machte.

Öffentliches Leben braucht Drama, und Heimlichkeit ist eine gute Würze

Das Gerichtsgebäude in Beverly Hills ist sowieso amtlich, eine beliebte Adresse für Hollywood-Schauspieler, schon wegen der Nähe zum Arbeitsplatz. Die weißen Plastikvorhänge in der „Wedding Chapel“ suggerieren zudem Volksnähe, was nie ein Fehler ist. Noch heimlicher wäre es wohl, wenn man sich den Friedensrichter ins Haus kommen ließe, aber das macht dann die Inszenierung wieder schwierig. Möglich ist es schon. Der verstorbene Produzent Bernd Eichinger immerhin hat einst seine Katja im Garten seines Hauses in Beverly Hills geehelicht.

Solide ist die halbheimliche Variante, die der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wählte, als er zur Hochzeit ins Adlon lud. Zwar war das natürlich eigentlich keine öffentliche Angelegenheit, aber doch so breit gestreut, dass die Fotos des glücklichen Paares dennoch ihren Weg in die Medien fanden. Gut möglich, dass auch die „Bunte“ mit exklusiven Bildern von Heidi Klum und Tom Kaulitz aufwartet.

Denn die Vertrauten, die Geschichten von heimlicher Liebe in die Öffentlichkeit lancieren, schmieden in Agenturen manchmal auch Verträge mit den bunten Blättern, die so handfest sind, wie einst die glückbringenden Hufeisen des Schmiedes in Gretna Green.

Ganz heimliche Hochzeiten sind allemal professioneller als halbheimliche oder gar richtig öffentliche. Das Spekulieren hält das Interesse romantischer Rezipienten bunter und sozialer Medien wach und steigert beides womöglich noch. Öffentliches Leben braucht Drama, und Heimlichkeit ist eine gute Würze. Wer weiß, was danach kommt. Dass Prinz und Prinzessin nach dem Ja-Wort glücklich lebten bis an ihr Lebensende, ist lange her. Diese beneidenswerten Lichtgestalten mussten ja kein Geld mit Öffentlichkeit verdienen. So richtig heimlich heimelig lebt sich’s nur im Märchenbuch.

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