Horrorsatire „Child’s Play“ : Update für Chucky, die Mörderpuppe

In der Horrorsatire „Child’s Play“ läuft der Geist eines Serienmörders wieder Amok - und nutzt dabei das Internet der Dinge.

Will nur spielen. Mörderpuppe Chucky wetzt das Messer.
Will nur spielen. Mörderpuppe Chucky wetzt das Messer.Foto: Capelight

Die Rache der Globalisierung findet im Internet 4.0 statt. „Child’s Play“, das Reboot eines eher randständigen Horror-Franchises über die mörderische Puppe Chucky, in die der Geist eines Serienmörders gefahren ist, beginnt im Sweatshop einer Spielzeugfabrik in Vietnam. Ein Arbeiter wird von seinem Chef drangsaliert und schließlich ohne Bezahlung gefeuert. Seine letzte Handlung besteht darin, den Chip einer Puppe aus der neuesten Modellreihe des Tech-Konzerns Kaslan Corporation mit seiner ganzen Verachtung der ausgebeuteten Klasse zu speisen. Am anderen Ende der Welt der Verwertungskette landet die sprechende und vollvernetzte Monstrosität namens „Interactive Buddi“ (Mark Hamill leiht ihm im Original seine Stimme) in einem Spielwarengeschäft in Chicago, wo er einer gelangweilten, alleinerziehenden Mutter (Aubrey Plaza) in die Hände fällt.

„Buddi“ ist der perfekte Spielgefährte für einen Außenseiter wie Andy (Gabriel Bateman), der nach dem jüngsten Umzug mit der Mutter wieder mal den anderen Kindern vom Fenster aus zusieht. Von seinem Geburtstagsgeschenk ist er allerdings auch wenig begeistert. Der Witz der alten Chucky-Filme bestand gerade darin, dass die bizarre Physiognomie der Puppe unwillkürlich nichts Gutes erahnen ließ. Andy findet in der Puppe, die sich selbst den Namen Chucky gibt, aber einen Verbündeten gegen den neuen alten Freund seiner Mutter. Nur mit der „Freundschafts“-Anfrage nimmt es Andys Partner-in-Crime etwas zu wörtlich.

„Child’s Play“ belegt im Reboot-Wahn der vergangenen Jahre einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Der norwegische Regisseur Lars Klevberg ist im Geiste klassischer Direct-to-Video-Konfektionsware um ein Minimum an Originalität bemüht, Chuckys Upgrade – er kann sich auf seiner grotesken Mordtour im „Internet der Dinge“ einloggen – sorgt zum Finale für den Aufmarsch einer Puppenarmee. Die Show aber stiehlt ihm Aubrey Plaza, die diesen fantastischen Quatsch mit bewundernswertem Gleichmut erträgt.

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