Indischer Film „Garbage“ im Panorama : Geduld und Sühne

Taxi ins Grauen: „Garbage“ von Qaushiq Mukherjee ist der einzige indische Film auf der Berlinale.

Düster. Eine Szene aus dem indischen Drama "Garbage".
Düster. Eine Szene aus dem indischen Drama "Garbage".Foto: Berlinale

Wer an Goa denkt, jenen kleinsten und reichsten Bundesstaat an der mittleren Westküste Indiens, der denkt an paradiesische Strände und tropische Vegetation, an Hippies und Partys. Das Bild, das Qaushiq Mukherjee in „Garbage“ zeichnet, könnte nicht weiter davon entfernt sein. Wobei – die Touristen gibt es, als Taxifahrer hat es Phanishwar (Tanmay Dhanania) gelegentlich mit ein paar zugedröhnten Exemplaren zu tun. Dann beobachtet er sie schweigend im Rückspiegel, mehr als Verachtung hat er nicht für sie übrig.

Phanishwar ist ein einfacher Mann, freundlich, fromm und bescheiden. Mittelpunkt seines Lebens ist sein Guru Baba (Satchit Puranik), dessen Botschaften er im Netz verbreitet. Eines Tages steigt die Medizinstudentin Rami (Trimala Adhikari) in Phanishwars Minibus. Sie sucht in Goa Zuflucht vor den Belästigungen, denen sie ausgesetzt ist, seit ihr Exfreund ein Sexvideo mit ihr im Internet veröffentlicht hat. Aber auch Phanishwar hat ein Geheimnis: In seiner Wohnung hält er eine Frau (Satarupa Das) an einer Kette als Sklavin. Schonungsloses, drastisches Kino voll Sex und Gewalt, das konnte man von Mukherjee (der sich selbst Q nennt) erwarten, seit 2011 sein Rap-Musical „Gandu“ für Furore sorgte. Und doch ist bei „Garbage“ alles anders, nicht nur, weil es der erste in Hindi gedrehte Film des Regisseurs ist. Es ist auch der erste Film, an dessen Dreharbeiten er keinen Spaß hatte, wie Mukherjee in Interviews zugibt: Zu durchdringend war die düster-delirante Atmosphäre.

Wut gegen den allgegenwärtigen Frauenhass

Es hat sich offensichtlich einiges an Wut aufgestaut, die sich hier Bahn bricht – gegen die Gesellschaft, die Politik, vor allem aber gegen den allgegenwärtigen Frauenhass. Dass ein Film wie dieser in Indien überhaupt produziert werden kann, ist bemerkenswert; den Weg ins Kino wird er dort höchstwahrscheinlich nicht finden. Ohne das Internet und seine weltweiten Vertriebswege wäre Mukherjees Filmografie kaum denkbar. „Garbage“, einziger indischer Film auf dieser Berlinale, verpasst dem Genre des Rape-Revenge-Films ein Upgrade fürs 21. Jahrhundert: den Revenge-Porn-Revenge-Film.

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23.2., 20.15 (Cubix 7); 24.2., 22:45 Uhr (Cinestar 3); 25.2., 16 Uhr (Zoo Palast 2)

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