Kulturförderung durch Unternehmen : Immer mehr Firmen fördern Kunstprojekte

Eine Studie zeigt, wie deutsche Unternehmen die Kreativszene mit Geld unterstützen. Damit soll auch soziales Bewusstsein gezeigt werden.

Auch die Nofretete kam erst durch das Engagement des vermögenden James Simon nach Berlin.
Die Nofretete kam erst durch das Engagement des vermögenden James Simon nach Berlin.Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Konkrete Zahlen können sie nicht nennen. Dabei hätte man natürlich gerne gewusst, mit welchen Beträgen deutsche Unternehmen denn nun Jahr für Jahr Kunst und Kultur fördern – gerade auch im Vergleich zu den Mitteln, die der Staat in diesem Bereich zur Verfügung stellt.

Doch die Studie zur „Unternehmerischen Kulturförderung in Deutschland“, die Klaus Siebenhaar und Achim Müller vom Berliner Institut für Kultur und Medienwirtschaft für den Kulturkreis der deutschen Wirtschaft erstellt haben, muss sich mangels Meldepflicht der Summen auf generelle Trends fokussieren.

Und da sieht es gar nicht schlecht aus: Immer mehr Firmen sind bereit, sich für künstlerische Kreativität zu engagieren. Nicht nur mit barer Münze, sondern auch mit Sach- und Dienstleistungen oder indem sie ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeiter ermöglichen.

Am liebsten werden Projekte dort ermöglicht, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Neben der regionalen Anbindung wird die Verknüpfung der Kulturförderung mit Bildungsarbeit und gesellschaftlicher Diskussion immer wichtiger. „Das Ästhetische bewegt sich ins Soziale“, nennt Klaus Siebenhaar diese Tendenz, die ja auch in den Künsten selber zu beobachten ist.

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Engagement soll bürgerschaftliches Bewusstsein signalisieren

Immer seltener reden die Firmen übrigens von Sponsoring, lieber werden Begriffe wie „cultural engagement“ oder „corporate citizenship“ gewählt. Um damit bürgerschaftliches Bewusstsein zu signalisieren. Und in der Tat erlebt der Unternehmer als Mäzen eine Renaissance. Große Strahlkraft entwickeln Inhaber von Weltkonzernen wie Reinhold Würth, doch auch viele Chefs von kleinen und mittleren Familienbetrieben wollen in ihrem soziokulturellen Umfeld mit privatem Geld Gutes tun.

Wer diese Art der Philanthropie nur mit den USA verbindet, verkennt die Geschichte, betont Klaus Siebenhaar. Denn die spendablen Amerikaner haben ihre Großzügigkeit in Old Europe gelernt. Dort waren im 19. Jahrhundert Superreiche mit bestem Beispiel vorangegangen, Männer wie James Simon, dem Berlin unter anderem die Nofretete verdankt und der jetzt endlich auf der Museumsinsel angemessen gewürdigt wird.

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