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Die Orange Stage ist die Hauptbühne des Roskilde Festivals. Rund 60 000 Fans finden vor ihr Platz.
© Mathias Loevgreen/dpa

Roskilde Festival: Langsam wird es eng

Das legendäre Roskilde Festival in Dänemark soll Ende Juni stattfinden. Doch es gibt viele offene Fragen.

Das große Comeback der europäischen Pop-Festival-Szene wird es in diesem Sommer nicht geben. Dafür ist die Liste der Absagen bereits zu lang, darunter so bedeutende Veranstaltungen wie Glastonbury, Primavera, Rock am Ring und Rock am Park sowie die Lollapallooza-Festivals von Paris und Stockholm.

Doch es gibt weiterhin einige Organisatorenteams, die die Saison noch nicht abschreiben wollen. In Deutschland gehören unter anderem das Fusion und das Wacken Festival dazu. Prominenteste internationale Ausnahme ist das Roskilde Festival in Dänemark, das nach wie vor hofft, seine 50. Ausgabe nach dem gecancelten Jahr 2020 vom 26. Juni bis 3. Juli feiern zu können.

„Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagt Festivalsprecherin Christina Bilde am Telefon. „Denn viele Dinge bewegen sich in die richtige Richtung.“ So hat die dänische Regierung gerade einen vierstufigen Öffnungsplan veröffentlicht, der ab Mittwoch den gegenwärtigen Lockdown beenden soll. Nach und nach werden mehr Menschen zusammenkommen und auch Tourist*innen wieder ins Land reisen dürfen.

Obwohl ein Großteil der Festivalbesucher*innen – insgesamt über 130.000 im Jahr 2019 – aus Dänemark kommt, gibt es auch viele treue Fans in Nachbarländern. Für sie wäre nach Stufe vier des Öffnungsplans ab dem 26. Juni eine Einreise ohne Quarantänepflicht möglich, falls sie über einen EU-Impfpass verfügen, der sie als vollständig geimpft ausweist. Selbst wenn man daran glaubt, dass die EU dieses elektronische Zertifikat bis Juni entwickelt, werden aus Deutschland wenige, vor allem ältere Menschen davon profitieren können.

Warten auf genaue Vorgaben der Regierung

Die Öffnungen in Dänemark, das zuletzt einen Inzidenzwert von um die 80 hatte, gehen einher mit der Entwicklung eines Corona-Passes, der den aktuellen Test- und Impfstatus einer Person anzeigt. Die Festivalmacher*innen möchten diese Informationen in ihre Zugangsbändchen integrieren. Weil aber nicht alle Teilnehmenden über diesen Corona-Pass verfügen werden, soll es auch vor Ort Testmöglichkeiten geben. „Wir haben noch nicht entschieden, ob wir selber eine Teststation aufbauen oder wir mit den vorhandenen arbeiten“, so Sprecherin Bilde. Es gebe relativ viele Stationen, auch mobile.

Da das Festivalgelände eine riesige Camping-Zone umfasst, in der sich Fans länger aufhalten werden als ihre PCR-Tests aussagekräftig sind, muss auch dort getestet werden. Das Fusion Festival in Mecklenburg-Vorpommern will dieser Problematik damit begegnen, das gesamte Gelände einmal zu räumen, alle zu testen und nur Besucher*innen mit negativem Ergebnis wieder einzulassen. In Roskilde ist noch unklar, wie diese Frage gelöst werden soll, man plane jedoch nicht, das ganze Festival einmal zu schließen und dann wieder zu öffnen, so Bilde.

Roskilde-Sprecherin Christina Bilde.
Roskilde-Sprecherin Christina Bilde.
© Lasse Mortensen

Angesichts der Tatsache, dass nur noch knapp zehn Wochen zum Festivalstart bleiben, gibt es erstaunlich viele ungeklärte Fragen. Was vor allem an den fehlenden Vorgaben seitens der Regierung liege, sagt Bilde. Zwar liefen derzeit Beratungen mit Expertengruppen, zu denen auch der Festival-CEO gehöre, doch auf genauere Angaben für große Veranstaltungen werde weiterhin gewartet. „Es wird enger und enger für unsere Planung. Wir bekommen auch viele Fragen von unseren Freiwilligen, die sich zum Teil Urlaub nehmen, um für uns zu arbeiten.“

Ebenfalls unter Vorbehalt steht das Line-Up, in dem mit Kendrick Lamar, Haim und den Strokes viele US-Acts vertreten sind, für die es sich aufgrund der vielen Festival-Absagen weit weniger lohnt, überhaupt nach Europa zu reisen. Es ist wahrscheinlich, dass einige es sich noch anders überlegen.

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Die Veranstaltung in ein Streaming-Event umzuwandeln, wie es Glastonbury vorhat, ist für Roskilde keine Option. „Das Festival besteht nicht nur aus Konzerten vor Publikum“, so Christina Bilde. Es handele sich um eine Gemeinschaft aller Teilnehmenden auf dem Gelände. „Wir glauben nicht, dass das digital nachgebildet werden kann.“

In England ist unterdessen ein Pilotprojekt der Regierung angelaufen, mit dem wieder größere Veranstaltungen ermöglicht werden. So fand das Fußballpokal-Finale im Wembley-Stadion am Sonntag bereits vor 4000 Fans statt und für den 2. Mai ist im Liverpooler Sefton Park ein Konzert für 5000 negativ getestete Fans geplant, die dann ohne Maske und Abstand der Indieband Blossoms lauschen dürfen.

Ein kleines Zeichen kommt auch aus Berlin. Der Radiosender Star FM kündigte für den 4. Mai ein Konzert der schwedischen Rockband Thundermother im Olympiastadion an – für eine handverlesene Gruppe von Verkäufer*innen und Pflegekräften. Nach der derzeit gültigen Senatsverordnung, die kulturelle Veranstaltungen vor Publikum verbietet, wäre das allerdings nicht möglich. Bleibt die schwache Hoffnung auf das reformierte Infektionsschutzgesetz.

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