Leiterin der Kunstmesse Liste : "Wir haben ein gutes Verhältnis zur Art Basel"

Die Kunstmesse Liste präsentiert junge, internationale Kunst parallel zu Art Basel: Sechs Fragen an die Messeleiterin Joanna Kamm.

Max Glauner
Joanna Kamm, Leiterin der Liste.
Joanna Kamm, Leiterin der Liste.Foto: Diana Pfammatter

Vor fünf Jahren schloss Joanna Kamm ihre Galerie in Berlin. Nun leitet sie die Messe Liste, die als Alternative zur Art Basel gegründet wurde und seit 24 Jahren parallel zur wichtigsten europäischen Kunstmesse in Basel stattfindet.

Frau Kamm, die Schweizer gelten als verschlossen. Wie sind Sie in Basel aufgenommen worden?

Sehr herzlich. Die Menschen sind weltoffen und neugierig. Ich habe viele aus den Institutionen, der Off-Szene, Künstler und Politiker kennengelernt. Basel bietet enorm viel, Theater, Museen in Fülle. Außerdem ist man in wenigen Stunden in Paris, Frankfurt oder Mailand.

Sie vermissen Berlin nicht?

Ich verdanke Berlin natürlich viel. 1989 bin ich im richtigen Alter in die Stadt gekommen. Ende der neunziger Jahre habe ich einen Projektraum gegründet, aus dem eine Galerie gewachsen ist, mit der ich sowohl auf der Liste als auch auf der Art Basel war. Erfahrungen, die mich geprägt haben.

Sie haben die Galerie 2014 aufgegeben. Nun stehen Sie der zweitwichtigsten Kunstmesse in Basel vor. Wo sehen Sie die Liste aufgestellt?

Bestens. Seit 23 Jahren ist sie die international führende Messe für Galerien einer jüngeren Generation. Die Liste ist mit ihrer Förderidee, aufstrebenden Galerien aus aller Welt eine Plattform zu geben, einzigartig. Die Galerien stellen einem hochkarätigen Publikum Künstlerinnen und Künstler vor, die die neuesten Entwicklungen und Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst vertreten.

Die Liste hat schon vor Jahren ihr Adjektiv „jung“ aus dem Titel gestrichen. Was bleibt als Alleinstellungsmerkmal?

Die Liste ist weiter eine Messe für junge Kunst, aber auch nachhaltig in ihrer Förderung. Und sie reagiert auf Veränderungen. Selbst junge Galerien haben inzwischen vermehrt ältere Künstler im Programm – oft auch Wiederentdeckungen. Dem wollte man Rechnung tragen. Dennoch stellen sich jedes Jahr auch herausragende Galerien erstmals vor. Diesmal sind das 21 von 77 Teilnehmern. Bei uns können die Galerien über die Jahre wachsen, bis ihre Zeit gekommen ist, sich weiter oder neu zu orientieren.

Gerät man mit dieser Rolle nicht in Abhängigkeit zur Art Basel?

Im Gegenteil. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Beide Messen ergänzen sich, aber wir sind unabhängig. Oft sind es unsere Galerien, die Entdeckungen machen und eine nächste Generation von Kunstschaffenden präsentieren – mit neuen Ästhetiken, Medien und Werten. Sich mit dem Neuen und Unbekannten auseinanderzusetzen, ist gerade in einer Zeit, in der Verunsicherung das beherrschende Gefühl ist, wichtig. Die Liste arbeitet nicht gewinnorientiert und wird von einer Stiftung geführt, in deren Statuten die Förderung junger Kunst steht.

Wohin geht die Entwicklung der Liste? Gibt es etwas, das Sie verändern wollen?

Im ersten Jahr möchte ich mir vor allem die Abläufe ansehen und viele Gespräche führen. Ein neues Format haben wir allerdings bereits eingeführt, die „Joinery“ – ein Ort, an dem die Galerien Videos und Performances zeigen und eine Gesprächsreihe zu neuen künstlerischen Strategien stattfindet, die vom Kunstmagazin „Spike“ organisiert wurde.

Liste & Art Basel, Basel, 10.–16. Juni

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