Lily Bretts Kolumnen "Alt sind nur die anderen" : New York in Bestform

Lily Brett erzählt in „Alt sind nur die anderen" Geschichten vom Älterwerden - und warum das in New York gar nicht so leicht ist.

Die New Yorker Schriftstellerin Lily Brett, 78
Die New Yorker Schriftstellerin Lily Brett, 78Foto: picture alliance / dpa

Wer in Prenzlauer Berg wohnt oder hier einmal ein paar Tage zu Besuch war, weiß, dass in diesem  Berlin Bezirk die Menschen zwar wie überall immer älter werden, es aber kaum alte Leute gibt.

Nicht viel anders dürfte das an vielen Orten in New York City sein. Zumal, wie die 1946 in einem Displaced-Persons-Lager im oberbayrischen Feldafing geborene Schriftstellerin Lily Brett weiß: „Sich jung zu fühlen fällt in New York leichter als an anderen Orten.“ Oder, andersherum: „Es ist nicht so einfach, sich in New York alt zu fühlen.“

Weil sie selbst zum Beispiel ständig noch als „Miss“ angesprochen wird (analog in Berlin: „junger Mann“, „junge Frau“, in jeder Altersklasse) oder man, deshalb lebt Brett so gern in New York, „Teil an einem gemeinschaftlichen Leben nimmt, das nichts mit dem eigenen Alter oder dem Alter der anderen zu tun hat“.

New York spielt die Hauptrolle in diesen Kolumnen

So wirken denn auch die Kolumnen, die Brett ein paar Jahre für die „Brigitte Wir“ geschrieben hat, einem „Brigitte“-Ableger für „Frauen ab 60“, eher alterslos bewegt und frisch, heiter und selbstironisch. Das Älterwerden ist eine unbestreitbarer Fakt, keine Frage, und trotz aller Lockerheit und Vergnügtheit: Ein Spaß ist es für Brett auch nicht immer, ob nun der Dermatologe sagt, sie sei in „bester Form“ (der Hautarzt als Altersexperte!), oder ihr Enkel sie fragt, warum ihre Arme „so schwabbelig“ seien.

Doch zum Jammern besteht kein Grund, schon gar nicht in New York. Brett und ihr Mann, der Maler David Rankin, wohnen in der Lower East Side, und hier sind es nicht nur die von Rankin geliebten Tacos mit Ochsenkopf, die dem Leben eine Extra-Note geben. „Alt sind nur die anderen“ heißt Bretts Kolumnensammlung zwar (Aus dem amerikanischen Englisch von Melanie Walz. Suhrkamp Verlag, 2020.82 S., 15 €.), doch im Zentrum dieser Geschichten steht immer auch die Stadt New York.

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