Neo Rauch und Rosa Loy in Potsdam : Blaue Stunde im Schilf

Kostüme, Requisiten, Bühnenbildmodelle: Die Bayreuther "Lohengrin"-Ausstattung von Neo Rauch und Rosa Loy ist in der Villa Schöningen zu sehen.

Altmeisterlich. Neo Rauch und Rosa Loy haben Bühne und Kostüm für den neuen Bayreuther "Lohengrin" entworfen.
Altmeisterlich. Neo Rauch und Rosa Loy haben Bühne und Kostüm für den neuen Bayreuther "Lohengrin" entworfen.Foto: picture alliance/dpa

Da war Katharina Wagner mal wieder ein Coup gelungen: Für die Ausstattung der „Lohengrin“-Neuinszenierung in Bayreuth hatte sie das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy gewonnen. Und plötzlich interessierten sich auch Menschen für die Festspiele im Fränkischen, die mit Oper sonst gar nichts am Hut haben. Die mediale Aufmerksamkeit vor der Premiere am 25. Juli war enorm.

Insofern ist es ein geschickter Schachzug von Matthias Döpfner, wenn er die bis zum kommenden Sommer nicht gebrauchten Dekorationen jetzt in seinem Privatmuseum der Villa Schöningen ausstellt. Das lockt neue Kundschaft an.

Wie in einer kunsthistorischen Sammlung sind die Kostüme und Requisiten in den herrschaftlichen Räumlichkeiten an der Glienicker Brücke arrangiert. Puppen tragen die handwerklich grandios gearbeiteten Bühnenroben, es gibt ein Bühnenbildmodell, in das man hineinschauen kann wie in ein Kasperletheater, unter der Decke schwebt der zum futuristischen Fluggleiter stilisierte Schwan, in Vitrinen dokumentieren Vorstudien den mehrjährigen Schaffensprozess der Musikdramen-Bebilderung.

Den größten Effekt allerdings machen zwei Spanplatten, auf denen Schilfhalme gemalt sind, die von einem scharfen Wind niedergedrückt werden. Weil sie in der verglasten Belvedere-Loggia der Villa platziert sind, von der aus der Blick ungehindert über die Havel bis zur Sacrower Heilandskirche schweift. Naturimitation und echte Landschaft verbinden sich hier zum perfekten Panorama.

Lebensnahe Charaktere auf Papier

So virtuos sie auch die nachtblaue Romantik Richard Wagners beschwören, was an den Rauch’schen Kreationen für die „Lohengrin“-Produktion enttäuschte, war ihre dekorative Leblosigkeit. Da fehlen auf den Leinwänden einfach die Menschen, die seine Gemälde sonst so ausdrucksstark machen. Der Rundhorizont mit seinen durch dunkle Wolken brechenden Sonnenstrahlen hätte alleine für sich durchaus barocke Opulenz entfalten können – wäre der Spielraum davor nicht so vollgestellt gewesen mit Hochleitungsmasten, Trafostationen und Chormassen. Die realen Darsteller wiederum wurden von Regisseur Yuval Sharon schematisch und äußerst konventionell bewegt.

Wie viel vitaler erscheinen an den Wänden der Villa Schöningen jetzt die Figurinen in ihren Bilderrahmen. In altmeisterlicher Manier hat Neo Rauch sie hingetuscht, um den Schneiderinnen zu veranschaulichen, wie er sich den Faltenwurf der Kostüme für die Herren vorstellte. Wobei auf dem Papier äußerst lebensnahe Charaktere entstanden. Schade nur, dass man so eine tolle innere Körperspannung auf der Bayreuther Bühne dann bei kaum einem der Sänger sehen konnte. Geradezu putzig wirken dagegen die Entwürfe von Rosa Loy für die Damen: Mit ihren Spitzmausgesichtern und ihren Stockbeinchen scheinen sie einem Märchenbuch für Kinder entsprungen zu sein.

Villa Schöningen, bis 13. Januar 2019, Do–So, 12–18 Uhr.

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