Performance von Nico and the Navigators : Bauhauslektion per Augmented Reality

Nico and the Navigators inszenieren zu 100 Jahre Bauhaus eine Performance im Kolbe-Museum. Die genutzte Augmented Reality Technologie bleibt ein Gimmick

Dominique Ott-Despoix
Die Schauspielerin Pauline Werner verkörpert verschiedene Bauhaus-Mitglieder.
Die Schauspielerin Pauline Werner verkörpert verschiedene Bauhaus-Mitglieder.Foto: Andreas Bestle

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum inszenieren Nico and the Navigators „La trahison des images – Der Verrat der Bilder“ und setzen auf eine Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckt. Dabei unterscheidet sich Augmented Reality (AR) von der bekannteren Virtual-Reality-Technologie (VR). Hier wird nicht etwa auf 360° und in 3D ein gänzlich virtuelles Umfeld wiedergeben, sondern dem bestehenden Sichtfeld virtuelle Elemente hinzugefügt. Durch die eingesetzten Magic-Leap-Brillen erscheinen somit animierte oder gefilmte Objekte mit geisterhafter Transparenz vor dem Nutzer.

Wie die meisten Technologien in ihren Anfängen hat das den Charakter einer Jahrmarktattraktion. Diese nutzen Nico and the Navigators unter dem Vorwand einer Bauhaus-Unterrichtsstunde: Im Formen-Kurs soll das Publikum anhand eines dazugehörigen Kontrollknüppels mit virtuellen Würfeln und Zylindern eine Performerin beschießen, die auszuweichen vorgibt; im Farb-Kurs darf man den Raum um sich mit roten Quadraten, blauen Kreisen und gelben Dreiecken bemalen. Doch Interaktion mit den Darstellern oder anderen Besuchern lässt sich im besten Fall vortäuschen.

Die Kompanie Nico and the Navigators wurde 1998 von Nicola Hümpel und Oliver Proske an den Bauhaus Meisterhäusern in Dessau gegründet, wo „Der Verrat der Bilder“ Premiere hatte. Schauplatz in Berlin ist nun das 1928/29 als Bildhauer-Atelier erbaute Georg Kolbe Museum, das nicht nur von Bauhausschüler Paul Linder und Ernst Rentsch entworfen wurde, sondern dessen Namensgeber auch mit Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe zusammenarbeitete.

So führen die Darsteller das Publikum durch diesen vom Bauhaus geprägten Ort und rezitieren aus Schriften verschiedener Figuren der Bewegung. Deren theatralische Darbietung schafft einen ironischen Tonfall, der eine skeptische Haltung gegenüber der Bauhaus-Schule betont. Gegen Ende erscheinen Möbelentwürfe aus dem Bauhaus vor dem Zuschauer, Fotos von Bauten und Mitgliedern kreisen. Erst in solchen Momenten deutet sich das Potenzial der AR-Technologie wirklich an.

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