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Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Hermann Parzinger fordert internationale Vereinbarung zu kolonialem Erbe

Die Herkunft vieler Kunstschätze in Museen ist immer noch ungeklärt. Hermann Parzinger fordert internationale Regeln für den Umgang mit kolonialer Raubkunst.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, regt eine internationale Vereinbarung für den Umgang mit dem kolonialen Erbe in Museen und staatlichen Sammlungen an. „Ähnlich wie beim Umgang mit NS-Raubgut sollte die internationale Gemeinschaft gemeinsame, verpflichtende Prinzipien verabschieden. Entscheidend wäre es, einen Konsens mit den Herkunftsländern zu erreichen.“ Die Washingtoner Erklärung von 1998 hat Regeln zum Umgang mit Kunstwerken aufgestellt, die von den Nationalsozialisten ihren Eigentümern entzogen wurden.

Emmanuel Macron hat jüngst einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Nach dem Bekenntnis des französischen Präsidenten zu fairen Beziehungen zwischen Europa und Afrika sieht Parzinger gute Chancen für einen Fortschritt. „Die Unesco könnte dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Sie ist durch den Austritt der USA zwar geschwächt, aber sie ist nach wie vor die von den Vereinten Nationen eingesetzte Organisation, die wichtige Fragen zum kulturellen Erbe der Menschheit erörtert und moderiert.“

Das Thema ist für das stiftungseigene Humboldt-Forum von besonderer Brisanz

Als ersten Schritt regt Parzinger eine internationale Konferenz auf europäischer Ebene an. Auch Großbritannien, Frankreich oder Spanien haben durch ihre Geschichte als Kolonialmächte große Sammlungsbestände, die einer Auseinandersetzung bedürfen. Es gehe dabei nicht zuvorderst um die Frage Rückgabe oder nicht, sagte der Präsident der Preußenstiftung: „Es ist eine moralische Verpflichtung, die Herkunft der Bestände zu klären und gemeinsam mit den Herkunftsgesellschaften darüber zu reden, wie wir diese Objekte ausstellen und was wir darüber erzählen.“

Für die Preußenstiftung ist das ganze Thema von besonderer Brisanz. Ab 2019/20 sollen im Humboldt-Forum die Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst gezeigt werden, die bisher in Dahlem zu Hause waren. Mit dem Umzug der Objekte und ihrer Neuordnung ist die Preußenstiftung in die Kritik geraten. Wissenschaftler werfen ihr vor, die Frage nach der Herkunft der Bestände nicht genügend oder gar nicht beachtet zu haben.

Man arbeite mit Kuratoren aus Tansania zusammen

„Wir werden ins Humboldt-Forum mit etwa 25 000 Objekten umziehen. Und wir werden von Anfang an alles offenlegen, was wir über ihre Geschichte wissen“, versichert Parzinger. „Aber für viele Stücke braucht es eine vertiefte, auf Jahre angelegte Erforschung. Wir sind uns mit der Politik einig, dass es für eine solche systematische Forschung zusätzliche finanzielle Mittel braucht, wie es sie ja für die Provenienzforschung der NS-Zeit schon länger gibt.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat zugesagt, mehr Geld bereitzustellen. Mit Unterstützung des von führenden deutschen Wirtschaftsunternehmen getragenen Kuratoriums läuft in der Stiftung seit zwei Jahren ein Projekt, das ausgewählte Stücke aus dem heutigen Tansania, einem Teil des früheren Kolonialgebiets Deutsch-Ostafrika, untersucht.

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„Wir wissen, dass das ein besonders problematischer Bestand ist“, sagt Parzinger. „Allerdings ist die Behauptung falsch, ethnologische Objekte seien grundsätzlich unrechtmäßig erworben. Umso wichtiger ist die genaue Analyse.“ Man arbeite bei diesem Komplex im Humboldt-Forum bereits mit Kuratoren aus Tansania zusammen und entwickle dafür nachhaltige Strukturen. (dpa/Tsp)

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