Preis für Kollegah und Farid Bang : Der Anti-Echo-Sturm kommt zu spät

Nach dem Echo für Kollegah und Farid Bang empören sich andere Musiker: Klaus Voormann und das Notos Quartett geben ihre Preise zurück. Doch die Aufregung ist wohlfeil. Ein Kommentar.

Farid Bang und Kollegah bei ihrem Echo-Auftritt.
Farid Bang und Kollegah bei ihrem Echo-Auftritt.Foto: dpa/Jörg Carstensen

Ach, wie mutig: Die Musiker des Notos Quartetts geben ihren Klassik-Echo und Klaus Voormann seinen Lebenswerk-Echo zurück, weil die antisemitischen Rapper Kollegah und Farid Bang am Donnerstag ebenfalls einen Echo gewannen. Nur: Warum hat das Notos Quartett den Preis nicht vor der Echo-Zeremonie zurückgegeben? Und Voormann die Annahme nicht verweigert?

Auch Heiko Maas könnte man fragen, warum er erst jetzt die Auszeichnung für die Rapper als „beschämend“ bezeichnet. Oder den ARD-Koordinator Thomas Schreiber, der das „Schweigen der Musikindustrie“ geißelt, deren Prinzip des „Augen zu und durch“.

Kommerz frisst Moral

Nur ist diese Aufregung wohlfeil, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Diesen Anti-Echo-Sturm hätte es bereits vorher wegen der Nominierung des Rap-Duos geben können. Augen zu und durch, so haben bis auf Campino alle gedacht: die Verantwortlichen von Vox, die den Echo live übertragen haben, die beteiligten Popmusiker.

Doch wer nominiert ist, kann auch gewinnen, so moralisch verwerflich das in diesem Fall nun ist. Die Musikindustrie denkt primär an den Kommerz, und Pop war noch nie moralisch. Viel fragwürdiger ist, warum überhaupt so viele junge Menschen sich an der Musik und den Texten der Rapper nicht stören, deren Album gekauft und zu einem Echo-preiswürdigen gemacht haben.

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