zum Hauptinhalt
Die britische Autorin J. K. Rowling wurde wegen ihrer Aussagen in der Genderdebatte kritisiert.
© Angela Weiss/AFP

Autorin kontert mit drastischen Worten: Putin sieht russische Kultur und J.K. Rowling als Opfer westlicher „cancel culture“

Der Präsident wirft dem Westen vor, russische Literatur im Stil der Nazis zu vernichten. Auch die britische Autorin Rowling nennt er in diesem Zusammenhang.

Bei einem Treffen mit Menschen aus der Kunst- und Kulturbranche hat der russische Präsident Wladimir Putin dem Westen einen Feldzug gegen die russische Kultur im Stil der Nazis vorgeworfen. „Das letzte Mal, dass eine solch massive Kampagne zur Vernichtung anstößiger Literatur geführt wurde, war vor fast 90 Jahren von den Nationalsozialisten in Deutschland“, sagte Putin am Freitag bei dem Treffen. „Tschaikowski, Schostakowitsch und Rachmaninow werden von Konzertankündigungen genommen, russische Autoren und ihre Bücher werden ebenfalls verbannt“, behauptete Putin und verwies auf die Bücherverbrennungen der Nazis in Hitler-Deutschland.

Der Westen versuche sein Volk zu „canceln“

„Heute versuchen sie, ein ganzes tausendjähriges Land, unser Volk zu „canceln“, sagte Putin am Tag des Kulturschaffenden. Alles, das mit Russland zusammenhänge, werde diskriminiert, mit Zustimmung der herrschenden Eliten. In diesem Zusammenhang nannte er die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling als weiteres Opfer der „Cancel“-Kultur des Westens. Die Schriftstellerin war wegen ihrer Aussagen in der Gender-Debatte mehrfach in die Kritik geraten und erhielt Morddrohungen.

[Aktuelle Entwicklungen im Ukraine-Krieg können Sie hier in unserem Newsblog verfolgen.]

Sie sprach sich etwa gegen die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung von Transfrauen mit Frauen aus, die bereits mit weiblichen Geschlechtsorganen geboren wurden.

Rowling kontert via Twitter

Vom russischen Präsidenten will sie sich allerdings nicht vereinnahmen lassen. Als Antwort auf seine Klage über Intoleranz schrieb sie via Twitter: Diese Kritik solle nicht von jenen geäußert werden, die „derzeit Zivilisten wegen ihres Widerstands abschlachten oder ihre Kritiker einsperren und vergiften.“ Dazu verlinkte sie einen BBC-Bericht über den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Kritik übte Putin in seiner Ansprache auch an Hollywood-Filmen. Da werde so getan, als hätten nur die USA Europa vom Hitlerfaschismus im Zweiten Weltkrieg befreit. Der Mut der Roten Armee hingegen, deren Soldaten einen entscheidenden Beitrag zum Sieg über Hitler geleistet hätten, bleibe außen vor.

Mehr zum Ukraine-Krieg bei Tagesspiegel Plus:

„Das ist in unserem Land nicht vorstellbar“, sagte der 69-Jährige in seiner Residenz in Nowo-Ogarjowo bei Moskau. Für Russland sei die nationale Kultur untrennbar mit dem Mutterland verbunden, es gebe keinen Platz für Intoleranz. „Die kulturelle Vielfalt ist der Stolz der Gesellschaft, ist Stärke und Vorteil unseres Staates“, sagte der Kremlchef. Die Ukraine wirft Russland vor, in den besetzten Gebieten unerwünschte ukrainische Literatur aus den Bibliotheken zu nehmen. Russland hingegen beklagt eine Unterdrückung seiner Sprache in der Ukraine.

Mehrere kremlnahe russische Künstler wie der Dirigent und Putin-Freund Waleri Gergijew hatten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ihre Engagements in der EU und den USA verloren. Viele haben aber auch Russland verlassen oder sind von ihren Posten zurückgetreten, weil sie Putins Krieg gegen die Ukraine nicht unterstützen. (dpa)

Zur Startseite