Rechte Verlage auf der Buchmesse : Die Protestfalle

Nach der Leipziger Buchmesse: Die rechten Verlage genossen in diesem Jahr übertriebene Aufmerksamkeit.

Der Messestand des Antaios Verlags stand wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit, aber medienwirksame Tumulte blieben diesmal aus.
Der Messestand des Antaios Verlags stand wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit, aber medienwirksame Tumulte blieben diesmal aus.Foto: Robert Michael/AFP

Am Wochenende kursierte ein Tweet vom Antaios Verlag, mit dem ein Bild von den Tumulten an den drei Ständen der rechten Verlage in der Halle 3 in hämisch-stolzem Unterton kommentiert wird: „Der wohl bisher größte Andrang zu einer Veranstaltung der Leipziger Buchmesse bisher“.

Mal abgesehen davon, dass das doppelte „bisher“ stört, und auch davon, dass während der vier Messetage viele Veranstaltungen als solche mit dem „größten Andrang bisher“ bezeichnet werden konnten, muss man zumindest konstatieren: Die Aufmerksamkeit war Antaios-Verleger Götz Kubitschek und auch dem Stand des „Compact“-Magazins von dem rechten Ideologen Jürgen Elsässer einmal mehr gewiss. Die „Resonanzraumerweiterung“, von der Kubitschek im besten Bürokratendeutsch gern spricht, „das erweiterte Verlegertum“, all das stellt sich durch zwar tapfere, aber nicht besonders effektive, vornehmlich der Opferstilisierung der Rechten dienende linke Protestaktionen wie der von Samstagnachmittag von ganz allein ein.

Tatsächlich konnte man bei der medialen Berichterstattung vor und während der Messe den Eindruck bekommen, es habe auf dieser Leipziger Buchmesse kein anderes Thema gegeben als rechte Verlage und rechtes Denken. Wozu nicht zuletzt die viel debattierten rechtspopulistischen Äußerungen des Schriftstellers Uwe Tellkamp in einer Dresdner Diskussion mit seinem Kollegen Durs Grünbein beitrugen.

Die Tellkamp-Debatte beflügelt die Rechte

Nur steht diese mediale Aufmerksamkeit in einem ziemlichen Missverhältnis zur Bedeutung und Größe und auch Zahl der rechten Verlage, scheinen diese dadurch doch immer bedeutender und größer und mehr zu werden. Dabei waren es gerade einmal drei alles andere als überdimensionierte Stände in einer hinteren Ecke eben jener Halle 3, bei ansonsten insgesamt 2635 Ausstellern auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse.

Götz Kubitschek frohlockte ja schon nach den Tumulten auf der letzten Frankfurter Buchmesse: „Wir haben unsere PR-Abteilung ausgelagert, und jeder, der uns zu laut und zu durchschaubar skandalisiert, ist Teil dieser Auslagerung, ist einer unserer unbezahlten Mitarbeiter, ob er will oder nicht. Das klappt seltsamerweise immer wieder.“

Um genau in diese Falle nicht zu tappen, empfahl der Historiker und Schriftsteller Per Leo, der vergangenen Herbst mit zwei Kollegen den Leitfaden „Mit Rechten reden“ veröffentlicht hatte, in einem mit „Cool Down“ überschriebenen Aufsatz für den „Freitag“ als eine von vier Maximen im Umgang mit den Rechten gerade auf den Buchmessen: „Am besten gar nicht ignorieren“. Und schreibt: „Würden all jene, die jetzt wort- und gestenreich die ,Gefahr von rechts’ beschwören, einfach gar nichts tun, wäre in bester taoistischer Manier alles getan. Ohne ihre Feinde wären die Rechten schließlich auf sich selbst zurückgeworfen.“

Das Raunen im Blätterwald

Genau das ließ sich in Leipzig an den ersten beiden Messetagen beobachten, als der Andrang an den rechten Verlagsständen eben nicht „am größten“, sondern mehr als überschaubar war. Und ein Blick in die ausgestellten Bücher des Antaios Verlags dürfte dann zeigen, dass die Rechten keine brillanten Denker sind, dass sie die „Linken“ dringend benötigen, um sich ihrer selbst zu vergewissern, um an der Empörung dieser Linken wachsen zu können, ohne aber überhaupt genauere Beschreibungen oder Begriffe für diese Linken liefern zu können.

Bevorzugt wird es da alarmistisch, so wie in der vor einem schwarzen Hintergrund zackig rot-weiß gestalteten Anthologie „Nationalmasochismus“. Darin wird unter anderem behauptet, Angela Merkel treibe „ihr Volk in den Untergang“ und nur ein Wunder könne „unser schönes Land noch retten“. Ja, und genau, „die linken Deutschlandhasser“ seien ihrem Ziel „so nah wie nie zuvor“, nämlich „der Zerstörung Deutschlands, seiner christlich-abendländischen Wurzeln sowie der Familienstruktur“.

Die rechten Verlagsstände, sie wird es auch auf den nächsten Buchmessen in kleiner Zahl geben. Es dürfte klug und angebracht sein, sich weniger darüber zu empören und mit mehr Coolness auf sie zu reagieren.

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