Reichsarbeitsministerium 1933-1945 : Hier und da gab es Widerstand

Vereinzelte mutige Beamte nutzten ihre Spielräume und retteten Leben

Gebäudekomplex des Reichsarbeitsministeriums in der Berliner Saarlandstraße (heute: Stresemannstraße), um 1940.
Gebäudekomplex des Reichsarbeitsministeriums in der Berliner Saarlandstraße (heute: Stresemannstraße), um 1940.Foto: Postkarte (Kunstanstalt Stengel & Co. GmbH in Dresden)

Nicht alle Beamten im größten Ministerium des Deutschen Reiches waren glühende Nationalsozialisten. Es gab Menschen, die innerhalb des Apparates zu retten versuchten, was noch zu retten war. Einer von denen, die Widerstand leisteten, war der promovierte Jurist und Journalist Ludwig Münz (1893–1945). Münz, der seit 1928 im Reichsversicherungsamt arbeitete, war von 1930 bis 1945 im Reichsarbeitsministerium Leiter des Pressereferats. Dabei nutzte er, der seit 1930 Mitglied der Zentrumspartei war, auch nach der Machtergreifung der NSDAP seine herausgehobene Stellung, um Autoren mit Schreibverbot Aufträge zuzuschieben. Als Leiter des „Reichsarbeitsblattes“, dem er seit 1939 vorstand, vergab er Aufträge an von den Nazis bedrohte Personen, um sie zu schützen.

1944 kam es zu einer Auseinandersetzung mit einem SS-Angehörigen, was zu einer Dienstbefreiung führte. Münz war ein mutiger Mensch, der auch persönliche Kontakte zum deutschen Widerstand hielt. So gewährte er dem Widerstandskämpfer Ludwig Gehre Unterschlupf. Die Gestapo verhaftete daraufhin das Ehepaar Münz, das im Gestapogefängnis auf seinen „Prozess“ vor dem Volksgerichtshof wartete. Am 25. April wurde Münz aus der Haft befreit und Anfang Mai durch die Rote Armee im sowjetischen Speziallager Nr. 4 in Landsberg/Warthe interniert. Dort starb er am 30. September an den Folgen einer Ruhrepidemie.

Mitarbeiter der Arbeitsämter stellten schützende Arbeitsausweise aus

Trotz Menschen wie Ludwig Münz war das Ministerium kein Hort des Widerstands. Allerdings stand Münz auch nicht ganz allein. Es gab noch mehr Mutige, die ihren Spielraum und ihre Position nutzten. So war der ehemalige Kolonialbeamte Oskar Karstedt (1884–1945) seit 1919 im Reichsarbeitsministerium im Bereich Sozialpolitik eingesetzt. Von 1933 an leitete er zeitweise das Sonderreferat für Beschwerden „nichtarischer Ärzte“ und schützte den Juristen Fritz Goldschmidt, der gegen die Berufsverbote für deutsche Juden vorging. Karstedt, der bis zu seinem Tod kein NSDAP-Mitglied war, überstand Anfeindungen durch hohe Parteifunktionäre, weil Reichsarbeitsminister Franz Seldte sich schützend vor seinen langjährigen Beamten stellte.

Auch in den besetzten Gebieten gab es vereinzelt Menschen, die trotz ihrer staatlichen Funktion das Richtige taten. Mitarbeiter der deutschen Arbeitsämter, die für die Zwangsrekrutierung von Arbeitskräften für die deutsche Kriegswirtschaft zuständig waren, entschieden durch ihr Urteil „arbeitsfähig“ oder „nicht arbeitsfähig“ über Leben und Tod. Vereinzelt wurden bis 1942, als die SS zuständig wurde, schützende Arbeitsausweise ausgestellt. Doch das blieb die Ausnahme.

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