Rowohlt: Turbulenzen, neue Bücher : Ausflug ins Vertraute

Der eine hüllt sich in Verse, die anderen in Schweigen: Wie der Rowohlt Verlag nach den Turbulenzen an der Spitze die Tagesgeschäfte wieder aufgenommen hat.

Logo des Verlages Rowohlt an der Außenfassade des Verlagsgebäudes.
Logo des Verlages Rowohlt an der Außenfassade des Verlagsgebäudes.Foto: Jens Ressing/dpa

Vom Rowohlt Verlag ist in den vergangenen Tagen viel die Rede gewesen, nur nicht in Verbindung mit den von ihm veröffentlichten Büchern. Warum wurde die Verlegerin Barbara Laugwitz so holterdiepolter abgesetzt von der Führung des Holtzbrinck-Konzerns, zu dem neben dem Rowohlt Verlag auch die Verlage Kiepenheuer & Witsch, S. Fischer und Droemer/Knaur gehören? Und warum für Laugwitz der Buchautor, einstige „FAZ“-Kulturjournalist, „Monopol“-Gründer und Villa-Grisebach-Geschäftsführer Florian Illies berufen?

So genau ließ sich das, und lässt sich das wohl auch in Zukunft nicht, wie fast immer in solchen Fällen, nicht in Erfahrung bringen. Die Verantwortlichen und an dem Fall unmittelbar Beteiligten reden nicht, wollen oder dürfen das nicht, oder bleiben vage, unbestimmt. Auch der „Spiegel“ schaffte es vergangene Woche nicht, mit gleich sieben hauseigenen Autoren und Autorinnen mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. Am Ende kam das „Spiegel“-Team zu der Erkenntnis, dass da mit Laugwitz und dem Holtzbrinck-CEO Joerg Pfuhl wohl zwei nicht miteinander konnten. Dass „die unterschiedlichen Vorstellungen über den weiteren Weg“, wie sie in einer Medienmitteilung von Pfuhl als ein Grund der Trennung genannt wurden, wohl wirklich zu unterschiedlich waren.

Ausgestanden dürfte die Angelegenheit bei Rowohlt nicht sein – und doch müssen die Verlagsgeschäfte natürlich weiterlaufen. Wie zum Beispiel die Werbung für noch nicht angekündigte Bücher, die in den letzten zwei, drei Jahren bei Rowohlt eigentlich immer nur von einem stammten: Martin Walser.

Rowohlt veröffentlicht einen neuen Walser - und einen Roman ohne Namen

Ja, genau, der 91-jährige Schriftsteller schreibt weiter und weiter. Und, klar, will das Geschriebene auch veröffentlicht haben. „Spätdienst“ heißt das neue Buch von Walser, das im späten November erscheint. Der Verlag bezeichnet es so richtig wie vielsagend als „Lebensstenogramme“, und mehr als Aphorismen, die wie Gedichte gesetzt und voneinander abgesetzt sind, gibt es darin nicht.

„Bekenntnis und Stimmung“ lautet der Untertitel, was wiederum vielversprechend klingt: Bekenntnisse! So, so. Doch hat Walser zuletzt so viel bekannt, aus seiner Stimmung so wenig ein Hehl gemacht, dass er nun wohl selbst glaubte, mit seiner dem Buch vorangestellten Widmung den Ball flach halten zu müssen: „Für Gegner: ein gefundenes Fressen“, steht da. Und: „Für meine Leser: vielleicht ein Ausflug ins Vertraute.“ Letzteres stimmt. Nur sei doch die Frage erlaubt: Gegner? Die hat es viele gegeben, die arbeiten sich aber schon lange nicht mehr an Martin Walser ab. Die braucht vielleicht nur noch er selbst zum Schreiben.

Die Rowohlt-Party auf der Buchmesse fällt dieses Jahr aus

Am selben Tag, als Walsers Buch angekündigt wurde, landete in den Literaturredaktionen eine weitere Ankündigung des Rowohlt Verlags. Vielmehr: eine betont geheimnisvolle Einladung zu einer Veranstaltung im Frankfurter Hof während der Frankfurter Buchmesse. Mit „einigen Überraschungsgästen“, so steht es darauf, möchte der Verlag „das Erscheinen eines Romans ohne Namen feiern“. Ob das noch eine Idee von Barbara Laugwitz war, als kleiner Ersatz für die traditionelle Frankfurter Verlagsparty, die dieses Jahr wegen des Rowohlt-Umzugs von Reinbek nach Hamburgs City ausfällt? Oder schon eine ihres Nachfolgers? Und: Von wem stammt wohl dieser Roman noch ohne Namen und Titel? Oder heißt er so, „Roman ohne Namen“? Ganz sicher, jede Wette!, nicht von Martin Walser. Vielleicht Daniel Kehlmann. Was insofern überraschend wäre, da „Tyll“ erst vor einem Jahr veröffentlicht wurde. Jonathan Franzen käme schon eher in Frage. Botho Strauss?

Egal wer es ist, er oder sie dürfte mit Laugwitz zusammengearbeitet haben. Was bei all den Solidaritätsbekundungen aus den Reihen der Rowohlt-Autorinnen und - autoren eine durchaus pikante Note in diese ja sicher von Illies als erste öffentliche Amtshandlung moderierte Feier bringt. „Sich in Verse hüllen, als wären es Schutzgewänder“, steht in einem von Walsers Lebensstenogrammen, „schön, weltabweisend, die Einbildung heißt Aufenthalt.“ Den Rowohlt-Oberen ist diese Möglichkeit gerade nicht gegeben.

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