Rückkehr der Maschinen : In „Terminator 6“ ist die Zukunft weiblich

Arnold Schwarzenegger ist zurück als unaufhaltbare Tötungsmaschine. Doch die wahren Helden in „Terminator: Dark Fate“ sind die Frauen.

Dominique Ott-Despoix
Die Männerrollen sind im neuen Teil der Reihe fast schon obsolet
Die Männerrollen sind im neuen Teil der Reihe fast schon obsoletFoto: dpa/20th Century Fox

Drei Frauen werden nachts an die Grenze zwischen Mexiko und den USA geführt. Die Grenzmauer überwinden sie mühelos, dank eines versteckten Tunnels. Doch ihre Ankunft beobachtet eine Drohne, auf der US-Seite empfängt sie das Militär und sperrt sie zusammen mit anderen illegalen Einwanderern in ein Lager. Dass eine der drei Frauen, eine junge Mexikanerin, eines Tages die Menschheit retten wird, davon will der US-Grenzschutz nichts wissen.

Mit „Terminator: Dark Fate“ möchte James Cameron, der im sechsten Teil als Produzent zurückkehrt, das Blockbuster-Franchise gleichzeitig in die Gegenwart holen und der Prämisse der Reihe treu bleiben. Beides bedeutet: starke Frauen in Schlüsselrollen

Zurückgekehrt ist auch die Figur Sarah Connor. Sie ist eine der Frauen, die an der Grenze gefasst werden. Mit „Terminator 2“ verwandelte Linda Hamilton die schutzsuchende Kellnerin des Erstlings in eine unaufhaltsame Action-Ikone. Für die Reihe ist sie nicht weniger wichtig als Arnold Schwarzenegger, der Ur-Terminator.

Fast Jahre nach Hamiltons letztem Auftritt ist für die verbitterte Connor das Aufspüren und Auslöschen von Terminatoren zur Lebensaufgabe geworden. Ähnlich wie Jamie Lee Curtis bei ihrem Comeback im letzten „Halloween“-Film beweist Hamilton, dass die einstigen Heldinnen mindestens genauso knallhart und cool auftreten können wie ihre männlichen Kollegen, die sich zunehmend in die geriatrische Selbstironie flüchten.

Cameron war wie Hamilton seit „Terminator 2“ nicht mehr an den Fortsetzungen beteiligt, weshalb er empfiehlt, alles, was in der Zwischenzeit entstanden ist, als „schlechten Traum“ abzutun. In „Terminator: Dark Fate“ bekommt er sogar einen Autoren-Credit. Die Regie hat er „Deadpool“-Regisseur Tim Miller überlassen, Cameron ist gerade mit den nächsten vier „Avatar“-Sequels beschäftigt.

Eine neue Apokalypse droht

Dramaturgisch folgt der sechste „Terminator“ peinlich genau dem Schema seiner Vorgänger, nur dass es sich diesmal um eine Beschützerin handelt, die aus der Zukunft zurückkehrt, um die einzige Hoffnung der Menschheit vor einem frühzeitigen Tod zu bewahren. Grace, mit eindrucksvoller Rastlosigkeit von Mackenzie Davis gespielt, ist ein Cyborg, dennoch sieht sie sich nach wie vor als Mensch. Nur eben verbessert: Technologische Körperimplantate machen sie stärker und schneller. Im Gegensatz zum Terminator, der willenlos seinem Mordauftrag folgt, besitzt Grace einen freien Willen. Selbstlos beschützt sie die junge Dani (Natalia Reyes), zu der sie eine schwesterliche Verbundenheit aufbaut.

Die zukünftige Apokalypse, in der John Connor zum Retter des Planeten werden sollte, konnte seine Mutter Sarah einst verhindern. Doch damit ist die Auslöschung der Menschheit durch ihre eigene Technologie nicht abgewendet, nur verzögert. Das Ende wird furchtbar sein, nur dass Sarahs Sohn „J.C.“ dabei keine Rolle mehr spielt, sondern die unwissende Dani.

In der Autofabrik in Mexiko, wo sie jobbt und Maschinen nach und nach die Mitarbeiter ersetzen, wird sie von einem Terminator-Modell neuen Typs (Gabriel Luna) heimgesucht. Dem Killerroboter entkommt sie nur dank Graces und Sarahs Hilfe. Die drei Frauen hoffen in Texas Hilfe zu finden, doch die Grenze auf legale Weise zu überqueren, ist für eine gesuchte Verbrecherin, einen Cyborg und eine Mexikanerin unmöglich.

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Die Maschine wird immer menschlicher

Gegenüber diesen kämpferischen Frauen wirken die Männer in „Terminator 6“ schwach, geradezu obsolet. Selbst Arnold Schwarzenegger tritt als T-800-Terminator erst spät und ziemlich kläglich auf die Bühne. Ein Held ist er nicht mehr, bloß das veraltete Überbleibsel einer Zukunft, die nie stattfinden wird. Seinen legendärer Einzeiler „I’ll be back“ eignet sich diesmal die sonnenbebrillte Sarah an, während er lediglich ein resigniertes „I won’t be back“ hervorbringt.

In den Jahrzehnten seit „Terminator 2“ hatte die T-800-Maschine versucht, zunehmend menschlich zu werden. Spannender ist Graces Selbstermächtigung, ihr Wunsch, sich partiell in eine Maschine zu verwandeln. 1985, ein Jahr nach dem ersten „Terminator“, hatte die Theoretikerin Donna Haraway in ihrem einflussreichen „Cyborg Manifesto“ den Begriff des Cyborgs re-definiert. Sie machte das Hybridwesen aus Organismus und Maschine zu einer Denkfigur der Gegenwart, die „agency“, Handlungsmacht, bewahrt und aus feministischer Perspektive kodiert werden soll.

Heute finden solche Mischwesen, dezidiert positiv und weiblich konnotiert, über Action-Science-Fiction-Filme wieder in die Populärkultur zurück. Die Protagonistinnen aus „Ghost in the Shell“ und dem ebenfalls von Cameron produzierten „Alita: Battle Angel“ sind Musterbeispiele für die Feminisierung des Genres. Das mag verdienstvoll sein, rettet aber „Terminator: Dark Fate“ nicht aus dem Mittelmaß.

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