zum Hauptinhalt
Bühnenmarathon: „Serotonin“, inszeniert von Sebastian Hartmann am Hans Otto Theater, mit Guido Lambrecht

© Thomas M. Jauk

Auswahl des Theatertreffens 2026: Sensation aus Potsdam eingeladen

Erstmals beim Festival dabei: das Staatstheater Cottbus und das Hans Otto Theater Potsdam. Das Programm verspricht ein spannendes Theatertreffen im Mai in Berlin.

Stand:

Wenn sich das Berliner Theatertreffen ankündigt, darf man auch schon einmal vom Frühling träumen. Das Festival deutschsprachiger Bühnen ist dieses Jahr terminiert vom 1. bis 17. Mai. Und es gibt einige Überraschungen.

Zum ersten Mal sind zwei Brandenburger Häuser dabei: Vom Staatstheater Cottbus kommt Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“, aus Potsdam „Serotonin“. Beide Inszenierungen stammen von Sebastian Hartmann, der in früheren Jahren bereits zum Theatertreffen eingeladen war und den man von seinen Arbeiten in Berlin, Leipzig und Dresden kennt. Hier deuten sich weitere Gemeinsamkeiten der Stücke im Programm an. Sie beruhen überwiegend auf Romanen und Erzählungen, die Vorlage für „Serotonin“ ist das Buch von Michel Houellebecq.

Die Inszenierung aus Potsdam zeigt eine weitere Besonderheit. Es handelt sich um ein Fünf-Stunden-Solo mit dem Schauspieler Guido Lambrecht; wahrscheinlich olympischer Rekord! Auch der Münchner „Wallenstein“, nach Friedrich Schiller neu interpretiert von Jan-Christoph Gockel, bringt siebeneinhalb Stunden auf die Bühne – nicht wirklich Überlänge, gemessen an Peter Steins texttreuer Aufführung vor einem Vierteljahrhundert.

Und noch ein Erfolg für die Müncher Kammerspiele: Auch Jette Steckels Inszenierung des „Mephisto“-Romans von Klaus Mann hat die Jury begeistert. Ältere Theatergänger erinnern sich vielleicht an die legendäre Version des Théâtre du Soleil der Ariane Mnouchkine, das 1980 in West-Berlin und München gastierte.

Wallenstein und Mephisto

Kaum zu glauben – aber ein Ausweis von Vielfalt und einer nach wie vor reichen Theaterlandschaft: Sieben Kritikerinnen und Kritiker bewiesen Sitzfleisch und sichteten sage und schreibe 739 Inszenierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und sie erfüllten bei der Auswahl die Frauenquote von wenigstens fünfzig Prozent bei der Regie. Einhundert Prozent Frauenquote gibt es bei Florentina Holzinger im Team. Ihr Spektakel „A Year Without Summer“ von der Volksbühne ist nominiert, der einzige Berliner Beitrag bei der 63. Ausgabe des Theatertreffens. Die Berliner Festspiele insgesamt feiern in diesem Jahr 75. Geburtstag. Und sie wollen auch noch einmal an ihren kürzlich verstorbenen langjährigen Intendanten Ulrich Eckhardt erinnern.

Schnitzler und #MeToo

Weiter im Programm: Vom Theater Basel kommt „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams, in der Inszenierung von Jaz Woodcock-Stewart. Das Schauspiel Stuttgart zeigt Thomas Melles „Die Welt im Rücken“, Regie Lucia Bihler. Aus Wien reist „Fräulein Else“ an, frei nach Arthus Schnitzler von Leonie Böhm und Julia Riedler. Und noch ein Klassiker: Pinar Karabalut hat sich am Schauspielhaus Zürich des „Gattopardo“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa angenommen. „Three Times Left is Right“ ist eine Koproduktion der Wiener Festwochen und des Schauspiels Leipzig mit Festivals in Amsterdam und Utrecht.

Die Mischung wirkt interessant. Es sind Newcomer dabei und bekannte Stoffe, die sich angesichts der politischen Gegenwart neu darstellen. Die Auswahl der Jury „verbindet großes Schauspielerinnentheater mit den politischen Themen unserer Zeit. Von #MeToo über die Mechanik des Krieges bis hin zur Darstellung des Menschen als reinem Gefolgstier: Die nominierten Inszenierungen muten uns einiges zu, im allerbesten Sinne. Texte, die man zu kennen glaubt, werden in großen ästhetischen Setzungen innovativ und überraschend interpretiert und lassen tief in menschliche Abgründe blicken“, sagt Nora Hertlein-Hull, die Leiterin des Theatertreffens.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })