Zentralinstitut für Provenienzforschung geplant

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Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Das Museum als Universum
Alte Schätze, neue Herausforderungen. Ein aztekischer Adler blickt auf das europäische Mittelalter. Ausstellungsansicht im Neuen Museum.
Alte Schätze, neue Herausforderungen. Ein aztekischer Adler blickt auf das europäische Mittelalter. Ausstellungsansicht im Neuen...Foto: SMB/David von Becker

Wir werden auch die Provenienzforschung verstärken, und zwar übergreifend. Die Erforschung der Provenienzen ist für alle Sammlungen ein Thema, seien es Handschriften und Bücher in der Staatsbibliothek, Gemälde in der Nationalgalerie, Antiken im Pergamonmuseum oder Ethnografica im Humboldt Forum. Wir wollen die in der SPK vorhandene Kompetenz auf den unterschiedlichen Gebieten der Provenienzforschung in einem schlagkräftigen Zentralinstitut für die ganze Stiftung zusammenführen. Gerade im Hinblick auf das Humboldt Forum ist es dabei von zentraler Bedeutung, internationale Netzwerke mit Wissenschaftlern aus den Herkunftsländern wie Namibia oder Tansania aufzubauen und zu pflegen. Diese Arbeit kostet Geld. Aber wir wissen dabei die Politik an unserer Seite.

Die SPK ist als Vollmitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft an zwei Berliner Exzellenzclustern und weiteren Forschungsverbünden beteiligt. Zusammen mit der Freien Universität und der Humboldt-Universität gestalten die Museen eine Graduiertenschule und Promotionsstudiengänge, gemeinsame Berufungen sind in Vorbereitung. Ein Forschungscampus Dahlem hätte das Potenzial, einen lebendigen Ort des Erkenntnistransfers zu schaffen, wo Wissenschaftler aus aller Welt an den Sammlungen forschen. Dies alles hat viel mit der außenkulturpolitischen Gestaltungskraft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu tun. Angesichts des zunehmenden Abbaus kleiner kulturwissenschaftlicher Spezialdisziplinen an den Universitäten trägt die Stiftung in vielen Disziplinen zum Fortbestehen dieser Kompetenzen in Forschung und Lehre bei. Für das außenkulturpolitische Gewicht Deutschlands ist dieses Wissen aber unerlässlich.

Die Museen der SPK unterstützen kulturerhaltende Maßnahmen und Projekte in Syrien, Irak und Ägypten. Und die geplante Ausstellung zur Teheraner Moderne in Berlin hat gerade im Iran wichtige Diskussionen ausgelöst. Mit Russland betreiben wir im Kontext der Beutekunstproblematik so viele gemeinsame Projekte wie nie zuvor, geradezu antizyklisch zu den politischen Beziehungen. Es kann kein wichtigeres Ziel geben, als gerade in schwierigen Zeiten miteinander im Gespräch zu bleiben.

Neuausrichtung interner Strukturen

Schon dieser kursorische Überblick über laufende Projekte, Ideen, Pläne und Probleme zeigt, vor welchen enormen Herausforderungen die SPK steht. Unser Ziel muss es sein, unsere Arbeitsfelder, Kompetenzen und Ressourcen nicht mehr nur getrennt zu betrachten, sondern ein vernetztes Denken und Arbeiten zu stärken, um die vorhandenen Potenziale noch besser nutzbar zu machen. Dafür muss die Stiftung auch mit neuen Kapazitäten ausgestattet werden. Darüber wäre idealerweise mit dem Wissenschaftsrat zu sprechen, der eine Evaluierung der SPK in Angriff nehmen sollte.

Wir müssen uns auch in unseren internen Strukturen neu ausrichten. Wir arbeiten daran, unsere Verwaltung effizienter und reaktionsschneller zu machen, Doppelstrukturen aufzulösen und übergreifende Planungen transparenter und kooperativer zu gestalten. Eine Institution wie die SPK muss einem permanenten Modernisierungsprozess unterworfen sein, der die kleinen Aufgaben ebenso umfasst wie die großen. Alles, was wir mit unseren Sammlungen und Objekten tun, müssen wir immer wieder in neue Bezüge setzen. Dann sind eine Lessing-Handschrift, ein orientalischer Teppich, ein Picasso, eine Wurlitzer-Orgel, ein von Friedrich dem Großen verfasster Erlass oder eine Keilschrifttafel nicht mehr nur Objekte mit Inventarnummern, sondern auch Teil einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung.

Die SPK wird ihre neue Rolle nur finden können, wenn sie sich mit der Kraft der Kultur auch in Debatten einmischt, Positionen vermittelt, Impulse gibt und bisweilen auch einmal provoziert.

Der Autor ist seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

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