Suhrkamp : Domizil und Stil

Die Performance des Suhrkamp Verlags ist besser denn je: Ruhe, erfolgreiche Bücher - und das neue Verlagsgebäude ist auch bald fertig.

Gerrit Bartels
Der Entwurf für das neue Haus des Suhrkamp Verlags an der Torstraße. 2019 soll es fertig und bezogen werden.
Der Entwurf für das neue Haus des Suhrkamp Verlags an der Torstraße. 2019 soll es fertig und bezogen werden.Foto: Bundschuh Architekten

Wer dieser Tage in Berlin-Mitte hinter der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz entlangspaziert, dürfte sich wundern darüber, wie schnell hier die Baulücke an der Ecke zur Torstraße geschlossen wurde. Von außen scheint das siebenstöckige Haus fast fertig, und auch wenn noch kein Name dransteht, nur die von Architekten und Baufirmen: Das neue Gebäude des Suhrkamp Verlags scheint wie geplant fertig und im Sommer des nächsten Jahres von den 140 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bezogen zu werden. Eine Erfolgsgeschichte könnte man das nennen, vor dem Hintergrund anderer ewig sich ziehender Berliner Bauvorhaben; eine Geschichte, die überdies gut zur aktuellen Performance des Suhrkamp Verlags passt.

Im Verlag ist eine positive Ruhe eingekehrt

Denn seit den turbulenten Tagen des epischen Streits um den Verlag zwischen Ulla Unseld-Berkéwicz und dem inzwischen verstorbenen einstigen Anteilseigner Hans Barlach ist der Verlag zur Ruhe gekommen und macht das, was seine eigentliche Aufgabe ist: Bücher. Natürlich hat das auch mit dem Einstieg der Unternehmerfamilie Ströher zu tun. Sylvia Ströher sitzt im Aufsichtsrat des Verlags, so lassen sich schon mal finanzielle Magerzeiten besser verkraften. Auch der nach dem Rückzug von Unseld-Berkéwicz neue hauptverantwortliche verlegerische Geschäftsführer Jonathan Landgrebe hat da seine Anteile: Er agiert mit ruhiger Hand, so scheint es, und niemand fordert von ihm, glamouröser zu werden oder mehr nach außen hin zu wirken.

Der neue Ferrante-Roman verspricht abermals ein Bestseller zu werden

Dass das alles gerade so gut läuft bei Suhrkamp, liegt aber vor allem auch daran, dass die Bücher erfolgreich sind. Der Verlag hat nun neben Isabel Allende mit Elena Ferrante eine weitere zuverlässige Erfolgsautorin. Von ihr werden nicht nur die vier Bände der neapolitanischen Saga bestens verkauft, sondern auch deren Backkatalog; kommendes Jahr erscheint nach dem 92er-Debüt „Lästige Liebe“ mit „Frau im Dunkeln“ schon ein zweiter, älterer Ferrante-Roman und verspricht ebenfalls ein Bestseller zu werden.

Beim Studium des Frühjahrsprogramms fällt zudem auf, dass Suhrkamp einige weitere neue Erfolgsautoren und -autorinnen hat. Die Französin Annie Ernaux zum Beispiel. Von deren Buch „Die Jahre“ hat der Verlag 25 000 Exemplare verkauft, genau wie von William Finnegans faszinierender, manchmal etwas langatmiger Surf- und Surfer-Fabel „Barbarentage“. Das neue Haus also ist bestellt.

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