Thielemann und Bachler : Zoff in Salzburg

Christian Thielemann soll sich die Intendanz der Salzburger Osterfestspiele mit Nikolaus Bachler teilen. Die Entscheidung birgt Konfliktpotential.

Streitbarer Maestro. Christian Thielemann.
Streitbarer Maestro. Christian Thielemann.Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Wenn am Samstag Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ bei den Salzburger Osterfestspielen in einer Neuinszenierung von Jens-Daniel Herzog Premiere feiern, darf man davon ausgehen, dass die musikalische Qualität stimmt: Denn im Orchestergraben steht dann Christian Thielemann. Der 60-jährige Berliner ist unbestritten einer der besten Wagner-Interpreten weltweit.

Aber auch ein streitbarer Geist. Bevor er 2012 Chef der Dresdner Staatskapelle wurde, war er dafür berühmt, jede seiner Leitungspositionen im Streit verlassen zu haben, angefangen vom Staatstheater Nürnberg über die Deutsche Oper Berlin bis hin zu den Münchner Philharmonikern. Und auch in Dresden gelang es ihm, einen designierten Intendanten der Semperoper noch vor dessen Amtsantritt wieder zu vergraulen.

Thielemann akzeptierte Bachler als Partner nicht

Als Thielemann 2013 die Salzburger Osterfestspiele übernahm, weil die Berliner Philharmoniker nach Baden-Baden abgewandert waren, eröffnete sich dem Dirigenten ein neues Feld selbstbestimmter Programmpolitik. Diese Freiheit soll ihm ab 2020 nach dem Willen des Festspiel-Aufsichtsrats genommen werden. Denn dann wird ihm Nikolaus Bachler, der scheidende Intendant der Münchner Staatsoper, zur Seite gestellt. Zunächst als „kaufmännischer Geschäftsführer“, aber 2022 dann mit dem Titel „Intendant“ geschmückt.

Kaum war die Personalie bekannt geworden, erklärte Christian Thielemann, er werde diese Entscheidung nicht akzeptieren. Weil der Aufsichtsrat aber nicht bereit war, die Entscheidung zurückzuziehen, schien alles auf eine offene Konfrontation zwischen dem Dirigenten und dem Kulturmanager hinauszulaufen.

Am Montag aber schlug Christian Thielemann in einem ORF-Interview plötzlich versöhnliche Töne an: „Ich setzte weiterhin darauf, dass wir noch einmal ganz ruhig reden. Das Allerwichtigste ist, dass wir unsere Kräfte auf die Musik bündeln und auf die Programmierung. Und dass wir uns nicht in persönlichen Kämpfen verbrennen.“

Diskussionen nicht öffentlich führen

Wichtig, so Thielemann, sei es jetzt, die Probleme nicht über die Medien zu besprechen: „Ich hoffe, dass wir das aus den Zeitungen und aus dem Rundfunk heraushalten können. Wir wollen uns jetzt in aller Ruhe noch einmal in ein Kämmerlein zurückziehen und besprechen, was wir machen.“

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Einen Hinweis, wie er sich eine Zukunftskonstruktion für die Salzburger Osterfestspiele vorstellt, gab Thielemann allerdings auch. Indem er auf die Handlung der „Meistersinger von Nürnberg“ verwies. Die sich für ihn so zusammenfassen lässt: „Da kommt jemand Fremdes, akzeptiert die Regeln nicht, wird aber dann doch aufgenommen. Er passt sich an, hat aber dann doch seine eigenen Ideen.“ Wichtig scheint hier vor allem die Formulierung „Er passt sich an.“ Wenn Nikolaus Bachler bereit ist, Thielemanns künstlerische Entscheidungen für die Oper und die Konzerte hinzunehmen, so lassen sich die Worte deuten, dann mag er drumherum gerne eigene Akzente setzen.

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