• Wem gehört der Goldene Bär? : Spanien oder die Katalanen: Streit um die Identität des Berlinale-Gewinnerfilms

Wem gehört der Goldene Bär? : Spanien oder die Katalanen: Streit um die Identität des Berlinale-Gewinnerfilms

In Spanien wird lebhaft darüber diskutiert, wer den Berlinale-Erfolg von Carla Simóns "Alcarràs" für sich verbuchen darf.

Die katalanische Regisseurin Carla Simón gewann den Goldenen Bären für ihren Wettbewerbsbeitrag "Alcarràs" .
Die katalanische Regisseurin Carla Simón gewann den Goldenen Bären für ihren Wettbewerbsbeitrag "Alcarràs" .Foto: dpa/Ronny Hartmann

Der Goldene Bär für das Familiendrama „Alcarràs“ der katalanischen Regisseurin Carla Simón bei der 72. Berlinale hat auch im Streit um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region im Nordosten Spaniens seinen Niederschlag gefunden.

Der separatistische Regionalregierungschef Kataloniens, Pere Aragonès, sprach von einem „Triumph“ und dankte Simón dafür, dass sie „der Welt die katalanische Kultur und Sprache gezeigt“ habe. Hingegen gratulierte der sozialistische Regierungschef Spaniens, Pedro Sánchez, Simón zu dem Erfolg des „spanischen Films“: „Heute hast Du Geschichte geschrieben.“ Dass der Film auf Katalanisch gedreht wurde und in Katalonien spielt, erwähnte er nicht extra.

In Leserkommentaren unter Artikeln spanischer Zeitungen gab es am Donnerstag eine lebhafte Diskussion über die Frage, ob dies nun ein katalanischer oder ein spanischer Erfolg sei. „Wenn ein Katalane einen Preis gewinnt, eine internationale Anerkennung erfährt, dann ist er Spanier, wenn er aus einem anderen Grund erwähnt wird, dann ist er Katalane“, klagte etwa ein Leser der in Barcelona erscheinenden Zeitung „La Vanguardia“. Spanien eigne sich seit langem die Erfolge von Katalanen an, um die Region „zu annullieren und zu assimilieren“.

Andere, wohl eher keine Befürworter einer Abspaltung Kataloniens, warfen den Kritikern vor, sich stets als „weinerliches Opfer Spaniens“ darzustellen.

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Die in Madrid erscheinende Zeitung „El País“ formulierte in ihrer Überschrift salomonisch: „Die katalanische Filmemacherin ist die erste spanische Regisseurin, die eines der vier großen Festivals gewonnen hat.“

Dabei geht es in dem Gewinner-Film der 72. Berlinale gar nicht um den Sprachenstreit oder die Unabhängigkeit. Erzählt wird vom Alltagsleben einer Familie, die Pfirsiche auf einer Plantage anbaut und in Existenznöte gerät. Denn auf dem Gelände sollen künftig Solarpaneele gebaut werden. Ihre Familie sei selbst im Pfirsich-Anbau tätig, sagte Carla Simón bei der Preisverleihung am Mittwochabend im Berlinale Palast.

Die Auszeichnung wolle sie den kleinen Familien von Bauern widmen, „die jeden Tag den Boden bestellen, damit wir Essen auf dem Tisch haben“, sagte Simón. Und das gelte für viele Kleinbauern, in Katalonien, in Spanien und weit darüber hinaus. (dpa)

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