"Wir trafen uns in einem Garten" : Das große Inga-Humpe-Lesebuch

Von der BRD noir über das West-Berlin noir der achtziger ins neue Jahrtausend: Ein Buch mit zwei Inga-Humpe-Porträts plus 2raumwohnung-Songbook.

Inga Humpe, hier in Berlin Mitte an der Spree, an den Plattenbauten an der Tucholskystraße bzw. am Uferweg der Spree.
Inga Humpe, hier in Berlin Mitte an der Spree, an den Plattenbauten an der Tucholskystraße bzw. am Uferweg der Spree.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Man ächzt bei der Ansicht von Cover und Autorinnennamen dieses Buches erst einmal ein bisschen vor sich hin. Jetzt hat also auch die Musikerin Inga Humpe ihre Autobiografie geschrieben, vielleicht sogar einen Roman, in jedem Fall ihr ganz eigenes Buch mit dem Titel „Wir trafen uns in einem Garten“. (Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020. 288 S., 16 €.)

Na gut. Und Popfans wissen sofort Bescheid, denn so wie dieser Band hieß auch der große Hit von Humpes Band 2raumwohnung aus dem Jahr 2001.

Humpe passt demnach wunderbar in die Reihe Bücher schreibender Popmusiker und Popmusikerinnen, und dann auch wieder nicht. Dieses Buch ist mehr ein Songbook, eine Art Humpe-2raumwohnung-Lesebuch.

Es besteht zum Hauptteil aus den Songtexten von Humpes späterer und wohl noch aktueller Band 2raumwohnung (nach den Neonbabies und anderen Projekten), aus Fotos und gerade mal einer Prosaminiatur aus der Feder von Humpe. Den Rest steuern Helene Hegemann und Benjamin von Stuckrad-Barre bei, mit Porträts der Heldin.

Der Garten? Wegen Blumfeld

Hegemann holt bei der Beschreibung von Humpes Werdegang weit aus, dabei die Musikerin stets in der zweiten Person Singular ansprechend: von den fünfziger Jahren in Herdecke, BRD noir, bis ins Nachwende-Berlin der Neunziger, von der kaputten West-Berliner Vorwende-Zeit bis ins neue Jahrtausend.

Und bis zu eben jenem Song und der Frage, warum nun ausgerechnet der Garten Treffpunkt war:„Wahrscheinlich wegen Blumfeld. Blumen, Feld, erste Assoziation:Garten. Ging schnell.“

Und Benjamin von Stuckrad-Barre? Bezeichnet Humpe unter anderem als „Pippi Langstrumpf von Berlin Mitte“. War vielleicht so. Ja, überhaupt: Warum sich eigentlich nicht einmal mit den Songs und quasi über Familienbande mit Inga Humpe beschäftigen? Wie heißt es in einem 2raumwohnung-Song: „Das ist nicht das Ende Baby/Weil alles neu beginnt“.

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