• Zum Tod der Fotografin Astrid Kirchherr: Sie nannte die Beatles liebevoll „meine Jungs“

Zum Tod der Fotografin Astrid Kirchherr : Sie nannte die Beatles liebevoll „meine Jungs“

Astrid Kirchherr dokumentierte den Weg der Beatles zum Weltruhm in Schwarz-Weiß. Nun ist die Hamburger Fotografin gestorben.

Hannes Soltau
Astrid Kirchherr vor einer Fotografie von John Lennon. 
Astrid Kirchherr vor einer Fotografie von John Lennon. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Ohne sie wären die Beatles wohl niemals als „Pilzköpfe“ in die Popgeschichte eingegangen. Es soll Astrid Kirchherr gewesen sein, die den ersten Bandmitgliedern in einer Hamburger Küche die ikonische Frisur geschnitten hat. „Astrid war diejenige, die unser Image mehr als jeder andere beeinflusste“, sagte George Harrison später einmal. „Sie ließ uns gut aussehen.“ Diese Aussage bezieht sich jedoch keineswegs nur auf die Haarpracht: Astrid Kirchherr gilt als erste „offizielle“ Fotografin der frühen Beatles. Am vergangenen Dienstag starb sie nur wenige Tage vor ihrem 82. Geburtstag nach kurzer, schwerer Krankheit in Hamburg, wie „Zeit Online“ unter Berufung auf Familie und Freunde der Künstlerin berichtete.

[Behalten Sie den Überblick: Jeden Morgen ab 6 Uhr berichten Chefredakteur Lorenz Maroldt und sein Team im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint über die aktuellsten Entwicklungen. Jetzt kostenlos anmelden: checkpoint.tagesspiegel.de]

Kirchherr, geboren 1938 in Hamburg, studierte an der Meisterschule für Textil, Grafik und Werbung. Sie lernte in der Fotoklasse von Reinhart Wolf, dessen Assistentin sie später wurde. 1960 begegnete sie den damals noch relativ unbekannten Beatles im Kaiserkeller auf St. Pauli und dokumentierte die Hamburger Zeit der Band in zahlreichen Schwarzweißfotos, von denen einige heute als Ikonen gelten. In der Zeit des Kennenlernens saß noch Pete Best statt Ringo Starr am Schlagzeug, und ein gewisser Stuart Sutcliffe spielte Bass. Kirchherr verliebte sich in Sutcliffe, im November 1960 verlobten sich beide. Als die Band nach Liverpool zurückkehrte, blieb Sutcliffe in Hamburg bei seiner Freundin. 1962 starb der „fünfte Beatle“ im Alter von nur 21 Jahren an einer Gehirnblutung in den Armen von Kirchherr.

Sie war mit dem „fünften Beatle“ verlobt

1964 beauftragte der „Stern“ die Fotografin damit, die Beatles bei den Dreharbeiten zum Film „Yeah Yeah Yeah“ zu fotografieren. 1968 überzeugte George Harrison sie zu einer letzten Fotosession für sein Soloprojekt „Wonderwall Music“. Harrisons Porträt auf der Innenhülle des Albums dürfte eines der letzten bekannten Bilder Astrid Kirchherrs sein. Sie gab die Fotografie auf, lebte lange Zeit als Hausfrau, arbeitete zeitweise als Stylistin in der Mode und als Interior Designerin. 2011 verkaufte sie schließlich ihr ganzes Archiv und die Bildrechte an eine amerikanische Investorenfamilie. Ihr Werk wird bis heute in internationalen Museen und Galerien gezeigt.

Im Kinofilm „Backbeat“ von Iain Softley aus dem Jahr 1994, der von den Anfängen der Beatles handelt, spielt Astrid Kirchherrs tragische Beziehung zu Stuart Sutcliffe eine bedeutende Rolle. Sie selbst war als Beraterin an der Entstehung des Werks beteiligt. Und so wird sie als einer der prägendsten Einflüsse der erfolgreichsten Band aller Zeiten in Erinnerung bleiben. Als Wegbereiterin jener vier Liverpooler, die sie auch Jahrzehnte später noch liebevoll „meine Jungs“ nannte. (mit dpa)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!