Zum Tod des Schauspielers Wolfgang Völz : Der Pfiffikus

Charme und Schlagfertigkeit waren seine Waffen: zum Tod des großen Berliner Schauspielers Wolfgang Völz.

Christian Schröder
Wolfgang Völz und seine Frau Roswitha, 2015 zur Diamantenen Hochzeit im Treppenhaus ihrer Charlottenburger Wohnung fotografiert.
Wolfgang Völz und seine Frau Roswitha, 2015 zur Diamantenen Hochzeit im Treppenhaus ihrer Charlottenburger Wohnung fotografiert.Foto: Thilo Rückeis

Man könnte mit Mario de Monti beginnen, dem Armierungsoffizier der Raumpatrouille Orion. Oder mit Johann, der Einbrecherkönig war, die Seite wechselte und als Butler beim Gentleman-Detektiv Graf Yoster anheuerte. Oder mit dem Flunkerbären Käpt’n Blaubär aus der Sendung mit der Maus, genauer gesagt: seiner gemütlich brummelnden, hanseatisch über den spitzen Stein stolpernden Stimme, mit der er sich zum Bei-spiel brüstete, das Rad erfunden zu haben, das ursprünglich allerdings noch eckig war.

Wolfgang Völz gehörte zu den meistbeschäftigten deutschen Schauspielern. Er trat in mehr als 700 Film- und Fernsehproduktionen auf, oft in kleinen und kleinsten Rollen, vom Barkeeper in Fritz Langs Spätwerk „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ über einen Sergeant im Edgar-Wallace-Film „Der grüne Bogenschütze“ bis zum Piraten in „Pippi in Taka-Tuka-Land“. Er synchronisierte Michel Piccoli, Mel Brooks und Walter Matthau, gehörte zum Kabarett-Ensemble der Berliner „Stachelschweine“ und machte Boulevardtheater am Ku’damm. Aber in Erinnerung geblieben sind diese drei Figuren: der Weltraumabenteurer in einer Science-Fiction-Deko aus Bügeleisen und Bleistiftanspitzern, der pseudoservile, nie um einen flotten Spruch verlegene Domestik und der Bär mit blauem Fell.

Bloß keine Großkunst

Ob das, was er machte, Kunst oder Trash war, kümmerte Völz wenig. Er sah sich als Handwerker. Frei nach dem Motto "Der Scheck heiligt die Mittel" waren ihm Gagen wichtiger als Kritiken. „Ich wollte gar keine tollen Rollen haben“, hat er gesagt. „Da muss man so viel Text lernen. Das Hochkünstlerische habe ich nur ab und zu mal gemacht. Wenn es unbedingt sein musste.“ Völz, der 1930 in Danzig geboren wurde, eine Bäckerlehre absolvierte und 1950 am Landestheater Hannover debütierte, war ein Charakterkomiker. Bonvivanten lagen ihm besonders, für Schurken war er ungeeignet.
Im Cockpit der Raumpatrouille Orion war er hauptsächlich damit beschäftigt, Meteoriten oder Angreifer wie die ultrabösen Frogs abzuschießen. „Ich habe drauf bestanden, dass sie mir alles Ernsthafte aus der Rolle streichen“, erinnerte er sich später. „Wenn da irgendwas mit Koordinaten stand oder so habe ich gesagt: Lasst das weg! Dann gab es stattdessen einen Gag.“

Charme und Schlagfertigkeit waren seine stärksten Waffen. Von sich selber sprach er gerne als „Pfiffikus“. Orion, dieses „Märchen von morgen“, war für ihn beim Dreh 1966 eine Familienangelegenheit. Seine Frau Roswitha, eine bei Tatjana Gsovsky ausgebildete Ballerina, tanzte mit ihm vor der Kamera den legendären Galyxo, während die beiden Kinder hinter den Kulissen spielten. Wolfgang Völz starb am Mittwoch in Berlin. Er wurde 87 Jahre alt.

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