Zum Tod von Dick Dale : König der Surfmusik

Mit seinem Hit "Miserlou" begann der Surf-Rock. Quentin Tarantino verhalf ihm zum Comeback. Jetzt ist der Teufelsgitarrist Dick Dale gestorben.

Christian Schröder
Dick Dale tritt im B.B. King Blues Club in Memphis auf.
Dick Dale tritt im B.B. King Blues Club in Memphis auf.Foto: dpa

Im Raketenzeitalter diente auch Popmusik als Startrampe, es kam auf maximale Beschleunigung an. Los geht es mit dem dunklen Vibrieren einer E-Gitarre, es folgen ein Stakkato heller werdender Töne und irrwitzig schnelle, sich überschlagende Läufe, frenetische „He, Hep, Hep“- Rufe, das Einsetzen von Bass und Schlagzeug, schließlich ein fauchendes Saxofonsolo. „Miserlou“ heißt das 2 Minuten und 36 Sekunden kurze Hochgeschwindigkeitsstück des Teufelsgitarristen Dick Dale, das 1963 die Nervosität der Ära auf den Punkt brachte. Er gilt als König der Surfmusik, genauso gut könnte man ihn aber auch als Vater (oder Großvater) des Heavy Metal bezeichnen. „Surfmusik ist ein Maschinengewehr-Stakkato-Picking-Stil, um die Kraft der Natur, unserer Erde und unseres Ozeans zu feiern“, hat er der „New York Times“ in einem Interview gesagt.

Jimi Hendrix war sein Schüler

Dale, der Virtuosen wie Jimi Hendrix und Eddie Van Halen beeinflusst hat, wurde 1937 in Boston geboren und wuchs in Südkalifornien auf. Der Sohn eines libanesischen Vaters beschäftigte sich früh mit arabischer Musik, ein Onkel unterrichtete ihn auf der Oud und der Kelchtrommel. Über Trompete und Ukulele fand der Neffe zur Gitarre. Dales Idol war der für seinen Dschungelsound bekannte Big-Band- Trommler Gene Krupa. „Sein Drum-Solo ging dum ban da, dum ban da, dum ban da dum ba da und hat alle gepackt“, erzählte Dale. „Musik ist nicht nur eine Haltung, Musik ist sinnlich und sexuell: Von Krupa habe ich gelernt, wie man Menschen in Bann schlagen kann, sogar Menschen, die taub sind.“
Anders als die Beach Boys konnte Dale surfen, mit dem wild brandenden Sound seiner Gitarre versuchte er darzustellen, was er empfand, wenn er auf dem Brett stand. Die Mittel dazu fand er in Halleffekten, Verzerrgeräuschen und größtmöglicher Lautstärke. Der Instrumentenbauer Leo Fender, ein Pionier der Produktion von E-Gitarren, arbeitete bei der Entwicklung von neuem Equipment eng mit Dale zusammen. „Ich war der Testpilot für alles, was aus Leos Kopf kam. Er fand: Wenn etwas dem Strafgericht von von Dick Dale standgehalten hat, ist es auch für Normalmenschen geeignet.“ Bei den gemeinsamen Klangforschungen jagte der Gitarrist nach eigenen Angaben mehr als fünfzig Verstärker in die Luft.

Manchmal sogar mit Geigen

Auf seinem Debütalbum versammelte Dale 1962 Titel wie Take It Off“, „Shake’n’ Stomp“ und „Let’s Go Trippin“, neben „Miserlou“ sein größter Hit. Den karibischen Folksong „Sloop John B“, den später auch die Beach Boys aufnahmen, unterlegte er mit Geigen. Ein, zwei Sommer lang war Surfmusik in Mode, dann wurde sie vom Erfolg der „British Invasion“ mit Bands wie den Beatles, den Rolling Stones und den Kinks hinweggespült. Bis 1965 veröffentlichte Dale fünf weitere Langspielplatten, dann verschwand er, auch aufgrund einer Darmkrebserkrankung in der Versenkung. Sein Comebackalbum brachte ihm 1986 eine Grammy-Nominierung ein. Weltweiten Ruhm verschaffte ihm Quentin Tarantino, der seinen Film „Pulp Fiction“ 1994 mit „Miserlou“ beginnen ließ. Dick Dale ist der einzige Mensch, der sowohl in die Musicians Hall of Fame in Nashville als auch auf dem Surfing Walk of Fame in Huntington Beach aufgenommen wurde. Am Samstag ist er mit 81 Jahren gestorben.

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