#MeToo : WDR kündigt TV-Korrespondent nach Belästigungsvorwürfen

Unzweideutige Angebote: Nach zahlreichen Vorwürfen von sexueller Belästigung hat der WDR einem Fernseh-Korrespondenten gekündigt.

Weiter Unruhe im Haus des WDR.
Weiter Unruhe im Haus des WDR.Foto: dpa

Der Westdeutsche Rundfunk hat einem langjährigen Mitarbeiter nach Belästigungsvorwürfen gekündigt. „Wir bestätigen, dass einem Mitarbeiter nach sorgfältiger Prüfung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe fristlos gekündigt wurde", sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel.

Der WDR habe in den letzten Wochen neue Hinweise mehrerer Betroffener erhalten. "Diese wurden im Anschluss sorgfältig geprüft. Auch nach Anhörung des Mitarbeiters stufte der WDR die Vorwürfe als glaubhaft und so gravierend ein, dass er die entsprechende Konsequenz gezogen hat." Der Sender bat um Verständnis, dass zum Schutz von Persönlichkeitsrechten und aus arbeitsrechtlichen Gründen keine weiteren Angaben gemacht werden können.

Reporter der beiden Redaktionen von „stern“ und dem Recherchezentrum Correctiv hatten im April von zwei Frauen berichtet, die dem langjährigen Angestellten des Senders sexuelle Belästigung und auch Machtmissbrauch vorgeworfen hatten.

In einer E-Mail bezeichnete sich der Mann einer WDR-Mitarbeiterin gegenüber als „Alpha-Tier“ und machte ihr unzweideutige Angebote. Als Leiter eines ARD-Auslandsstudios schenkte er einer Praktikantin auf einem Hotelzimmer Champagner ein und zeigte ihr dann auf seinem Laptop einen Porno.

Die Aussagen der Frauen wurden als gravierend und glaubwürdig eingeschätzt

Dem WDR waren diese Vorwürfe damals bereits bekannt. Nach Ansicht des Senders rechtfertigten sie damals aber keine Kündigung und auch keine Abmahnung. So erhielt der Korrespondent eine Ermahnung. Für den Fall, dass weitere Vorwürfe öffentlich würden, wurden ihm härtere Konsequenzen angedroht.

Nach Veröffentlichung der Recherchen von "stern" und Correctiv meldeten sich weitere Frauen beim WDR und belasteten den Korrespondenten – in einer Deutlichkeit, die den Sender zum Handeln zwang.

„Ich kann mir vorstellen, dass es für die Betroffenen ein schwieriger Schritt war, aus der Anonymität herauszutreten. Aber genau dieses Vertrauen war entscheidend für den Aufklärungsprozess“, sagte Intendant Tom Buhrow.

Der Korrespondent wurde zu den Vorwürfen angehört.

Zwischenstand im Fall Henke

Bei Gebhard Henke, dem wegen gleichartiger Vorwürfe freigestellten Filmchef des WDR, gibt es folgenden Zwischenstand. Der Sender hat seine Untersuchungen und Befragungen vorläufig abgeschlossen und Gebhard Henke die Ergebnisse übermittelt. Henke, respektive sein Anwalt Peter Raue, sollen sich jetzt bei Freitag dazu äußern.

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