
© dpa/Fabian Sommer
Einwurf aus der Tagesspiegel-Community: „Das Krisenmanagement hat funktioniert“ – die Empörung leider auch
War es wirklich ein Skandal, dass Kai Wegner während des Berliner Stromausfalls telefonierte, koordinierte – und zwischendurch Tennis spielte? Unser Nutzer bricht eine Lanze für den Regierenden.
Stand:
Nach tagelangen Blackout kehrt der Alltag im Südwesten Berlins zunehmend zurück – doch die Diskussion um Kai Wegners „Tennisgate“ hält an. Welche Konsequenzen könnten dem Regierenden Bürgermeister drohen?
Messen wir Krisenmanagement inzwischen weniger an Ergebnissen als an öffentlich zur Schau gestelltem Leid? Die Empörung offenbart darüber vor allem eine merkwürdige Erwartungshaltung an politische Führung in Krisenzeiten meint unser Nutzer Alexander Müller (aka AlexHH1). Ein Einwurf aus der Tagesspiegel-Community.
Man gewinnt inzwischen den Eindruck, ein Regierender Bürgermeister müsse im Krisenfall nicht nur regieren, sondern liturgisch korrekt leiden. Sichtbar und dauerbetroffen. Kai Wegner beging das Sakrileg, nicht im Gummistiefel durchs Elend zu stapfen, sondern zu telefonieren, zu koordinieren und zwischendurch Luft zu holen. Von zu Hause aus.
Wer nicht demonstrativ betroffen wirkt, gilt als herzlos.
Meint Tagesspiegel-Nutzer Alexander Müller (AlexHH1)
Während ganz Deutschland wusste, dass dort eigentlich Not und Verzweiflung hätten herrschen müssen. Je weiter weg vom Wannsee, desto sicherer die Diagnose. Der eigentliche Skandal ist nicht das Tennisspiel. Der Skandal ist die Erwartung, politische Handlungsfähigkeit lasse sich nur noch durch öffentliches Leidtragen beweisen.
Wer nicht demonstrativ betroffen wirkt, gilt als herzlos. Wer lächelt, als zynisch. Das erinnert fatal an Herrn Laschet, der weniger an Politik scheiterte, als an der Todsünde, im falschen Moment menschlich zu wirken. Auch der spätere Besuch in einer Notunterkunft war dann wieder falsch. Die 97 jährige Frau hätte man bitte adoptieren oder im Luxushotel einquartieren müssen.
Dabei ging das Wesentliche fast unter: Der Berliner Südwesten funktionierte. Nachbarschaftshilfe, THW, Bundeswehr, Pragmatismus, Humor. Die Versorgung gesichert, der Strom früher zurück als angekündigt.
Wir sind Weltmeister in Empörung.
Meint Tagesspiegel-Nutzer Alexander Müller (AlexHH1)
Fazit: Wir sind Weltmeister in Empörung. Dieses Land hat aktuell viel aufzuholen, sicher nicht bei der Empörungshysterie. Da stehen wir längst auf Platz eins. Dass Wegner die einstündige Tennis Auszeit nicht erwähnt hat, war definitiv eine Schwäche und darf kritisiert werden. Im Gesamtkontext ist sie jedoch weit weniger dramatisch als dargestellt. Entscheidend ist nicht die Symbolik einer privaten Stunde, sondern das Ergebnis politischen Handelns.
Das Krisenmanagement der Stadt, das Herr Wegner mit zu verantworten hat, hat funktioniert. Wir fordern Menschlichkeit, dann sollten wir diese auch unseren Politikern gewähren. Beste Grüße aus Potsdam und allen ein sicheres, warmes, entspanntes Wochenende, Alexander Müller (aka AlexHH1).
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