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Afghanistan : Mindestens zwei Tote bei Anschlag auf internationalen Konvoi in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul explodiert eine Autobombe. Der Anschlag gilt ausländischen Truppen. Unter den Opfern sind Zivilisten.

Anschlag in Kabul: Sicherheitskräfte am Tatort
Anschlag in Kabul: Sicherheitskräfte am TatortFoto: AFP/Wakil Koshar

Bei einem Bombenanschlag auf einen internationalen Militärkonvoi in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein kleines afghanisches Mädchen getötet worden. Das sagte am Freitag ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Zudem kam der Attentäter ums Leben. Der Sender 1TV berichtete, dass auch ein elfjähriger Junge getötet worden sei. Dafür gab es zunächst aber keine offizielle Bestätigung. Nach Angaben aus dem Innenministerium wurden weitere 22 Afghanen verletzt.

Der Anschlag richtete sich gegen Fahrzeuge der australischen Botschaft. Das bestätigte die australische Außenministerin Julie Bishop am Freitagabend (Ortszeit). Der Sender SBS zitierte sie mit den Worten: „Heute ist eine mutmaßliche Autobombe nahe Fahrzeugen der australischen Botschaft, die durch Kabul fuhren, detoniert.“ Australier seien nicht verletzt worden. Bishop drückte den Opfern ihre Teilnahme aus.

Ein Selbstmordattentäter habe am Morgen in einem Kleinlaster seine Sprengstoffladung neben dem Militärkonvoi gezündet, sagte ein Polizeisprecher. Bilder auf sozialen Medien zeigten eine hohe, dunkle Rauchwolke. An dem internationalen Konvoi sei wohl kein Schaden entstanden, hieß es. Ein Sprecher der Nato-Mission Resolute Support (RS) sagte, RS-Personal sei nicht verletzt worden. Zu der Nationalität der Soldaten machte der Sprecher keine Angaben.

Anschlag als Antwort auf das Friedensangebot an die Taliban?

In einem internen Sicherheitsbericht einer internationalen Organisation, der der dpa vorliegt, war auch die Rede von „Schäden an einem vorbeifahrenden NGO-Konvoi“. Nahe dem Anschlagsort an der großen Dschalalabad-Straße liegen zwei große Wohn- und Arbeitsanlagen der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen. In eines war im Sommer auch die deutsche staatliche Entwicklungshilfsorganisation GIZ eingezogen. Aus der Pressestelle der GIZ hieß es, die Mitarbeiter seien „wohlauf“.

In Kabul waren erst am Mittwoch Delegierte aus 26 Ländern für eine Friedenskonferenz angekommen. Sie berieten, wie die afghanische Regierung vor allem mit den radikalislamischen Taliban Frieden schließen könnte. Präsident Aschraf Ghani machte den Taliban ein umfassendes Friedensangebot. In einer ersten Reaktion eines Taliban-Kommentators auf einer Webseite der Gruppe hieß es noch am Abend, dass Ghani einen wichtigen Punkt vergessen habe: Er habe nicht über die Anwesenheit der internationalen Truppen im Land gesprochen. Die Taliban hätten aber immer gesagt, dass es keine Gespräche geben könne, solange fremde Truppen in Afghanistan seien.

Der Krieg im Land hat sich seit dem offiziellen Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 stark intensiviert. Die Taliban halten nach unterschiedlichen Schätzungen 13 bis 40 Prozent des Landes. Auch ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) breitet sich aus. Im Januar hatten Taliban und IS in Kabul je zwei schwere Anschläge mit insgesamt rund 150 Toten verübt. Bei einem Überfall der Taliban auf ein Hotel war auch eine deutsche Entwicklungshelferin ums Leben gekommen. (dpa)

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