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Geflüchtete im Sudan.

© Imago/Anadolu Agency/Stringer

Afrika braucht dringend mehr Unterstützung : Hilfsorganisationen schlagen Alarm – wer hört sie?

Millionen wollen den Konflikten auf dem Kontinent entfliehen, aber viele Länder Afrikas können nicht noch mehr Menschen aufnehmen. Das sollte Deutschland zu denken geben.

Stephan-Andreas Casdorff
Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

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Die deutsche Entwicklungshilfe soll sich in Zukunft stärker auf Themen und Länder konzentrieren, sagt die zuständige Ministerin Reem Alabali Radovan. Na dann – hier kommt ein besonders wichtiges Thema: mehr Hilfe für die Helfenden in Afrika, um neuen Fluchtbewegungen entgegenzuwirken.

Das Welternährungsprogramm und das UN-Flüchtlingshilfswerk schlagen Alarm, sie benötigen dringend (mehr) Geld.

Die ohnehin schon erschreckende Lage von Millionen von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen in afrikanischen Ländern könnte sich sogar noch einmal verschärfen, und zwar, wenn sich etliche die grundlegende Unterstützung zum Überleben – Nahrung, Schutz und Unterbringung – nicht mehr leisten können.

Das ist nicht weit hergeholt. Mehr als ein Drittel der weltweit 117 Millionen Geflüchteten und Binnenvertriebenen lebt in Afrika. Konflikte zwingen Hunderttausende zur Flucht – und das dann oft in Nachbarländer, die selbst unter Hunger und Instabilität leiden.

Wenn die Nahrung für Geflüchtete fehlt

Einige Beispiele der Hilfsorganisationen: Ins bitterarme Burundi sind gerade noch einmal 90.000 Zufluchtsuchende aus der Demokratischen Republik Kongo gekommen; die knappen Mittel werden gestreckt, Nahrungsmittelrationen reduziert. Im Tschad kommen 200.000 sudanesische Flüchtlinge nicht aus dem Grenzgebiet heraus, sind ohne Zelte und ohne ausreichende Mengen an sauberem Trinkwasser. In Uganda musste die Nahrungsmittelhilfe für eine Million Geflüchtete eingestellt werden, in Äthiopien droht das demnächst.

Die Mittel für die humanitäre Hilfe, auch aus Deutschland, sinken allerdings. Dabei unterstützt das Welternährungsprogramm gut sechs Millionen Menschen in mehr als 20 afrikanischen Ländern. Die Finanzierungslücken sind jedoch enorm: In einigen dieser Länder fehlen über 80 Prozent der Mittel, in allen Einsatzländern wurden Rationen gekürzt oder Programme der Ernährungshilfe gestrichen.

Katharina Thote, UNHCR-Vertreterin in Berlin, sagt dazu: „Dieses Jahr wird entscheidend für unsere Arbeit. Wir benötigen dringend Mittel, um Leben retten zu können, aber auch, um längerfristige Perspektiven zu bieten.“ Will heißen: Angst vor einer Destabilisierung des Kontinents geht um.

Grund genug für den Appell an die Bundesregierung, das Geld für die Flüchtlingsversorgung zu erhöhen. Eine Milliarde Euro ist nicht zu viel. Die Kosten für Deutschland und Europa könnten in jeder Hinsicht noch erheblich höher werden.

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