Angegriffen, beschimpft, bedroht : So kämpft ZDF-Wettermoderator Özden Terli gegen die Klimaleugner

Der ZDF-Wetterexperte Özden Terli versucht im täglichen Wetterbericht, Fakten über die Klimakrise zu vermitteln. Dafür wird er von Zuschauern massiv angefeindet.

Özden Terli will den ZDF-Zuschauern klarmachen, dass das Wettergeschehen nicht mehr vom Klimawandel zu trennen ist.
Özden Terli will den ZDF-Zuschauern klarmachen, dass das Wettergeschehen nicht mehr vom Klimawandel zu trennen ist.Foto: Armin Lehmann

Özden Terli ist jetzt nicht mehr zu sehen. Die Zugspitze, vor der er gerade noch gestanden hat, zerbröselt; eine Gerölllawine rutscht ins Tal. Der Permafrost verschwindet nicht nur in der Arktis, sondern auch in den Alpen und damit der Klebstoff, der Berge zusammenhält. Das kann für den Menschen böse Folgen haben.

Dem Wetterfrontmann des ZDF, der nach dem „Heute Journal“ seine Auftritte hat, ist aber nichts passiert. Er steht in einem Fernsehstudio, und der auseinanderfallende Berg ist nur animiert.

Als er für die Fernsehzuschauer wieder ins Bild tritt, ist der Animationsspuk verschwunden, den sich das ZDF aus Anlass von 200 Jahren Erstbesteigung der Zugspitze ausgedacht hat. Terli spricht nun vor der bekannten Wetterkarte mit den Sonnen-, Wolken- oder Regenzeichen.

Fiktion ist das Ganze nicht. Es ist Volkshochschule, die Terli immer häufiger veranstaltet; und der Versuch, die globale Klimakrise möglichst häufig in Millionen Wohnzimmern der Republik zu verankern.

Denn dort vor den Bildschirmen und anderswo sind noch viele skeptisch. Viele leugnen die Klimakrise oder wollen nichts davon wissen, dass sie Folgen hat.

Terli bekommt eher selten öffentliche Anerkennung nach einer Sendung, es vollzieht sich ein anderes Ritual. Er wird scharf angegriffen. Terli sagt: „Ich zeige eine Grafik oder Animation und werde als politischer Aktivist beschimpft.“

Das Bild zeigt eindrucksvoll, dass seit der Industrialisierung die mittlere Erwärmung (rote Linie) dramatisch gestiegen ist.
Das Bild zeigt eindrucksvoll, dass seit der Industrialisierung die mittlere Erwärmung (rote Linie) dramatisch gestiegen ist.Grafik/Bild: Fabian Bartel

Die Briefe, die teilweise bis zum Rundfunkrat gehen, Mails, Kommentare, haufenweise Tweets, haben es in sich: Er verbreite „Falschinformationen“ und „Propaganda“, sei ein „Scharlatan“, das ZDF sei „politisch gesteuert“. Kurzum: Terli lügt.

An diesem Tag im August sitzt er in seinem Büro im ZDF in Mainz und schaut aus dem breiten Fenster hinaus auf den grünen Taunus. Hier außerhalb des Studios in Jeans und engem T-Shirt sieht er sehr jung aus. Dabei ist er 49 Jahre alt und Familienvater, hat sich aber einen jugendlichen Elan bewahrt, ebenso Eifer und Emotionalität, die immer wieder durchbricht.

Der Klimawandel polarisiert wie die Flüchtlingskrise oder Corona

Er kennt die Folgen: „Sowie ich emotional werde, werde ich erst recht als Aktivist abgestempelt.“

Er sagt, er berufe sich immer auf aktuelle Forschung, auf Fakten, er sichere alles vorher ab, telefoniere mit Experten. Hört man ihm in den Sendungen zu, fällt auf, dass er bemüht ist, im neutralen Tonfall zu sprechen; nur nicht die Stimme heben, das könnte unsachlich wirken.

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Der Klimawandel polarisiert so stark wie die Flüchtlingskrise oder Corona. Weltweit werden seriöse Wissenschaftler von Klimaleugnern diskreditiert, verunglimpft, bedroht. Auch viele prominente Klimaaktivisten, wie die Schwedin Greta Thunberg oder Luisa Neubauer, Sprecherin der Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland, werden mit sexistischen und beleidigenden Kommentaren verfolgt. „Das bremst den Kampf gegen den Klimawandel oder macht ihn noch aussichtsloser“, sagt Terli.

Dabei hat sich die Weltgemeinschaft 2015 auf der Pariser Klimakonferenz eigentlich auf konkrete Ziele geeinigt: Begrenzung der Erwärmung auf deutlich unter zwei, möglichst 1,5 Grad; Umlenken aller Finanzströme, um sie mit diesen Klimazielen kompatibel zu machen.

Alle fünf Jahre müssen diese Ziele je Staat neu justiert werden und sollen die alten übertreffen. Die Forscher haben immer mehr Fakten geliefert, wie der menschengemachte Klimawandel wirkt – „doch faktisch ist weltweit betrachtet viel zu wenig geschehen“, sagt Özden Terli frustriert.

Auch Luisa Neubauer (l.) von Fridays for Future und die schwedische Aktivistin Greta Thunberg werden offen angefeindet.
Auch Luisa Neubauer (l.) von Fridays for Future und die schwedische Aktivistin Greta Thunberg werden offen angefeindet.Foto: ChristianxDitsch/imago images/epd

An diesem Donnerstag im August ist es stürmisch, und Terli hat schon tags zuvor überlegt, im Wetterbericht darauf aufmerksam zu machen, dass der Wind, wenn er in die noch voll belaubten Bäume fährt, sehr gefährlich ist. Und zwar auch deshalb, weil die Bäume aufgrund der Erwärmung geschwächt seien. Auch hier denkt er in Zusammenhängen, die er den Zuschauern nahebringen will.

Seine Wut kann man auf Twitter nachlesen

Draußen vor der Bürotür wartet der Kameramann, er muss raus aufs Dach, um eine Sturmeinschätzung für das Mittagsmagazin aufzunehmen. Das riesige Mikro flattert im Wind. Er hat nur wenige Sekunden, das ist jetzt Routine, Zeit für den Hinweis auf die Erderwärmung bleibt nicht.

Weniger routiniert reagiert Terli, wenn die Kamera aus ist. Seine Wut muss dann irgendwie heraus, er twittert zum Beispiel: „Anstatt sich mit der ‚Lösung der Klimakrise' zu beschäftigen und das müssten wir massiv, wirklich massiv… werden weiterhin Diskussion angefacht, die inhaltlos, banal und unter der Gürtellinie landen. DAS. GEHT. SO. NICHT.“

Özden Terli im Studio, in der Sendung ist der grüne Hintergrund animiert mit den Wettergrafiken und Karten.
Özden Terli im Studio, in der Sendung ist der grüne Hintergrund animiert mit den Wettergrafiken und Karten.Foto: Armin Lehmann

Terli liebt die Wissenschaft, das Forschen, beides hat ihn letztlich dazu gemacht, was er nun sein darf: Ein Experte, dem viele Menschen aufgrund seiner Position vertrauen.

Es war nicht absehbar, dass der Realschüler eines Tages im Fernsehen landen würde, als Diplom-Meteorologe und Moderator. Özden Terli hatte mit 17 Jahren keine Lust mehr auf Schule. Er macht eine Ausbildung zum Fernmeldeanlagenelektroniker, später holt er das Abitur nach, studiert nach weiteren Umwegen Meteorologie, bis er erst bei Pro7/Sat1 landet und schließlich vom ZDF als neuer Wetterfrontmann gecastet wird.

Özden Terli in seinem Büro im ZDF in Mainz.
Özden Terli in seinem Büro im ZDF in Mainz.Foto: Armin Lehmann

Zuvor, beim Alfred-Wegener-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, bekommt er die Chance auf eine aufregende Diplomarbeit. Er darf mit dem Forschungsschiff Polarstern bis ins südliche Afrika fahren und unter anderem den Flug des Wüstensands und seine Auswirkungen aufs Klima erforschen. Vorher muss er dafür mit Kollegen eigenhändig einen Laser bauen, um Wolken zu vermessen.

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Auf dem Schiff muss er bei Seegang einen Widerstand an die Platine löte, weil der Laser sonst nicht funktioniert. Wenn er davon erzählt, sieht er so aus, als wolle er sofort wieder raus und forschen, welche Zukunft die Erde haben kann. Er fürchtet, dass die Welt bald für den Menschen nicht mehr funktioniert.

Er will in die Wohnzimmer hineinmoderieren, um aufzuklären

Manchmal, sagt er, mache ihn dieser Gedanken depressiv. Dann wiederum steigt sein Antrieb, um aufzuklären, wachzurütteln, in die Wohnzimmer hinein zu moderieren. Aber es gibt eben die, die etwas dagegen haben.

Die Coronapandemie und der Lockdown mit seinen schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen verdecken, dass die Lobby der Klimawandelleugner gut organisiert ist. In den USA ist mit Donald Trump ein Klimaleugner Präsident geworden – und hat das Pariser Klimaabkommen gekündigt.

In Deutschland und Europa bilden die Klimawandelleugner große Schnittmengen mit anderen Gruppen: Rassisten, Sexisten, Islamophoben, Homophoben, Flüchtlingsgegnern, Verschwörungstheoretikern.

Daniel Freiherr von Lützow von der AfD sagt, dass das Thema Klima für die Partei besonders wichtig sei.
Daniel Freiherr von Lützow von der AfD sagt, dass das Thema Klima für die Partei besonders wichtig sei.Foto: Soeren Stache/dpa

Die AfD ist in Deutschland die Partei, die dieses Potenzial für sich vereinnahmen will. Corona und die internen Machtkämpfe lenken davon ab, dass die Partei den Kampf gegen den Klimaschutz längst zu einem strategischen Ziel erklärt hat.

Ihr Ehrenvorsitzender Alexander Gauland formulierte es im September 2019 so: „Die Kritik an der sogenannten Klimaschutzpolitik ist nach dem Euro und der Zuwanderung das dritte große Thema für die AfD.“

Auf der Großdemonstration gegen die Corona-Politik am vergangenen Samstag in Berlin ist die AfD massiv präsent. Einer der auch dabei ist, ist Daniel Freiherr von Lützow, Chefstratege für Kommunalpolitik in Brandenburg, Mitglied des Landtags und Parteivize, er sagt: „Klimapolitik ist für uns sehr wichtig. Auch da geht es um unsere Freiheit, die massiv eingeschränkt wird. Wir sind da trotz Corona sehr aktiv.“

Vertreter der AfD leugnen den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel.
Vertreter der AfD leugnen den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel.Foto: picture alliance/dpa

Die Partei organisiert Motorraddemos, Proteste für Dieselfahrzeuge und kapert vor allem erfolgreich Bürgerinitiativen gegen Windräder. Die extra gedrehten Videos über die Version der AfD zum Klimawandel sind professionell gemacht und werden von Hunderttausenden angeklickt. Die Vertreter der AfD leugnen den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel und halten ihn, wie es Gauland ausdrückt, „für politische Panikmache“.

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Die Bundestagsfraktion selbst, aber auch das der AfD sehr nahestehende Europäische Institut für Klima und Energie, Eike, organisiert regelmäßig Klimakonferenzen, auf denen Klimaleugner ihre Thesen vertreten. Eine lautet, kosmische Strahlung verursacht den Klimawandel, eine andere, das Ende der Erwärmung sei bereits erreicht.

Klimaforscher bekommen Morddrohungen

Eike verspottet das renommierte Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, PIK, als „Institut für Klimaforschungsfolgen“ und denunziert es als „obersten Klimapaniker“. Auch Özden Terli kommt immer wieder auf den Seiten vor – als Lügner.

Ein bekannter Klimaleugner, der auch auf dem Eike-Blog schreibt, hält es für eine gute Idee, Gewalt gegen den Gründer des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, anzuwenden.

Hans Joachim Schellnuber ist einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt.
Hans Joachim Schellnuber ist einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt.Foto: Armin Lehmann

Der Oslo-Attentäter Breivik hat in seinem Manifest bekannte Klimaleugnertheorien aufgenommen.

In den USA musste der Klimaforscher und ehemalige Leiter des Klimainstituts der NASA, James E. Hansen, Vorträge unter Polizeischutz abhalten. Auch sein Kollege Michael Mann und dessen Familie erhielten mehrfach Morddrohungen.
Zoom-Anruf bei Stefan Rahmstorf. Er sitzt am Schreibtisch, als Hintergrundbild hat er eine Landschaft auf Island gewählt.

Er gehört zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern auf seinem Gebiet, ist Klima- und Meeresforscher und leitet die Abteilung Erdsystemanalyse am PIK. Seit 2000 ist er Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam.

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Zeit seines Berufslebens musste er sich mit Angriffen und Klimaleugnern auseinandersetzen. Als er in Neuseeland studiert, wo er 1990 promoviert wird, erscheint 1988 der erste große Text, der den menschengemachten Klimawandel als bewiesen ansieht: Angekündigt auf dem Titel der New York Times. Damals war, wie Rahmstorf sich erinnert, selbst die Fachwelt noch skeptisch.

Das hat sich längst geändert, mehr als 99 Prozent aller Klimaforscher, zitiert Rahmstorf Studien, seien sich einig. Trotzdem muss er bis heute immer und immer wieder Klimalügen und Verschwörungstheorien begegnen.

Er macht es mit großer Akribie, auf Twitter, in eigenen Blogs oder auch in Beiträgen für die „Zeit“ oder den „Spiegel“ – seine Begründung: „Klimaleugner sind so gefährlich, weil es ihnen gelingt, mit falschen Behauptungen Zweifel zu sähen und dringende Entscheidungen für den Klimaschutz immer wieder hinauszuzögern.“

Stefan Rahmstorf sagt: „Die meisten Politiker haben nicht verstanden, wie gefährlich die globale Erwärmung ist.“
Stefan Rahmstorf sagt: „Die meisten Politiker haben nicht verstanden, wie gefährlich die globale Erwärmung ist.“Foto: picture alliance / dpa

Es gibt pro Jahr rund 20.000 Fachartikel zum Thema. Aber im Alltag ist das Unwissen oder der Unwille, etwas wissen zu wollen, groß. Rahmstorf stolpert ständig über solche Dinge, etwa, wenn ihm in der Schule ein Kind der 6. Klasse sagt, der Wald brenne nur, weil die Grünen das Abbrennen von Brennholz verhindert hätten.

Dem Youtube-Journalisten Thilo Jung hat Rahmstorf gesagt, dass er oft über das Unwissen von Politikern „erschüttert“ sei: „Die meisten Politiker haben nicht verstanden, wie gefährlich und dringend die globale Erwärmung ist.“

Über Özden Terli sagt Rahmstorf: „Was er macht, ist sehr wichtig. Das Wettergeschehen ist von der Klimaveränderung nicht mehr zu trennen, also zeigt er den Kontext zu Wettereignissen auf.“

Über die Angriffe und Drohungen gegen ihn und seine Familie will Rahmstorf nicht mehr reden. Es sei ihm davon abgeraten worden. Ähnlich antwortet Özden Terli in Mainz.

Es gibt bereits dauerhafte Folgen, sagt Özden Terli.
Es gibt bereits dauerhafte Folgen, sagt Özden Terli.Foto: Armin Lehmann

Dort ist seine Kurzanalyse für das Mittagsmagazin auf dem Dach bei heftigem Wind nun abgedreht, und er sitzt jetzt wieder im Büro. Hurrikan „Laura“ über dem Atlantik macht ihm noch mehr Sorgen als der Sturm in Deutschland, denn die Temperaturen des Atlantiks im Entstehungsgebiet der Hurrikane sind wegen des Treibhauseffekts gestiegen. Hurrikane lieben warmes Wasser, es macht sie stärker und gefährlicher.

Am Jetstream kann man gut die neue Gefahr studieren

Ein paar Tage zuvor haben Experten des Deutschen Wetterdienstes getwittert, dass „aktuelle Auswertungen zum ozeanischen Wärmegehalt“ vorliegen: Der Zeitraum April bis Juni war 2020 gemeinsam mit 2019 die wärmste April-Juni-Periode des Auswertungszeitraums seit 1955. Terli sagt: „Es gibt leider bereits dauerhafte Folgen. Was da draußen passiert, ist die Veränderung.“

Auf seinem Computer zeigt Terli auf den Jetstream, der sich grafisch betrachtet als grün animierte Schlange um die Erdkugel windet.

Normalerweise müsste dieses Starkwindband relativ gleichmäßig um die Erde herum wehen, denn es wird durch den Temperaturunterschied zwischen der kalten Arktis und dem Äquator angetrieben. Doch die Erderwärmung schwächt den Jetstream. Das wiederum hat Folgen: Wetterlagen, also Hoch- und Tiefdruckgebiete, werden eingefroren wie etwa 2018, als es zu Rekordtemperaturen kam.

Der Ton der Tweets von Terli oder auch Rahmstorf muss nicht alarmistisch sein, der Stoff, den sie beschreiben, ist es. Es sind tägliche Alarmsirenen, die per Tweet ins Nirwana schrillen; und aus der Dynamik der vielen Fakten entsteht dann bei vielen Menschen – Angst. Angst, dass das alles unlösbar sein könnte.

Fragt man Terli, ob lautes Dauerwarnen der richtige Weg sei, antwortet er: „Ich weiß, dass das Angst macht“, sagt Terli. "Aber wie sollen wir es sonst ausdrücken als mit Fakten."

Psychologisch ist der Klimawandel für den Menschen schwierig

Tatsächlich ist Angst in der Evolution des Menschen ein wichtiger Faktor – auch ein überlebenswichtiger. Unser Gehirn wie unsere Sinnesorgane sind ursprünglich eben nicht zum Erkennen der Welt, sondern zum Überleben entwickelt worden.

Werden allerdings die aktuellen Bedingungen zu komplex, also unvorstellbar, funktionieren wir quasi verkehrt herum: Wir ignorieren – aus einem Schutzimpuls heraus und aus Angst –, dass uns eine unaushaltbare Situation erwarten könnte.

Wie der Klimawandel: zu abstrakt, zu komplex, – noch – zu wenig nachfühlbar. Arno Deister, Verhaltenspsychologe und Chefarzt des Zentrums für psychosoziale Medizin am Klinikum Itzehoe, sagt: "Das Problem ist, dass das Lernen nur funktioniert, wenn es kurzfristig eine Rückmeldung zum ‚Erfolg' gibt, wenn der Betroffene den Erfolg sieht.

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Einmal ist Terli sich nicht sicher, ob noch Zeit bleibt für Rücksichtsnahmen auf unsere Psyche. Bestärkt in seiner Sorge wird er durch irritierende Erfahrungen, die er, ähnlich wie Rahmstorf, in der Politik macht.

Einmal ist er eingeladen bei einem CDU-Landesverband. Er soll einen Vortrag halten. Als er fordert, es müsse endlich konsequent gehandelt werden, schaut er in betretende Gesichter.

Eine CDU-Spitzenpolitikerin, erfahren im Ministeramt, versucht eine Gegenrede: Es sei auch schon vieles besser, schließlich könne sie heute wieder im Rhein schwimmen. Dann hält sie ihm einen Mitgliedsantrag hin. Terli ist entgeistert.

Bevor er an diesem Tag in die Aufzeichnung seiner Wettersendung muss, sagt er: „Es wird eine Ökodiktatur geben, wenn wir nicht handeln.“ Er spielt auf keine Partei an, auch nicht auf revolutionäre Zellen, die den Umsturz planen. Er meint die Natur – die uns diese Diktatur aufzwingen wird.

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