• Anschlag auf Muslime in Neuseeland: Europa verstärkt Kontrollen zum Schutz muslimischer Einrichtungen

Anschlag auf Muslime in Neuseeland : Europa verstärkt Kontrollen zum Schutz muslimischer Einrichtungen

Nach dem Anschlag von Christchurch wächst auch in Deutschland die Sorge vor gewalttätigen Reaktionen.

Ein Polizist steht in London gegenüber der Finsbury Park Moschee.
Ein Polizist steht in London gegenüber der Finsbury Park Moschee.Foto: Yui Mok/dpa

Nach dem Angriff des Australiers Brenton Tarrant auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch wächst die Sorge vor gewaltsamen Reaktionen in Deutschland und weiteren europäischen Staaten. „Das Aufschaukeln zwischen Rechtsextremisten und Islamisten“ könnte jetzt noch stärker werden, sagte am Sonnabend ein hochrangiger deutscher Sicherheitsexperte dem Tagesspiegel. Er warnte vor Nachahmertaten von Islamhassern und Racheaktionen radikalisierter Muslime.

Der französische Innenminister Christophe Castaner hatte bereits am Freitag Kontrollen nahe islamischer Einrichtungen angekündigt. Der Chef der britischen Terrorabwehr, Neil Basu, erklärte, es werde im ganzen Land verstärkt Polizeistreifen im Umkreis von Moscheen geben. Zudem würden sämtliche Glaubensrichtungen darauf hingewiesen, wie sie ihre Mitglieder und Einrichtungen schützen könnten. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte in einem Erlass alle Polizeidienststellen zu besonderer Wachsamkeit aufgefordert. In Nordrhein-Westfalen gibt es 850 Moscheen.

Nach der Verhaftung eine rechtsextreme Geste

FDP-Chef Christian Lindner sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, „der Anschlag von Christchurch ist eine Angriff auf die Idee der offenen Gesellschaft, in der alle Religionen ihren Platz haben. Mit Hass und Gewalt dürfen wir uns nicht abfinden, egal aus welcher Richtung sie kommen. Unsere Gedanken gelten den Opfern und Angehörigen.“

Tarrant hatte am Freitag in der Stadt Christchurch mit Schusswaffen die Al-Nur-Moschee und die Linwood-Moschee attackiert. Der Rechtsextremist erschoss 49 Muslime, weitere 39 wurden verletzt. Die Opfer stammen aus Pakistan, Jordanien, Saudi-Arabien und weiteren Ländern. Die Polizei konnte den 28-jährigen Rechtsextremisten nach dem Angriff auf das zweite Gotteshaus stellen. Tarrant war in seinem Fahrzeug unterwegs und wollte offenbar weitere Anschläge verüben. Als der Attentäter dem Haftrichter vorgeführt wurde, zeigte er mit einer Hand eine rechtsextreme Geste, die „White Power“ bedeuten soll. Vor seiner Bluttat war Tarrant den Behörden offenbar nicht aufgefallen. Er selbst berichtet, er sei er als Arbeiterkind im kleinen australischen Ort Grafton im Osten des australischen Bundesstaats New South Wales aufgewachsen. Seine Kindheit und Jugend sei "normal" verlaufen, "ohne Probleme". Nur knapp schaffte er demnach den Oberschulabschluss. Tarrant ließ sich zum Fitnesstrainer ausbilden und begann 2009 einen Job in einem örtlichen Fitness-Center. Medienberichten zufolge starb Tarrants Vater 2010 an Krebs. Seine Mutter und eine Schwester sollen hingegen bis heute in Grafton leben.
Die Besitzerin des Fitness-Centers, Tracey Gray, beschreibt Tarrant als hart arbeitenden Angestellten. Nach seinen Reisen, die ihn offenbar bis nach Pakistan und Nordkorea führten, sei er ein anderer Mensch gewesen: "Während der vielen Jahre, die er im Ausland verbrachte, muss sich etwas in ihm verändert haben", sagte Gray dem australischen Rundfunksender ABC. "Irgendetwas muss ihn nicht mehr losgelassen haben, Erlebnisse vielleicht, oder eine Gruppe".

Attentäter war nicht im Visier der Nachrichtendienste

Ungefähr zehn Minuten vor der Tat hatte der Australier sein „Manifest“ zum Anschlag dem Büro von Neuseelands Premierministerin Jacinda Arderns und weiteren mehr als 70 Empfängern gemailt. In dem Manifest mit dem Titel „The Great Replacement“ (Der große Austausch) beschreibt Tarrant seine Motive. Es habe keine Möglichkeit gegeben, den Mann aufzuhalten, sagte ein Sprecher der Premierministerin am Sonnabend der Zeitung „New Zealand Herald“.

Arderns kritisierte, dass Tarrant trotz seiner extremistischen Ansichten nicht im Visier der Nachrichtendienste war. Die Politikerin kündigte zudem eine Verschärfung der Waffengesetze an. Tarrant hatte im November 2017 einen Waffenschein erhalten. Bei dem Anschlag soll er fünf Waffen eingesetzt haben, darunter zwei halbautomatische Gewehre.

2017 durch Westeuropa gereist

In seinem Facebook-Profil, das inzwischen gelöscht wurde, soll Tarrant auch einen Text der „Deutschen Welle“ über rechtsextreme Soldaten in der Bundeswehr verlinkt haben. Sicherheitskreise sagen allerdings, bislang sei nichts über Kontakte Tarrants zur deutschen Szene bekannt. Der Australier schrieb in seinem Manifest, er sei 2017 durch Westeuropa gereist und auf die Idee gekommen, einen Anschlag zu verüben. (mit AFP)

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