Anschlagspläne des Rechtsextremisten : Mutmaßlicher Lübcke-Mörder spähte Synagoge aus

Ermittler finden laut „Spiegel“ einen USB-Stick mit Dateien über potenzielle Anschlagsziele. Auch Anleitungen zum Bombenbau hatte Stephan Ernst dort gespeichert.

Stephan E., Tatverdächtiger im Fall Lübcke, im Juli 2019. 
Stephan E., Tatverdächtiger im Fall Lübcke, im Juli 2019. Foto: Uli Deck/dpa

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten und CDU-Politikers Walter Lübcke hat bereits früher Anschlagspläne geschmiedet

Wie das Magazin „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, soll Stephan Ernst nach Erkenntnissen der Ermittler vor mehr als zehn Jahren die Synagoge in Kassel ausgespäht haben. 

Er habe festgehalten, wann besonders viele Gäste zugegen waren, und habe vermerkt, dass an einem bestimmten Tag Jugendliche aus der Synagoge kamen. Die Notizen fanden sich laut Bericht auf einem USB-Stick, der in Ernsts Keller versteckt war.

Auf dem Stick hatte Ernst laut „Spiegel“ außerdem Dossiers über vermeintliche Feinde angelegt, darunter örtliche Politiker von SPD, Grünen und PDS sowie Mitglieder der jüdischen Gemeinde Kassels. Der Rechtsextremist hatte ihre Namen, Kfz-Kennzeichen, Telefonnummern sowie Adressen gespeichert und Zeitungsartikel über sie archiviert.

Etwa 60 Namen und Institutionen fanden sich in den Aufzeichnungen. Die meisten Einträge sollen aus den Jahren 2001 bis 2007 stammen. Die hessische Polizei hat dem Bericht zufolge alle Betroffenen inzwischen vorsorglich informiert und die Kontrollen an der Kasseler Synagoge erhöht. 

Ernst nimmt Bezug auf Einheiten der SS

„Auch wenn die Liste schon alt ist, können wir nicht wissen, ob sie bei anderen Extremisten noch kursiert“, sagt Ilana Katz, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

In Ernsts Daten entdeckten die Fahnder auch Anleitungen zum Bau von Bomben sowie Texte, die sich mit dem Untergrundkampf beschäftigen, nach dem Vorbild der sogenannten Werwolf-Einheiten der SS. „Alles, was der Vernichtung der Feinde dient, ist gut“, notierte Ernst. 

Als Terrorziele kämen Beamte, Stadtratsmitglieder und Bürgermeister infrage.

In Kürze wird der Generalbundesanwalt Anklage gegen Ernst erheben. Der Tatverdächtige wird sich voraussichtlich wegen des Lübcke-Mords und eines versuchten Mordes an einem irakischen Flüchtling im Jahr 2016 verantworten müssen. (KNA)

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