Blackout in Südamerika : „Das kann überall passieren“

Der österreichische Autor Marc Elsberg über die Möglichkeit eines flächendeckenden Stromausfalls in Deutschland - und ab wann es wirklich gefährlich wird.

Felix Wadewitz
Der Autor Marc Elsberg hat sich für einen Thriller mit der Problematik riesiger Stromausfälle beschäftigt.
Der Autor Marc Elsberg hat sich für einen Thriller mit der Problematik riesiger Stromausfälle beschäftigt.Foto: Clemens Lechner/Blanvalet Verlag/dpa/picture alliance

Marc Elsberg (52) ist ein österreichischer Autor. Sein Thriller „Blackout“ über einen flächendeckenden Stromausfall in Europa nach einem Cyber-Angriff verknüpft Fakten mit Fiktion.

In Argentinien und Uruguay waren knapp 48 Millionen Menschen von einem flächendeckendem Stromausfall betroffen. Drohen so dramatische Blackouts auch in Deutschland?

So etwas kann jederzeit passieren und zwar überall. Das ganze Energiesystem ist durch die digitale Vernetzung und die steigende Komplexität etwa durch die Energiewende labiler als früher, so dass kleine Störfälle schon ausreichen, um einen Dominoeffekt auszulösen.

Wir unterschätzen also die Gefahr?

Zumindest häufen sich die Situationen, in denen es eng wird. Die Anfälligkeit der Stromnetze für Schocks und extreme Schwankungen ist uns kaum bewusst. Als in Norddeutschland vor einigen Jahren mal eine Hochspannungsleitung abgeschaltet wurde, löste das eine Kettenreaktion aus. In halb Europa gingen Lichter aus, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Teilen Spaniens, Italiens, Belgiens und Frankreichs, weil die Netze alle miteinander verbunden sind.

Sind das nicht seltene Ausnahmen?

Sicher, die meisten Stromausfälle, die wir tagtäglich erleben, sind auch kein Problem, da sie nur wenige Minuten dauern und lokal begrenzt sind. Ich fürchte nur, dass wir in Mitteleuropa auf anhaltende und flächendeckende Stromausfälle wie in Südamerika schlechter vorbereitet sind als die gerade betroffenen Länder.

Wieso?

Auf dem Land in Uruguay sind die Leute Stromausfälle noch gewohnt, in vielen Dörfern gibt es Notstromaggregate. Da bricht dann das Leben nicht gleich zusammen. Gerade, weil wir solche Situationen nicht kennen, sind wir anfälliger – denken Sie nur an Ihr Smartphone. Sobald der Akku alle ist, haben Sie ein Problem.

Was wären die Folgen längerer Blackouts?

Alles unter 24 Stunden ist zur Not bewältigbar. Wenn es länger dauert, wird es kritisch. Ohne Strom können Kommunikationsnetze zusammenbrechen und funktionieren zum Beispiel die Pumpen von Tankstellen nicht mehr, sodass dann die Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten schwierig wird. Und es droht eine Kontamination des Trinkwassers, wenn riesige Anlagen ausfallen, die etwa im Ruhrgebiet permanent Abermillionen Liter Wasser aus stillgelegten Schächten pumpen.

Haben Sie ein Notstromaggregat zu Hause?

Nein, das wäre übertrieben. Ich halte mich aber an die Empfehlungen der Behörden für den Katastrophenschutz und habe stets Lebensmittel für zwei Wochen daheim, dazu Taschenlampen und Streichhölzer. Nur für den Fall der Fälle.

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