Bundeswehrreklame "Gas, Wasser, Schießen" : Was sind das für Typen, die das genehmigen?

"Job Fort?" war schon, jetzt "Gas, Wasser, Schießen". Und wieder sind alle sauer. Wenn die Bundeswehr Leute sucht, dann kennt sie keine Gnade. Eine Glosse.

Das Plakat des Anstoßes.
Das Plakat des Anstoßes.Foto: imago images / Arnulf Hettrich

Werber möchte man auch nicht mehr sein. Wo das Publikum früher Witzigkeit bejubelte, ist heute Empörung. Und natürlich ist, wenn in Deutschland das Wort „Gas“ fällt, immer Grund zum Schaudern. Wenn das dann noch im Zusammenhang mit der Bundeswehr steht, dann wackelt das Internet. Und hatte zu allem Überfluss nicht das berühmte CDU-Mitglied Friedrich Merz gerade Teile der Soldatenschaft an die AfD verloren gegeben?

Und nun dies: „Gas, Wasser, Schießen“ heißt die Kampagne, mit der die Bundeswehr Handwerker sucht, unter anderem Sanitärinstallateure, vulgo Klempner, obervulgo Gas-Wasser-Sch... (Sie wissen schon). Die Agentur Castenow hat daraus eine so genannte „Handwerkerkampagne“ gemacht, die furchtbar aufregt – womit das Auftraggeberziel „Auffallen und Botschaft transportieren“ erfüllt wäre.

Eskalieren lässt sich viel, sogar Wasser

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks beklagt, dass die „Abwerbekampagne“ den zivilen Betrieben das Leben erschwere, außerdem sei der flotte Spruch „niveaulos“.

Der Fachverband Sanitär-Heizung- Klima urteilt, die Kampagne sei ein „Schuss in den Ofen“ (Ofen!), was bei den nicht handwerklich gebundenen Kritikern, die sich bei Gas sogleich an Holocaust erinnert fühlten, zu der Ansicht führen könnte, das Sanitärhandwerk habe vielleicht ganz generell ein bisher unterschätztes Geschichtsvergessenheitsproblem. Zu denen zählt unter anderem Karl Lauterbach von der SPD. Seiner Logik folgend wäre „Wasser“ womöglich nur eine schlecht getarnte Menschenverachtungschiffre für „Waterboarding“ – und wer gedanklich erst einmal da angekommen ist (Holocaust, Waterboarding, Erschießen!), der bringt natürlich überhaupt kein Verständnis mehr für die scherzige Kampagne auf.

Die Kampagnen sind gern derb

Und überhaupt: Wenn die Bundeswehr scherzig wird, wird es dann nicht meist grob? Man erinnert sich: „Job Fort? Mach, was wirklich zählt“, stand vor dem Ford-Werk, als dort Kündigungen angekündigt waren. „Jetzt Job fürs Volk wagen!“, als dasselbe in Wolfsburg los war. Total herzlos! Und die Plakate mit bewaffneten Kämpfern in Computerspieloptik vor der Gamescom? Verantwortungslos!

Was sind das für Typen, die die Kampagnen genehmigen? Sollte es am Ende so sein, dass der Frust der „Truppe“ über die ganzen Verweichlichungskuren, die ihr von der Politik angetan wurden (Familientauglichkeit, Frauenförderung) sich in der PR-Abteilung entlädt? Hocken da die wahrhaft Unerschrockenen?

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