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CDU-Vize : Julia Klöckner: "Jeder Macho hat eine Mama"

CDU-Vizechefin Klöckner hält angesichts von Einwanderung und Integration „andere Form von Feminismus" für notwendig.

Til Knipper
CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner ist seit März Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.
CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner ist seit März Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.Foto: Mike Wolff

Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende, warnt im Interview mit dem Tagesspiegel am Sonntag vor Rückschritten für Frauenrechte in Deutschland im Zuge der Einwanderung. „Zuwanderer bringen aus patriarchalisch geprägten Ländern auch ihre Grundhaltung gegenüber Frauen mit. Diese Grundhaltung bezieht sich nicht nur auf Frauen innerhalb der Familien. Das reicht weit in unsere Gesellschaft hinein", sagte Klöckner. „Wir brauchen heute eine andere Form von Feminismus, damit wir keine Rückschritte machen. Vor allem müssen wir im Blick haben, dass auch im Zuge von Einwanderung und der Integration von Flüchtlingen Frauenrechte geschützt werden."

Integration müsse vor allem bei den Frauen ansetzen, so Klöckner: „Der Erfolg der Integration hängt entscheidend von der Rolle der Frau ab. Jeder Macho hat eine Mama jede Generation wird von der vorherigen geprägt."

Klöckner mahnt auch besonders in den Schulen eine klare Haltung an: „Ein Vater kann nicht verlangen, an einem Elternsprechtag nur mit einem Mann zu reden. Wenn wir da nachgeben, ist das nicht kulturelle Sensibilität. Wir fallen so den Frauen in den Rücken, die unter diesen patriarchalischen Strukturen leiden oder die sich versuchen frei zu kämpfen." Sie verlange von eingewanderten Männern nicht, dass sie „von einem Tag auf den anderen mit allem vertraut sind, was uns wichtig ist. Aber ich verlange, dass sie dazu bereit sind, zu akzeptieren, dass Frauen bei uns gleichberechtigt, dass sie auch Respektspersonen und schon gar kein ,Freiwild' sind, nur, weil sie nicht verschleiert sind oder einen kurzen Rock tragen."

Die Sexismus-Debatten der letzten Jahre hingegen sieht Klöckner kritisch. „Es ist ganz wichtig, auf sexuelle Diskriminierung und Übergriffe aufmerksam zu machen", sagte sie. „Wir müssen allerdings aufpassen, dass nicht jeder misslungene Flirtversuch auch ein #Metoo ist oder ein #Aufschrei und dass das mit einer Vergewaltigung gleichgesetzt wird. Sonst hört irgendwann keiner mehr hin, wenn eine Frau in banger Not und Bedrängung ist."

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Julia Klöckner sprach mit dem Tagesspiegel über ihr Buch „Nicht verhandelbar. Integration nur mit Frauenrechten", das am Dienstag, 29. Mai, erscheint. Das vollständige Interview mit ihr lesen Sie am Sonntag im gedruckten Tagesspiegel oder ab Samstagabend im E-Paper.

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