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Pflanzenschutzmittel werden häufig verwendet - dabei sind sie eine große Belastung für die Umwelt.
© Julian Stratenschulte/dpa

Dünger und Pflanzenschutzmittel reduzieren: Darum haben Bauern ihre eigene Klimastrategie erstellt

Der Wunsch nach mehr Klimaschutz ist groß. Aber auch die Bilanz der Landwirte darf nicht vergessen werden. Balance zu halten ist wichtig. Ein Gastbeitrag.

Keine Branche ist so sehr auf Bienen und andere Bestäuber angewiesen wie die Landwirtschaft. Wir wissen, dass wir im Bereich der Artenvielfalt Teil der Lösung sein müssen. Bereits jetzt leisten die Bauern viel, um diese Biodiversität zu fördern: Sie legen beispielsweise Blühflächen an, die nicht nur den Bienen Nahrung bieten und Lerchenfenster, damit die selten gewordenen Bodenbrüter einen sicheren Ort für ihr Gelege finden. Insgesamt werden von Bauern bereits etwa 1,4 Millionen Hektar als ökologische Vorrangflächen bewirtschaftet. Das ist eine Fläche fast so groß wie Schleswig-Holstein.

Als Deutscher Bauernverband haben wir auch eine eigene Klimastrategie erstellt, in der wir uns selbst Emissionsreduktionsziele setzen. In unserer Ackerbaustrategie haben wir uns vorgenommen, Dünger und Pflanzenschutzmittel noch weiter zu reduzieren. Gemeinsam mit dem Naturschutz entwickeln wir, wissenschaftlich begleitet, Möglichkeiten, Naturschutz und Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Bauern und Naturschützer müssen diesen Weg gemeinsam gehen.

Bei allem Wunsch nach mehr Ökologie darf die Ökonomie der landwirtschaftlichen Betriebe nicht vergessen werden. Diese Balance herzustellen, ist eine große Herausforderung. Es muss auch einen gesellschaftlichen Konsens darüber geben, dass am Ende auch die Bilanz des Bauern stimmen muss. Der Umweltschutz darf nicht zum Treiber des Strukturwandels werden. Damit wäre keinem geholfen. Denn man darf nicht vergessen, dass die Hauptaufgabe der Landwirtschaft immer noch die Erzeugung von Lebensmitteln ist. Und noch nie in der Geschichte dieses Landes ist die Landwirtschaft ihrer gesellschaftlichen Aufgabe der sicheren Versorgung aller mit hochwertigen Nahrungsmitteln, die auch günstig und nachhaltig produziert werden, so gut nachgekommen wie heute.

Europäischer Wettbewerb besteht

Die landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich im europäischen und weltweiten Wettbewerb, Getreide wird auf dem Weltmarkt gehandelt. Einseitige, nationale Regelungen oder gar Begrenzungen würden es den deutschen Bauern noch schwerer machen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir plädieren daher für gleiche Regeln für alle landwirtschaftlichen Betriebe in ganz Europa. Artenschutz wird auch durch die digitale Technik unterstützt. Im Pflanzenbau werden die Digitalisierungsfortschritte beispielsweise dazu führen, dass zum einen die Nutzpflanzen bedarfsgerecht gedüngt werden können, um das Wachstum zu fördern.

Zum anderen können Pflanzenschutzmittel künftig in sehr geringen Mengen zielgenau ausgebracht werden. Diese Präzision ist aktiver Verbraucherschutz. Heute leben über sieben Milliarden Menschen auf der Welt, in nur wenigen Jahrzehnten werden es neun oder zehn Milliarden sein. Diese müssen ernährt werden und sie brauchen Lebensraum. Schon heute entziehen wir der Natur jeden Tag etwa 65 Hektar an Fläche für Wohnraum, Gewerbe und Infrastruktur allein in Deutschland. Das ist eine Fläche von über 90 Fußballfeldern pro Tag.

Neue Generation der Landwirte

Arten- und Klimaschutz sind eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Neben der Landwirtschaft kann auch die Gesellschaft ihren Teil zur Artenvielfalt beitragen. Das bedeutet Wildgärten statt Mähroboter und Blumen statt Steingärten oder die Lichtverschmutzung in den Städten zu reduzieren. Aber vor allem muss es eine Bereitschaft geben, den Mehraufwand, den Bauern zweifellos haben, entsprechend zu bezahlen. Die deutsche Landwirtschaft ist bereit, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen und entsprechend zu handeln. Die nächste Generation von Landwirten, die gerade heranwächst, wird zeigen, dass sie ein Gespür für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft hat. Mit neuen Methoden wird es gelingen, erfolgreich zu wirtschaften und gleichzeitig die gesellschaftlichen Anforderungen nach einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu erfüllen.

Joachim Rukwied ist Präsident des Deutschen Bauernverbands.

Joachim Rukwied

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