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Datendiebstahl : Verdächtiger nennt Ärger über Politiker als Motiv für Datenklau

Ein 20-Jähriger aus Mittelhessen gesteht den Datendiebstahl bei Politikern und Prominenten. Der vorläufig Festgenommene will allein gehandelt haben.

Ein Profil bei Twitter, auf dem auf Daten von Politikern verlinkt wird.
Ein Profil bei Twitter, auf dem auf Daten von Politikern verlinkt wird.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Polizei hat den mutmaßlichen Hacker festgenommen, der private Daten von fast 1000 Politikern und weiteren Prominenten veröffentlicht hatte. Der Zugriff sei Sonntagabend im mittelhessischen Homberg (Ohm) erfolgt, sagten Sicherheitskreise am Dienstag dem Tagesspiegel.

Bei dem Täter handelt es sich um einen 20-Jährigen, der inzwischen auch ein weitgehendes Geständnis abgelegt hat. Der Mann sei an seiner Wohnanschrift festgenommen worden, hieß es. Die Räume seien durchsucht worden. Bislang sei offen, ob der Mann dem rechten Spektrum zugeordnet werden kann. Es sei zu vermuten, dass der Täter alleine die gewaltige Menge Daten gesammelt und veröffentlicht hat.

Der Hacker wurde laut einer Pressemitteilung des Bundeskriminalamts (BKA) am Montagabend auf freien Fuß gesetzt. Da der Mann geständig sei und über einen festen Wohnsitz verfüge, gebe es keinen Grund, einen Haftbefehl zu beantragen, sagten Sicherheitskreise. Das BKA gab in einer Pressemitteilung an, dass der Beschuldigte nicht nur alle Vorwürfe eingeräumt hätte, sondern auch "über eigene Straftaten hinaus" Aufklärungshilfe geleistet hätte. Der Mitteilung zufolge hatte der 20-Jährige zuvor einen Computer vor dem Zugang der Ermittler versteckt, ihnen nach seiner Verhaftung aber Hinweise zum Standort gegeben.

"Im Rahmen der Vernehmung gab der Beschuldigte an, bei den Datenausspähungen und den unberechtigten Datenveröffentlichungen allein agiert zu haben. Die Ermittlungen haben bislang keine Hinweise auf eine Beteiligung Dritter ergeben. Zu seiner Motivation gab der Beschuldigte an, aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben", so die Pressemitteilung des BKA.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt führt das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf das Ausspähen von Daten, auf Datenhehlerei und Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Bei solchen Delikten können Geldstrafen oder Haft bis zu drei Jahren verhängt werden. Da der Täter erst 20 Jahre alt sei, werde vermutlich noch Jugendstrafrecht angewandt, sagten Sicherheitskreise. Das ist bei einem Heranwachsenden unter 21 Jahren möglich.

Die Ermittler kamen dem Mann offenbar auch über Hinweise von Netzaktivisten auf die Spur. Am Sonntag hatte die Polizei in Heilbronn die Wohnung eines 19-Jährigen durchsucht, der allerdings als Zeuge gilt. Er hatte offenbar nach dem Bekanntwerden des Datendiebstahls noch mit dem mutmaßlichen Täter gechattet. Dieser gab sich bei Twitter als [email protected] aus.

Regierung will Cybersicherheit verbessern

Das Bundeskriminalamt habe die Festnahme zunächst nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt, da erst geklärt werden musste, ob der Verdächtige tatsächlich für den Datendiebstahl verantwortlich ist und ob er alleine gehandelt hat. Es sei befürchtet worden, dass bei einer frühen Pressemeldung gleich ein Netzaktivist auftauchen werde, „der sich mit Maske als der wahre Täter ausgibt“, sagten Sicherheitskreise. Die Gefahr scheint nun weitgehend gebannt zu sein.

Das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft wollen sich heute um 12 Uhr zu der Festnahme äußern. Bereits zuvor war für 14 Uhr eine Pressekonferenz in Berlin mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zum Ermittlungsstand angekündigt worden.

Am 3. Januar war bekannt geworden, dass die persönlichen Daten hunderter deutscher Politiker und Prominenter im Internet veröffentlich worden waren. Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Account bei Twitter verbreitet. Analysen hätten ergeben, dass vereinzelte kompromittierte Datensätze bereits 2018 wegen Datenmissbrauchs bei der Polizei zur Anzeige gebracht worden seien und sich in den vorliegenden Listen wiederfänden, erklärte das BKA bereits am Montag.

Das Bundesinnenministeriums sprach von 50 bis 60 schweren Fällen sowie rund tausend weiteren, bei denen es nach den bisherigen Erkenntnissen überwiegend um reine Kontaktdaten gehe.

Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern. Dazu soll in den nächsten Monaten unter anderem ein „Cyber-Abwehrzentrum plus“ geschaffen werden. (mit dpa und Reuters)

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