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Die Anti-Atombewegung kämpft bereits seit Jahrzehnten für die Abschaltung der Meiler. Ein Blick zurück auf eine soziale Bewegung.

© dpa

Wendland: Der Countdown für den Atommülltransport läuft

Mindestens 30.000 Menschen, wahrscheinlich mehr, wollen am Samstag in Dannenberg gegen Castortransporte und Atomkraft protestieren. Die Atomgegner befürchten sogar zu viele Demonstranten.

Es ist eine Angst, die Jochen Stay umtreibt. Er habe die Befürchtung, sagte der Sprecher der Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ am Mittwoch, „dass die Demonstration gegen den Castortransport so groß wird, dass gar nicht alle ankommen.“ Viele Menschen würden das Kundgebungsgelände womöglich nicht erreichen, sondern unterwegs im Stau stecken bleiben. Mindestens 30 000 Menschen, wahrscheinlich viel mehr, wollen am Samstag in Dannenberg gegen Castortransporte und Atomkraft protestieren. Eine genaue Prognose der Teilnehmerzahl sei nicht möglich, da niemand wisse, wie viele sich wirklich auf den Weg machten, sagte Stay weiter.

Bis Mittwochmittag war bei den Demo-Organisatoren die Ankunft von rund 260 Bussen aus ganz Deutschland avisiert. „Täglich kommen derzeit etwa zehn weitere Busse dazu. Wir rechnen damit, dass in den letzten Tagen vor der Demonstration die Zahl noch mal sprunghaft ansteigt, weil sich viele Menschen erst sehr kurzfristig um eine Fahrkarte kümmern.“ Die Demonstration ist nur eine von vielen Aktionen, mit denen Atomkraftgegner gegen den aus elf Castoren bestehenden Atommüll- Konvoi protestieren und diesen nach Möglichkeit stoppen wollen. Zahlreiche Gruppen planen Blockaden und Aktionen entlang der Castor-Strecke. Angekündigt sind zudem Laternenumzüge, Fahrraddemonstrationen, Protest-Konzerte und eine „Pferdeprozession“.

Für den Widerstands-Veteranen Stay bemisst sich ein Erfolg der Castorproteste nicht daran, ob der Atommüllkonvoi aus Frankreich lange aufgehalten oder gar zum Umdrehen gezwungen werden kann. „Entscheidend ist vielmehr, dass die Bundesregierung umdreht“, sagte er. Die Zeichen dafür stünden nicht schlecht. Obwohl der Bundestag vor kurzem längere Akw-Laufzeiten beschlossen habe, mache sich bei den Umweltschützern im Wendland keine Resignation, sondern eine „Jetzt-erst-recht“-Stimmung breit.

Das bestätigte auch Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg: „Wir sind sehr gut aufgestellt, wir sind selbstbewusst und wir weichen in unseren Positionen keinen Schritt zurück.“ Rudek kündigte für das Wochenende „sehr kreative, sehr vielfältige“ Protestaktionen an. Von der Initiative „Castor Schottern“, die Schottersteine aus dem Gleisbett der dann nur vom Atommüllzug befahrenen Strecke klauben will, mag sie sich nicht distanzieren. Zwar rufe die Bürgerinitiative nicht zum Schottern auf, es gebe im Wendland „aber viel Sympathie dafür“.

Das Ausbuddeln von Schottersteinen sei eine Straftat und werde als solche „konsequent verfolgt“, sagte dagegen Polizeidirektor Thomas Osterroth von der Bundespolizei. Für Gesamteinsatzleiter Friedrich Niehörster sind neben „Schotterern“ und „Autonomen“ auch „aggressive Clowns, die den Beamten lächerlich machen wollen“ und die Trecker der atomkraftkritischen Landwirte ein Problem: „Traktoren sind Blockademittel und Provokationsmittel gegenüber den Beamten“, sagte er.

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