Die Angst im Kopf : Furcht vor Kriminalität treibt die Menschen um

Die Zahl der Straftaten ist so niedrig wie lange nicht. Trotzdem geht einer Studie zufolge jeder fünfte Deutsche nachts mit einem unguten Gefühl vor die Tür.

Gegenüber 2017 sank die Zahl der polizeibekannten Delikte damit um 3,6 Prozent.
Gegenüber 2017 sank die Zahl der polizeibekannten Delikte damit um 3,6 Prozent.Foto: Janne Kieselbach/dpa

Die Angst der Menschen in Deutschland vor Kriminalität wächst. So fühlten sich 2017 insgesamt 22 Prozent der Bevölkerung nachts in der eigenen Wohngegend unsicher - das waren fünf Prozentpunkte mehr als fünf Jahre zuvor. Dies geht aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht (MPI) und des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Hans-Joachim Grote (CDU) und BKA-Chef Holger Münch stellten die Studie am Dienstag in Berlin vor.

Insbesondere Frauen, Menschen mittleren Alters und Bewohner mittelgroßer Städte sowie Ostdeutsche fühlen sich demnach unsicher. Fast neun Prozent der Menschen halten es für ziemlich oder sehr wahrscheinlich, Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Zugleich ist weniger als ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland nach Angaben Seehofers im Befragungsjahr 2017 Opfer schwerer Straftaten wie Raub, Kfz-Diebstahl oder vollendeter Wohnungseinbruch geworden. „Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt“, sagte er. BKA-Chef Münch bekräftigte: „Bürgerinnen und Bürger werden selten Opfer von Straftaten.“

„Jede Straftat ist natürlich eine zu viel. Aber objektiv ist dies der niedrigste Wert seit Jahrzehnten“, erklärte Seehofer mit Bezug auf die 5,56 Millionen registrierten Straftaten im vergangenen Jahr. Gegenüber 2017 sank die Zahl der polizeibekannten Delikte damit um 3,6 Prozent. Unklar ist allerdings, wie viele Vergehen den Sicherheitsbehörden nicht bekannt sind.

Ein Trend sollte sich nach Darstellung Münchs aber trotzdem ablesen lassen. Das ergebe ein Vergleich der Untersuchungen zum Sicherheitsgefühl und zur Wahrscheinlichkeit, Opfer von Straftaten zu werden, für das Jahr 2017 mit dem Vorläufer aus dem Jahr 2012. Demnach blieb der Anteil der Vergehen, die zur Anzeige gebracht werden, ähnlich hoch. Eine Zu- oder Abnahme der polizeibekannten Verbrechen sollte also Aussagen über den Trend ermöglichen.

Besonders empört zeigte sich Seehofer über die rund 34.000 Delikte, bei denen es um Widerstand gegen oder Angriffe auf die Staatsgewalt geht. Gegenüber 2017 bedeutet das einen Anstieg um fast 40 Prozent. Allerdings fallen seit einer Gesetzesänderung im Mai auch deutlich mehr Straftaten in diese Kategorie, zudem werden hier nun nicht nur Justiz- und Polizeibeamte, sondern auch Rettungskräfte oder Feuerwehrleute erfasst.

Die Zahlen sind also nicht vergleichbar - die neue Methodik ist aus Sicht Seehofers aber realitätsnäher. „Wir können jetzt diese Übergriffe auf Polizei- und Einsatzkräfte genau nachweisen“, sagte der Minister. Manche Angreifer agierten „erschreckend ungehemmt“. (dpa)

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