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Daniel Günther am Tag nach der Landtagswahl bei einer Pressekonferenz in Berlin.
© REUTERS/Michele Tantussi

Triumph in Schleswig-Holstein: Die CDU kann für einen Daniel Günther doppelt dankbar sein

Der CDU-Ministerpräsident kann sich eine Koalition aussuchen. Auch in der Partei sollte er mehr Einfluss bekommen. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

Daniel Günther – von gestern auf heute hat die CDU einen, den sie nicht nur im meerumschlungenen Schleswig-Holstein präsentieren kann, sondern auch darüber hinaus. Wer eine Wahl, noch dazu eine Wiederwahl, so triumphal gewinnt, der rückt in den Fokus.

Zumal der Sieg verbunden ist mit mehr als elf Prozent Zugewinn. Das sagt aus, in welche Lager der Kandidat, pardon, Ministerpräsident, ausgreift: in alle.

So einen braucht die Union, will sie sich auf Bundesebene mit sich und ihren verloren gegangenen Wähler:innen versöhnen. Konservativ, sozial, liberal, war das erfolgreiche Profil über Jahrzehnte – und das bringt Günther mit.

Ja, auch das Konservative, es kommt bloß verbindlich-freundlich daher. Aber in Schleswig-Holstein gewinnt keiner ganz ohne Konservativität.

Günther verkörpert den Aufbruch

Alles das wird Friedrich Merz, der CDU-Chef, wenn er klug ist, einbeziehen in seine Kalkulationen. Denn er allein an der Spitze kann es nicht richten, Merz braucht starke Köpfe, starke Mitstreiter, wenn er die CDU im Bund nicht erst in acht Jahren in die Regierung zurückbringen will. Dafür braucht die Union dann zwingend einen Kandidaten, der Aufbruch verkörpert. Zum Vergleich: Günther ist 48, Merz 66.

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Mitstreiter wiederum ist deshalb ein ganz passender Begriff, weil Günther ausgestattet ist mit einem Sieg, der ihn zu Ansprüchen legitimiert. Nicht zuletzt auch inhaltlichen.

Immerhin bringt Günther inzwischen schon fünf Jahre Erfahrung in einem Jamaika-Bündnis mit, der Koalition mit den Grünen und der FDP. Das herbeizuführen, ist der CDU im Bund zuletzt aus mehrerlei Gründen nicht gelungen, inhaltliche sind auch darunter. Da hat Günther durch seine Amtszeit einen Vorteil, der zugleich ein Vorsprung ist. Das gilt, selbst wenn Hendrik Wüst im industriestärksten Bundesland Nordrhein- Westfalen, Merz’ Heimat, für die CDU gewänne.

Mit wem regiert die CDU in Kiel weiter?

Darum ist die Frage, wer in Kiel mit Günther weiterregieren wird, nicht eben unwichtig. Günther kann es sich aussuchen, ob mit Grünen, Freidemokraten, dem Südschleswigschen Wählerverband, der SPD. Neben der CDU sind die Grünen Wahlsieger, die (dezimierte) FDP ist der Union inhaltlich näher, der SSW wäre eine stark regionale Lösung. Nur die SPD liegt zu sehr am Boden, um dem Land aufzuhelfen.

Bei der Auswahl geht es natürlich um regionale Stabilität und Aufschwungchancen, aber auch um Strahlkraft, gewissermaßen um das Signal von Kiel. Dass Günther am liebsten Jamaika fortsetzen würde, klang bei ihm zwischendurch an. Ob die beiden anderen Partner das auch so sehen? Die Grünen wollen bestimmt mehr Einfluss als bisher und die FDP andersherum nicht an Bedeutung verlieren. Die Auswahl wird schwierig und spannend. Hinzu kommt: Der Demokratie im Land ist eine Opposition zu wünschen, die nicht marginalisiert ist. Das gilt ja durchaus auch im Blick auf den Bund. Weshalb die CDU für einen Daniel Günther doppelt dankbar sein kann.

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