Die rassistische Botschaft verfängt : Donald Trump macht Amerika klein statt groß

Trumps Tiraden gegen nicht-weiße Politikerinnen verfangen wohl nur bei einer Minderheit. Nur: Die Mehrheit muss sich langsam äußern. Ein Kommentar.

Setzt auf Ausgrenzung: US-Präsident Donald Trump bei einer Rallye in Greenville, North Carolina.
Setzt auf Ausgrenzung: US-Präsident Donald Trump bei einer Rallye in Greenville, North Carolina.Foto: imago images/ZUMA Press

An der Südspitze Manhattans wartet die Freiheitsstatue auf die "Müden" und "Armen", die "geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren, die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten", die "Heimatlosen". Wunderbare Worte, ein Versprechen an die Welt, dem Millionen von Menschen seit Jahrhunderten Vertrauen schenken. Doch unter ihrem aus New York stammenden Präsidenten arbeiten die USA daran, dass diese Worte zunehmend hohl klingen.

Donald Trump verspricht ein ums andere Mal, Amerika wieder groß zu machen. Aber er macht das Land immer kleiner. "Send her back" haben seine Anhänger bei der Wahlkampfveranstaltung in Greenville/North Carolina gerufen - unter anderem an die Adresse der demokratischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar, die der US-Präsident zuvor erneut minutenlang attackiert hat. Er will sie als "unamerikanisch" brandmarken. Schickt sie zurück, nur wohin denn?

Vertrieben würde mit Omar nicht nur eine amerikanische Staatsbürgerin muslimischen Glaubens, deren Familie mit ihr, als sie noch ein Kind war, aus Somalia nach Amerika geflüchtet war. Vertrieben würde der amerikanische Traum.

Die Vereinigten Staaten stehen für das Versprechen, aus der Vielfalt eine Einheit zu schaffen. Nicht für das Versprechen, dass alle gleich sein, gleich fühlen oder gar gleich aussehen müssen. Das Land steht für Meinungsfreiheit und religiöse Toleranz, nicht für den Ausschluss von Andersdenkenden. Ja, Omar hat die USA kritisiert, und manche ihrer Äußerungen sind kritikwürdig. Aber damit steht sie nicht alleine. Und: Das hält eine Demokratie nicht nur aus, das macht sie aus.

Doch Greenville zeigt, dass Trumps rassistische Botschaft ankommt. Die Empfänger antworten unüberhörbar und eindeutig: mit Hasstiraden. Trump appelliert erfolgreich an die niedersten Instinkte seiner vorwiegend weißen Wähler. Mit seinen Attacken auf nicht-weiße Kongressabgeordnete macht er die Hautfarbe wieder zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal. Das verspricht nichts Gutes für die kommenden Monate, in denen Trump alles für seine Wiederwahl tun wird. Seine Strategie setzt bewusst auf Ausgrenzung statt darauf, das gespaltene Land wieder zusammenzuführen.

Dafür stimuliert Trump den unterschwelligen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft - und zieht damit Ressentiments an die Oberfläche, die lange öffentlich kaum noch sichtbar waren. Die aus dem Weißen Haus angeführten Angriffe auf Minderheiten sind brandgefährlich, nicht nur für Schwarze oder Muslime. Das zeigt die Reaktion des American Jewish Committee, das sich bei den Szenen in Greenville an dunklere Zeiten erinnert fühlt.

Was machen die Demokraten?

Dabei gibt es guten Grund zu bezweifeln, dass diese Ressentiments in Amerika mehrheitsfähig sind. Nur: Die Mehrheit muss sich dann auch äußern. Sie muss einen Weg finden, das unamerikanische Vorgehen ihres Präsidenten zu stoppen. Viele Demokraten, auch das hat der Mittwoch gezeigt, sind der Meinung, dass das nur geht, wenn man Trump seines Amtes enthebt. Anlässe dafür gibt es wahrlich genug, und mit dem Grad der Empörung wächst auch der Wunsch, das endlich anzugehen.

Aber gibt es auch Aussicht auf Erfolg? Eher nicht, das weiß die ranghöchste Demokratin im Kongress, Nancy Pelosi. Am Mittwoch hat sie den Plan, ein Amtsenthebungsverfahren zu starten, wieder einmal stoppen können. Aber die Zahl der Unterstützer wächst. Pelosi steht unter Druck, auch von Seiten der meisten demokratischen Präsidentschaftsbewerber, die den Wunsch der Basis aufnehmen wollen.

Doch eine Spaltung kann sich die Opposition nicht leisten. Denn auf der anderen Seite vereint der Präsident seine Anhänger hinter sich. Und wie die jüngsten Umfragen zeigen, nicht trotz seiner Tiraden. Sondern wegen.

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