Dürre und Rekordhitze : Gegen den Klimawandel hilft nur noch mehr Technik

Der Mensch hat der Natur mit seiner Versessenheit auf Technik brutal zugesetzt. Nun muss er sie nutzen, um sie und sich zu erhalten. Ein Kommentar.

Ohne Äste ragt der Stamm eines abgestorbenen Nadelbaumes im Frankfurter Stadtwald in die Höhe.
Ohne Äste ragt der Stamm eines abgestorbenen Nadelbaumes im Frankfurter Stadtwald in die Höhe.Foto: Boris Roessler/dpa

Ist das heiß hier! Wie viel Grad hat es heute, hatte es gestern, wird es morgen haben, das Wetter ist Thema, überall dieser Tage. Meistens geht es dabei um die Menschen. Wie halten sie die Hitze aus? Wann und wie können sie reagieren, sich anpassen? Es gibt Empfehlungen für kühle Orte, richtiges Wohn- und Büroraummanagement, durstlöschende Getränke und die richtige Dosierung, Tipps für Alte, Kranke, Obdachlose.

Doch gerade hier in Europa ist die Hitzebeständigkeit der Menschen nicht die zentrale Herausforderung. Sie haben sich durch technische Errungenschaften dem Zugriff von Wetter und Wind weitgehend entzogen. Zentrale Herausforderung ist die Natur selbst: die Tiere und Pflanzen, die keine Technik zur Hand haben, um sich abzusichern.

Über den Zustand der Wälder, der sogenannten Lungen der Erde, erschallen „tägliche Hiobsbotschaften“, die Rede ist vom Wald „in höchster Not“, gebeutelt von Dürre und Schädlingen. Als Reaktion wird nach Aufforstungsprogrammen gerufen und nach Waldumbau. Milliarden Euro werden gefordert und in Aussicht gestellt, die Bundeskanzlerin sieht hier plötzlich eine „große Aufgabe“.

Wer soll sie pflanzen? Wer soll sie gießen?

Aber das ist nur die Strategieebene. Der Mensch kann rufen und fordern und planen und Geld zur Verfügung stellen, aber er kann keinen Baum schneller wachsen lassen, als der eben wächst. Wo sollen die Millionen Bäume, von denen gesprochen wird, herkommen? Wer soll sie pflanzen? Und vor allem: Wer soll sie gießen?

Auch in der Tierwelt lassen sich Forschern zufolge Anpassungsschwierigkeiten feststellen. Zuletzt hieß es, dass selbst robuste Vogelarten wie Kohlmeise und Elster ihr Brutverhalten zu langsam veränderten, um in wärmeren Zeiten zurechtzukommen. Was sollen sie tun? Auswandern oder wegsterben?

Die Luftaufnahme mit einer Drohne zeigt geschädigte Fichten im rechtsrheinischen Stadtwald von Koblenz.
Die Luftaufnahme mit einer Drohne zeigt geschädigte Fichten im rechtsrheinischen Stadtwald von Koblenz.Foto: dpa

Tiere und Pflanzen sind eigentlich Anpassungskünstler. Sie brauchen dazu aber Zeit. So ist das aktuelle Problem zuvorderst das Tempo der Veränderung. Der Mensch ist da flexibler. Wann er sich vermehrt, wie alt er wird, unabhängig von Sommertemperatur und Blütenstand. Und seine meist selbstgebaute Umwelt hat er ohnehin in der Hand. Wird es zu warm, kann er nachjustieren: Klimaanlagen aufstellen oder dem Asphalt mehr weiches Bindemittel beimengen. Das geht ganz schnell.

Menschliche Eile zieht in der Natur nicht

Nur da, wo er mit der Natur selbst umgehen muss, kommt seine Begabung zur Eile an natürliche Grenzen. Noch jedenfalls. Der Mensch ist kaum berühmt dafür, dass er Grenzen akzeptiert. Es ist nicht auszuschließen, dass der Veränderungsdruck auf Nutzpflanzen, dem auf naturnahen Wegen nicht entsprochen werden kann, die Debatte über Gentechnik in der Landwirtschaft neu belebt. Vielleicht überblenden bald Bilder von siechen Weizenhalmen, kahlen Waldgebieten und leeren Kartoffelschütten Bedenken gegen Genmanipulationstechniken, die schnelle Anpassungsschritte ermöglichen.

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Der Mensch hat der Natur mit seiner Versessenheit auf Technik brutal zugesetzt. Nun bleibt ihm vielleicht wenig mehr, als die Technik weiter zu nutzen, um die Natur – und sich selbst – zu erhalten. Dass er dafür zu den Sternen greifen kann, zeigt das Vorhaben, reflektierende Partikel in die Stratosphäre zu bringen, die Sonnenstrahlung vom Planeten abhalten. Man will damit den Effekt großer Vulkanausbrüche nachahmen. So könnte sogar das Aufbäumen der Erde noch Mittel zum Zweck werden.

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