Ego-Show zum US-Unabhängigkeitstag : Trump kopiert den Absolutismus

Der US-Präsident nutzt den Geburtstag seines Landes für seine eigene Propaganda. Das ist schamlos – und spaltet die Vereinigten Staaten. Ein Kommentar.

Aufgefahren zum 4. Juli: Ein Bradley-Panzer vor dem Lincoln Memorial in Washington.
Aufgefahren zum 4. Juli: Ein Bradley-Panzer vor dem Lincoln Memorial in Washington.Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Die traditionellen Feierlichkeiten zum 4. Juli heißen bei Donald Trump jetzt "Salute to America". Tatsächlich aber grüßt der US-Präsident mit seiner pompösen Show nur einen Teil des Landes - den, der ihn gewählt hat. Und wiederwählen soll. Zum Geburtstag der Nation lässt er nicht nur Panzer auffahren und Kampfflugzeuge über die Hauptstadt fliegen. Er nutzt die eigentlich unpolitischen Feierlichkeiten, die Hunderttausende Amerikaner nach Washington locken, auch für seine eigene Propaganda. Und er tut dies ganz offen.

Schamlos hat das Weiße Haus VIP-Karten für Trumps Rede vor dem Lincoln Memorial ausgegeben - an republikanische Großspender und andere seiner Partei nahestehende Personen. Wie bei einer seiner Wahlkampfveranstaltungen. Der Unterschied ist nur, dass dieses Mal der amerikanische Steuerzahler die Rechnung bezahlen soll. Die Empörung der oppositionellen Demokraten wird ignoriert. Die Republikaner wiederum schweigen. Auch diejenigen, die es besser wissen.

Der Tag ist ein friedlich-fröhliches Volksfest, mit Picknick, Feuerwerk, Konzerten und vielen Flaggen. Überall im Land finden spezielle Einbürgerungszeremonien statt, die Amerikaner feiern stolz und patriotisch ihre Geburtsstunde als freie und unabhängige Nation. Sie feiern ihre Einheit. Amerikanische Präsidenten haben sich in der Regel bewusst von den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag ferngehalten, mitunter gar die Stadt verlassen.

Trump sind Traditionen egal

Dem aktuellen Präsidenten sind solche Traditionen egal. Sein Motto lautet zwar: "Make America Great Again", Amerika soll wieder groß werden. In Wahrheit geht es ihm aber nur darum, sich selbst größer zu machen. Bei seinem Frankreichbesuch vor zwei Jahren hat ihn die Pariser Militärparade zum Nationalfeiertag so beeindruckt, dass er sich vornahm, diese in seiner Hauptstadt nachzuahmen. Dabei kopiert er offenbar gleich noch den französischen Absolutismus: L'état c'est Trump.

Das zeigte sich zunächst bei seiner Show an der innerkoreanischen Grenze, als er alle Erfahrungen seiner Vorgänger ignorierte und einfach aus dem Bauch heraus handelte. Und das zeigt sich am Donnerstagabend bei seiner Ego-Show vor dem Lincoln Memorial, für die er sogar das Militär benutzt. Dabei spaltet Trump die Nation - ausgerechnet am Denkmal des US-Präsidenten, der das Land erfolgreich durch den verheerenden Bürgerkrieg geführt hat.

Geradezu zwangsläufig ist daher der Protest der Gegenseite. Demonstrationen werden erwartet, ein "Trump-Baby-Ballon" soll aufsteigen - und sogar eine amerikanische Flagge in Flammen aufgehen. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind an ihrem 243. Geburtstag uneins wie lange nicht. Ein Grund zum Feiern ist das nicht.

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