Ein Toter, mehrere Verletzte : Angriff auf Roma-Lager in der Ukraine

In der Westukraine ist eine bewaffnete Gruppe auf ein Zeltlager von Roma am Stadtrand von Lwiw losgegangen und tötete einen Menschen. Es ist nicht der erste Angriff auf Roma in der Ukraine.

Eine Roma-Siedlung im serbischen Belvil in Belgrad (Symbolbild).
Eine Roma-Siedlung im serbischen Belvil in Belgrad (Symbolbild).Foto: Britta Pedersen /dpa

Bei einem Angriff auf ein Lager der Roma-Minderheit in der Westukraine ist ein Mann getötet worden, vier weitere Menschen wurden verletzt. Eine mit Schlagstöcken und Messern bewaffnete Gruppe sei am Samstag am Stadtrand von Lwiw auf das Zeltlager losgegangen, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag. Ein 24-Jähriger erlag seinen schweren Stichwunden.

Zu den Verletzten zählten auch ein 10-jähriger Roma-Junge sowie eine 30 Jahre alte Frau. Der Junge sei bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sieben mutmaßliche Täter zwischen 16 und 17 Jahren sowie der 20-jährige mutmaßliche Drahtzieher der Attacke wurden festgenommen. Ob die Angreifer Teil einer radikalen Vereinigung sind, blieb zunächst unklar. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein.

Angriffe auf Roma haben sich in der Ukraine in letzter Zeit gehäuft, wie Polizeichef Sergij Kniasew erklärte. Bei einem ähnlichen Vorfall im April hatte eine Gruppe Neonazis eine Roma-Zeltstadt in der Hauptstadt Kiew niedergebrannt. Die Angreifer machten mit Steinen und Pfefferspray auch Jagd auf Frauen und kleine Kinder. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben keine Ermittlungen auf, weil niemand Anzeige erstattete.

Im Juni wandten sich mehrere Menschenrechtsgruppen in einem offenen Brief an die Regierung in Kiew und forderten die Aufklärung der Attacken auf Roma. Demnach waren rechtsradikale Gruppen allein in diesem Jahr für mindestens 24 Angriffe verantwortlich. In der Ukraine leben nach Schätzungen des Europarates rund 260.000 Roma. Angehörige der auf mehrere Länder verstreuten Volksgruppe sind immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt. (AFP)

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