Engagierte unter 20 : Jugendliche fordern viel mehr Volksabstimmungen

Ihre Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen: Wie eine Umfrage zeigt, verlangen heute 94 Prozent der Jugendlichen mehr politische Mitsprache.

Zehntausende beteiligten sich bereits in Deutschland an den „Fridays for future“-Aktionen.
Zehntausende beteiligten sich bereits in Deutschland an den „Fridays for future“-Aktionen.Foto: Christian Mang/imago images

Jugendliche wollen bei gesellschaftlichen Zukunftsfragen mehr gehört werden und mehr mitbestimmen können. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Opaschowski Instituts für Zukunftsforschung, bei der 1000 Personen ab 14 Jahren befragt wurden. Danach habe es in den vergangenen fünf Jahren eine starke Zunahme bei den unter 20-jährigen Jugendlichen gegeben, die „viel mehr Volksabstimmungen für die Bürger“ fordern (2014: 73 Prozent - 2019: 94 Prozent).

„Die Jugendlichen vermissen in der Politik klare Vorstellungen darüber, wie unsere Gesellschaft in 20, 30 Jahren aussehen soll“, sagte der Leiter des Instituts, Professor Horst Opaschowski. Die „Fridays for Future“-Proteste mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg als Symbolfigur seien eine neue Mitmachbewegung im Sinne von Artikel 20 Absatz 2 des Grundgesetzes, wonach alle Staatsgewalt „in Wahlen und Abstimmungen vom Volke ausgeht“ und Parteien bei der politischen Willensbildung lediglich „mitwirken“, aber nicht allein bestimmen sollen. „Die jugendlichen Protestgruppen richten sich gegen Polit-Profis, die sich zu verselbstständigen drohen, und dabei die Interessen kommender Generationen aus den Augen verlieren“, sagte Opaschowski.

Außerdem forderten die Jugendlichen mehr selbstständiges und verantwortliches Handeln im Unterricht. 92 Prozent (2014: 77 Prozent) befürworteten die Aussage: „Zu den wichtigsten Erziehungszielen der Zukunft werden Selbstständigkeit und Selbstvertrauen gehören, die in schulischen Projekten gefördert und eingeübt werden müssen.“

55 Prozent der Wahlberechtigten unterstützen Schulstreiks

Deshalb sei die Forderung von Politikern falsch, die Jugendlichen sollten sich in ihrer Freizeit engagieren. „Bildungspolitiker müssten genau umgekehrt argumentieren: Relevante Zukunftsprojekte wie die „Fridays-For-Future“-Bewegung müssen von der Straße in den Unterricht und schulischen Alltag geholt werden, statt Mauern zu bauen und sich abzugrenzen“, sagte Opaschowski.

Einer anderen Umfrage zufolge finden es 55 Prozent der wahlberechtigten Frauen und Männer in Deutschland in Ordnung, wenn Schülerinnen und Schüler für die „Fridays for Future“-Demonstrationen Unterricht verpassen. 42 Prozent sind gegenteiliger Meinung, wie aus einer am Freitag in Köln veröffentlichen Umfrage des ARD-„Morgenmagazins“ hervorgeht. Seit mehreren Wochen gehen Jugendliche in zahlreichen Ländern freitags auf die Straße, um ihre jeweiligen Regierungen zu einer effektiveren Klimapolitik aufzurufen. Für den „DeutschlandTrend“ hat Infratest dimap 1.041 Wahlberechtigte befragt. (dpa, epd)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!